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Babyboom: Personal wird langsam knapp

Aderlass in den Kliniken Babyboom: Personal wird langsam knapp

Die Schleswig-Holsteiner haben immer mehr Lust auf Nachwuchs. Nachdem es bereits 2015 einen deutlichen Anstieg auf 22000 Geburten im Land gab, melden etliche Kliniken nun: Der positive Trend hat sich im ersten Halbjahr 2016 sogar noch verstärkt.

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Geburtskliniken in Schleswig-Holstein

Kiel. Die Geburtenprognose für die nächsten Jahre des Landes ist deutlich nach oben korrigiert worden.

 Die Geburtskliniken im Land erleben seit 20 Jahren einen beispiellosen Aderlass: Von einst 36 Geburtsabteilungen arbeiten aktuell nur noch 20. Die gesetzlichen Krankenversicherungen halten weitere Schließungen für sinnvoll. In einem Papier von Januar 2016 werden dafür zwei Hauptargumente genannt: Häuser unter 500 Geburten könnten nur schwer den geforderten Qualitätsstandards genügen. Und: Die Geburtszahlen würden weiter sinken – von 2013 bis 2025 um 2329 Geburten.

 Inzwischen hat das Land allerdings eine neue Prognose vorgelegt: Sie geht in den nächsten Jahren von einem deutlichen Anstieg und erst ab 2021 von einem langsamen Rückgang aus. Unter dem Strich wird von 2013 bis 2025 ein Plus von rund 800 Geburten erwartet. Im gesamten Zeitraum soll die Zahl der Geburten im Jahr zwischen 21800 und 23200 liegen. Dabei wurde von deutlich sinkender Zuwanderung ausgegangen. Sollten tatsächlich mehr Menschen in Schleswig-Holstein heimisch werden, könnte dies die Geburtenzahlen weiter erhöhen.

 Viele Kliniken sehen sich durch die neue Prognose bestätigt. Bereits 2015 hatten die Geburtskliniken zum Beispiel in Preetz, Eckernförde, Kiel, Neumünster und Bad Segeberg einen Anstieg der Geburtszahlen vermeldet. Diese positive Entwicklung setze sich nun fort, heißt es. So wurden in der Preetzer Klinik und der Imland-Klinik in Eckernförde im ersten Halbjahr mehr Kinder geboren als im Vorjahreszeitraum.

Eckernförde ist gut aufgestellt

 „Wir haben im ersten Halbjahr acht Prozent mehr Geburten als im Vorjahreszeitraum“, sagt der Gynäkologie-Chefarzt Dr. Achim Niesel in der Klinik Preetz. Da in der zweiten Jahreshälfte erfahrungsgemäß mehr Geburten gezählt werden, hofft er, dass die Zahl vom vergangenen Jahr noch übertroffen wird. Und Niesel räumt mit einem Irrtum auf: Der Anstieg ist (noch) nicht den Flüchtlingsbabys zu verdanken. Viele junge Menschen aus der Kiel-Region kämen wegen der Familienzimmer nach Preetz. In Eckernförde wurde 2016 bereits das 400. Baby geboren – im Vorjahr war das erst im August der Fall. Dabei stand die Geburtsabteilung in Eckernförde vor zwei Jahren noch vor dem Aus – nicht wegen der Geburtenzahl, sondern weil nicht genügend Personal bereitstand. Inzwischen ist man personell gut aufgestellt.

 Der Fall Niebüll zeigt aber, dass das Personalproblem den Geburtskliniken auf dem Lande eher gefährlich werden könnte als sinkende Geburtszahlen: Weil man in Niebüll nicht mehr genug Hebammen fand, wurde die Geburtsabteilung jetzt vorläufig geschlossen. Gesundheitsministerin Kristin Alheit hat mit den Akteuren vor Ort mit einem Maßnahmenpaket reagiert – mit Boarding-Angebot, Hebammen-Rufbereitschaft und einer Stärkung des Rettungsdienstes. „Dies werden wir wie angekündigt weiter verfolgen, unter anderem möchte ich eine noch bessere Verzahnung aller Akteure vor Ort fördern“, sagt die Ministerin. „Ich halte aber nichts davon, anlässlich der Situation in Niebüll die gesamte Geburtshilfelandschaft in Frage zu stellen.“ Auch bei den Kassen geht man davon aus, dass das Personalproblem zunimmt.

 Auf die Forderung der Kassen, die Zahl der Geburtskliniken weiter zu reduzieren, sagt Alheit: „Die Sicherheit für Mutter und Kind sind das wichtigste in der Geburtshilfe. Die Geburtenanzahl einer Klinik kann dabei einen Hinweis auf Routine geben, ein starres Ausschlusskriterium ist sie nicht.“

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Geburten sind ein hochemotionales Erlebnis. Jede Mutter weiß, wie wichtig es für den Geburtsverlauf ist, dass man sich und das Baby gut aufgehoben fühlt. Deshalb ist auch die Diskussion um Geburtskliniken immer emotionsgeladen. Und das macht die Geburtsabteilungen selbst anfällig, wie der Fall Niebüll zeigt.

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