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So lange wie möglich zu Hause bleiben

Alzheimer So lange wie möglich zu Hause bleiben

Wer sich Sorgen macht, ob eine gefühlte oder von anderen bemerkte zunehmende Vergesslichkeit einen beginnenden Morbus Alzheimer anzeigt, kann in Kiel spezialisierte Ärzte im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) und in der UKSH-Klinik für Neurologie aufsuchen.

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Ziel einer Alzheimer-Therapie ist es, die Patienten so lange wie möglich zu Hause zu belassen.

Quelle: Caroline Seidel/dpa

Kiel. Prof. Thorsten Bartsch, geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Neurologie, leitet die dortige Gedächtnis- und Demenzsprechstunde. „Zu etwa 80 Prozent kommen unsere Patienten aus eigenem Antrieb. Es ist nicht so, dass wir jemanden zur Diagnose drängen.“ Bartsch hebt das Recht auf Nicht-Wissen hervor: „Die, die es nicht wissen wollen, kommen gar nicht. Es gibt jedoch eine Reihe von behandelbaren Formen von Demenzen, sodass eine wichtige Aufgabe von uns ist, diese zu diagnostizieren.“

 Bei etwa einem Drittel der Patienten laute die Diagnose Alzheimer-Demenz. Daneben gibt es vaskuläre (gefäßbedingte) Demenzen und Mischformen, Demenzen bei Depressionen, Demenzen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Demenzen nach Entzündungen des Gehirns. Außerdem: Gedächtnisstörungen infolge von Strahlen- oder Chemotherapien.

 Die Diagnose ergebe sich, sagt Bartsch, aus der Zusammensetzung mehrerer Befunde, die im persönlichen Gespräch mit dem Patienten und den Angehörigen, in Gedächtnistests, in Untersuchungen des Blutes, des Nervenwassers und in MRT-Bildern des Kopfes erhoben werden.

 „Die Alzheimer Demenz ist eine Demenz, bei der die Gedächtnisstörung im Vordergrund steht und die Persönlichkeit des Patienten lange erhalten bleibt“, erklärt Bartsch. Die klinische Diagnose zu Lebzeiten sei „mittlerweile relativ sicher, weil Nervenwasserbefunde, das Bild vom Kopf und die Testung zusammen interpretiert werden“. Entgegen vieler Medien-Berichte gibt es „leider bis jetzt keine Substanz, die den Krankheitsvorgang zum Stillstand bringen könnte“. Hunderte von Substanzen würden zwar erforscht, so Bartsch, „aber es gibt zurzeit keine neuen Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente, die unmittelbar vor Einführung in die klinische Praxis stehen.“

 Ziel einer Therapie ist es, „die Patienten so lange wie möglich zu Hause zu belassen, in ihrem gewohnten Rahmen, und ihre Lebensqualität zu erhalten. Das muss man kontinuierlich begleiten.“

 Unterm Strich gehe es nach der Diagnosestellung um eine begleitende Anpassung, „bei der wir uns als ärztliche Mitbegleiter verstehen und als Mediatoren zwischen Patient und seinem Hausarzt“, welcher mit diesem die Pflegestufe beantragt und ihm Rezepte ausstellt. „Wir versuchen gemeinsam, diese Anpassung immer feiner zu justieren“, erklärt Bartsch. Er versuche, die Angehörigen der Patienten zu ermutigen, trotz Voranschreitens der Erkrankung die Lebensqualität der Betroffenen zu stärken. Die Betreuung, meistens durch die Ehepartner oder Kinder, sei wichtig und unterstütze den Patienten.

 „Die meisten Patienten sehen wir im Abstand von sechs bis acht Monaten“, berichtet Bartsch. „Wir müssen bei Beginn einer Demenz sehen, welche Beschwerden im Vordergrund stehen und ob eine Demenz langsam oder rasch verläuft. Daneben ist wichtig, ob eine Pflegeunterstützung zu Hause notwendig ist, ob es im Alltag klappt und der Patient alleine zu Hause bleiben kann oder sich Reizbarkeit und Schlafstörungen, beide behandelbar, entwickeln.“

 Die meisten Patienten und ihre Angehörigen kommen irgendwann mit der Awo-Beratungsstelle Demenz und Pflege und der Alzheimer Gesellschaft Kiel in Kontakt. Bartsch sagt, er kenne kaum eine andere Alzheimer-Gesellschaft landesweit, „die so aktiv und überregional Ansprechpartner ist für Betroffene und Angehörige“.

 Ein Projekt der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein ist das Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein mit Sitz in Norderstedt (Alter Kirchenweg, Tel. 040 60926420). Projektleiter ist Dipl.-Soz.päd. Swen Staack. Das Kompetenzzentrum soll die Angebotsstrukturen, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, ausweiten, und Versorgungslücken schließen. Es berät sowohl beim Aufbau von Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz als auch bei der Anpassung eigener Wohnräume.

 Kann die oder der Einzelne eigentlich irgendetwas tun, um sich vor Demenz zu schützen? „Neben der Reduktion von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterin, Übergewicht, Nikotin – soll insbesondere ein körperlich, geistig und sozial aktiver Lebensstil das Risiko der Entwicklung einer Demenz reduzieren“, erklärt Thorsten Bartsch.

 Gedächtnissprechstunde der UKSH-Neurologie, Arnold-Heller-Straße 3, Anmeldung unter Tel. 0431 597-8529

 Vortrag Prof. Bartsch im Citti-Park, 19. 9., von 18 bis 20 Uhr. Teilnahme kostenfrei, Anmeldung erforderlich: per Mail an gesundheitsforum-kiel@uksh.de oder Tel. 0431 597-5212 (9 bis 15 Uhr, Marion Krüger).

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