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14 Raubüberfälle in vier Wochen

Alles für Roulette und Kokain 14 Raubüberfälle in vier Wochen

Fast vier Wochen hielt der Horrortrip des spielsüchtigen Tankstellenräubers an: Bei 14 Raubüberfällen zwischen Lübeck, Norderstedt und Hamburg, aber auch in Dortmund, Stuttgart und Nürnberg erbeutete der stets mit einem Messer bewaffnete Serientäter mit der Sonnenbrille mehr als 100 00 Euro.

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Fast vier Wochen hielt der Horrortrip eines spielsüchtigen Tankstellenräubers an.

Quelle: Arne Dedert/ dpa

Kiel. Das Geld verspielte er im Casino. Seit Montag sitzt der „Kapuzenmann“ als Angeklagter vor dem Kieler Landgericht. Das böse Erwachen für den 28-Jährigen, der im Pkw eines Freundes von Hotel zu Hotel, von Spielhalle zu Spielhalle reiste, folgte kurz nach seinem letzten Tankstellenraub am 28. November 2015 in Norderstedt. Bei einer Großfahndung stellte ihn die Polizei auf der A7 in Richtung Hamburg. Seit er in der Hansestadt vor laufender Überwachungskamera mit dem Pkw einen Tankbetrug beging, kannten die Ermittler sein Kennzeichen und veröffentlichten Fahndungsfotos.

Nach seiner Festnahme legte der im Kreis Segeberg aufgewachsene Mann sofort ein umfassendes Geständnis ab. Das wollen seine Kieler Verteidiger nun strafmildernd in die Waagschale werfen. Für eingeschränkte Steuerungsfähigkeit unter Drogen wird es nach vorläufiger Einschätzung einer Gerichtsmedizinerin nicht reichen. Obwohl der Angeklagte beteuert, vor jedem Überfall eine Nase Kokain gezogen zu haben, um sich Mut zu machen.

Strafschärfend dürfte sich auswirken, dass die martialischen Auftritte des großen, kräftigen Täters zwei Leichtverletzte forderten: Am 10. November verletzte sich ein Kassierer in Norderstedt am Daumen, als er sich auf ein Gerangel mit ihm einließ. „Du bekommst gar nichts!“ rief eine beherzte Kassiererin in Stuttgart dem Maskierten zu, schob ihn weg und griff ebenfalls in die acht Zentimeter lange Klinge seines Klappmessers.

Der Angeklagte trainierte vor der Raubserie regelmäßig im Fitness-Center, verdiente als Kellner 2000 Euro netto. Obwohl er eine feste Freundin hatte, lebte aber immer noch zum Nulltarif im „Hotel Mama“. So konnte er sein ganzes Einkommen verschleudern. Als sich die Freundin von ihm abwandte, lieh er sich einen Pkw, packte die Koffer und riss aus.

Die nun folgende Raubserie, die ihm wohl eine langjährige Haftstrafe einbringen wird, erlebte der Angeklagte als Trip durch einen dunklen Tunnel. Warum er sich „spontan“ dazu hinreißen ließ, kann er nicht erklären. Dies könnte in Haft eine Therapie klären. Bisher hatte der Angeklagte alle drängenden Ratschläge von Mutter und Freundin, sich professionelle Hilfe zu suchen, in den Wind geschlagen: „Ich hab’ gedacht, dass ich das selber hinkriege.“

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