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Rentner bekommt sein Geld zurück

Aida verteidigt Kapitän Rentner bekommt sein Geld zurück

Alfred Nehls aus Bad Oldesloe kann aufatmen: Der 86-jährige Rentner bekommt von AIDA nun doch den vollen Reisepreis erstattet. Der Schiffsarzt und der Kapitän hatten dem gesundheitlich angeschlagenen Senior die Kreuzfahrt ans Nordkap verwehrt.

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Mit der AIDA wird Alfred Nehls aus Bad Oldesloe nicht mehr ans Nordkap fahren.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Schicksal von Alfred Nehls hat für Aufsehen gesorgt. Der 86-Jährige aus Bad Oldesloe wollte im Sommer von Kiel aus mit dem Kreuzfahrtschiff „Aidacara“ zum Nordkap reisen. Doch der Plan scheiterte. Der gesundheitlich angeschlagene Senior bekam an Bord Besuch von Schiffsarzt und Kapitän. Nach dem Gespräch packte er selbst noch vor dem Ablegen die Koffer und fuhr wieder heim. Das böse Erwachen kam danach. Der Senior hatte keine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen und drohte auf einem Teil des Ticketpreises von 5273 Euro sitzen zu bleiben.

„Das Schicksal hat auch uns berührt. Obwohl Herr Nehls keine entsprechende Versicherung hatte, wird ihm durch Aida der Reisepreis in vollem Umfang erstattet“, erklärte Reederei-Sprecher Hansjörg Kunze. Zur Entscheidung des Kapitäns und des Schiffsarztes, die dem Rentner den Abbruch der Reise empfohlen hatten, habe es allerdings keine Alternative gegeben. „Diese Entscheidung ist Kapitän und Schiffsarzt nicht leicht gefallen. Der Kapitän ist aber für die Sicherheit aller Menschen an Bord verantwortlich“, so Kunze. „Herr Nehls hat das eingesehen und das Schiff aus freien Stücken selbst verlassen.“ Es könne keine Rede davon sein, dass er von Bord gewiesen wurde.

 „Wenn Herr Nehls eine Begleitung dabei gehabt hätte, wäre es überhaupt kein Problem gewesen“, sagte Kunze. Der 86-Jährige hatte die Doppelkabine der Meerblick-Kategorie aber für sich allein gebucht. Nachdem Besatzungsmitgliedern der unsichere Gang aufgefallen war und er selbst auch nicht die Kabinentür öffnen konnte, wurden Schiffsarzt und Kapitän informiert. „Hier mussten Kapitän und Schiffsarzt handeln.“

 Bei der Berufsgenossenschaft See wird das ähnlich bewertet. „Ein Passagier sollte schon in der Lage sein, Schwimmwesten anzulegen, sich an Bord sicher zu bewegen und den Weg zur Musterstation auch ohne Hilfe zu bewältigen“, sagt Kai Krüger von der Abteilung Seesicherheit der zuständigen Berufsgenossenschaft. Die Teilnahme am Sicherheitsdrill sei für Passagiere gemäß der Solas-Vorschriften Pflicht.

 Auch das Reiseziel gilt es zu bedenken. So war auf dem Weg zum Nordkap durchaus mit Seegang zu rechnen. Alfred Nehls waren diese Risiken allerdings nicht bekannt, da er zuvor noch keine Kreuzfahrt gemacht hatte. Als er noch rüstig war, hatte er die Welt mit seinem Camping-Mobil bereist. Eine Seereise ist aber keine Autofahrt, so die Experten. Wäre Herr Nehls aufgrund seiner eingeschränkten Bewegungsfähigkeit in seiner Kabine oder einem Treppenhaus gestürzt, hätte eine medizinische Notausschiffung auf See gedroht.

 „Wenn auf See etwas an Bord passiert, ist das etwas anderes als an Land“, bekräftigt Christian Stipeldey, Sprecher der Seenotretter. Die Medizinische Evakuierung, kurz Medevac, stelle ein erhebliches Risiko dar. Drei Mal mussten die Seenotretter allein in diesem Jahr erkrankte Passagiere in deutschen Gewässern von Kreuzfahrtschiffen abbergen.

 Damit Alfred Nehls doch noch das Nordkap sehen kann, hat Aida ihn zusammen mit einer Person seiner Wahl für nächstes Jahr eingeladen. Den Traum vom Nordkap hat Alfred Nehls aber aufgegeben. „Alfred fühlt sich so einer Reise nicht mehr gewachsen“, berichtet sein Nachbar. „Dadurch, dass die Reederei den Reisepreis erstattet, hat das Erlebnis für Alfred aber ein versöhnliches Ende genommen.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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