10 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Schleswig-Holstein entdeckt den Kürbis

Anbau im Norden Schleswig-Holstein entdeckt den Kürbis

Es ist bisher nur eine zarte Liebe, die Beziehung zwischen den Schleswig-Holsteinern und dem Kürbis. Doch es tut sich etwas. Immer mehr Verbraucher im Norden entdecken die Vielfalt der besonderen Frucht, die nicht nur schmackhaft, kalorienarm und gesund, sondern auch preiswert und lange haltbar ist.

Voriger Artikel
Lehrer müssen eine Stunde mehr unterrichten
Nächster Artikel
"Ich glaube an den deutschen Staat“

Lange fristete der Kürbis ein Schattendasein. Mittlerweile entdecken viele Schleswig-Holsteiner seine Vorzüge. Sylvia Manske vom Kieler Hof Wittschap zeigt einen Ufo-Kürbis (links) und eine Bischhofsmütze.

Quelle: Sven Janssen

Rendsburg. Der Kürbis kommt längst nicht mehr nur als Suppe auf den Teller, sondern als Salat und Hauptgericht ebenso wie als Nudel- und Fleischersatz, als Chutney, Dessert und Kuchen. Weltweit werden 800 verschiedene Kürbissorten angebaut. In Schleswig-Holstein kann man mit etwas Spürsinn etwa 30 davon finden – vom Spaghettikürbis über die Bischofsmütze bis zum Blauen Husar und Roten Zentner. Auch die Zucchini gehören zur Familie der Kürbisgewächse. Hinzu kommen die nicht essbaren Zierkürbisse. Alle Sorten unterscheiden sich in Form, Farbe und Geschmack, gehen aber botanisch auf fünf Arten zurück. „In Schleswig-Holstein sind immer noch Hokkaido und Butternut die beliebtesten Sorten“, sagt Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer. In den vergangenen Jahren hat die Anbaufläche stetig zugenommen – auf 81 Hektar im Jahr 2015. In diesem Jahr geht man von einer weiteren Steigerung aus. „Insgesamt bewegt sich der Kürbisanbau in Schleswig-Holstein aber immer noch auf dem Niveau einer Nischenkultur“, sagt Rixen. Eine Kultur, die weiter ausbaufähig ist, wenn noch mehr Schleswig-Holsteiner die Vorzüge des Kürbis’ entdecken. Noch gibt es aber Vorbehalte.

Kürbis hat viele Vorteile

So wird bemängelt, dass der Kürbis so schwer zu handhaben ist. Zu groß, heißt es, dabei gibt es auch kleine Gesellen wie die Baby Bears oder Ufos. Vor allem schreckt der große Kraftaufwand ab, wenn man das harte Fruchtfleisch zerteilen will. Aber das muss nicht sein: Man kann den Kürbis halbieren und je nach Sorte bei 150 Grad Celsius etwa 20 bis 30 Minuten im Ofen vorgaren. Anschließend lässt sich der Kürbis leicht schälen, von Kernen befreien und schneiden. Wer ihn nicht komplett verarbeiten will, kann den Rest drei bis vier Tage im Kühlschrank aufbewahren. Und wer ganze, unbeschädigte Winterkürbisse dunkel und kühl lagert, hat sogar noch nach Monaten ein schmackhaftes Lebensmittel ohne Verlust der wertvollen Inhaltsstoffe. So sind Kürbisse wichtige Lieferanten für Beta-Carotin, Vitamin E, B1, B2 und B6, Folsäure und Vitamin C, aber auch für Zink, Magnesium, Kalzium, Eisen, Kalium und Kieselsäure, die Bindegewebe, Haut und Nägel stärkt. Das Fruchtfleisch ist ballaststoffreich und hat nur 27 Kalorien pro 100 Gramm.

Das alles wussten unsere Vorfahren vor 12000 Jahren sicher noch nicht. Dennoch ließen sie die wilden Kürbisse nicht links liegen. Weil deren Fruchtfleisch jedoch bitter ist, geht man davon aus, dass zunächst nur die nahrhaften Kürbiskerne verzehrt wurden. Durch Domestikation und Züchtung wurden die Bitterstoffe nach und nach eliminiert und auch das Fruchtfleisch wurde essbar. Noch heute gilt aber der Grundsatz: Schmeckt ein Kürbis bitter, sollte man die Finger davon lassen. Denn dann enthält er Cucurbitacin, das Magenkrämpfe und Übelkeit verursacht. Es ist jener Bitterstoff, der auch reine Zierkürbisse ungenießbar macht.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, nicht nur das Fruchtfleisch zu verwenden, sondern auch die Kerne. Getrocknet sind sie ein leckerer Snack, veredeln Gebäck, Brot, Salate und Suppen. Sie sind reich an Eiweiß, Mineralstoffen und Vitamin E, wirken entwässernd und verdauungsfördernd und sollen Inkontinenz und Prostastabeschwerden lindern helfen. Aus den Kernen, die botanisch Samen sind, lassen sich mit etwas Glück selbst Kürbisse ziehen. Bleibt die Frage, wann der Kürbis den richtigen Reifegrad hat. Einfach klopfen. Klingt es hohl, ist er genau richtig.

Zum Testen: Spaghettikürbis-Salat und Butternut aus dem Ofen

Der Name ist beim Spaghettikürbis Programm – sein Fruchtfleisch zerfasert nämlich bei Garen in spaghettiförmige Fäden. Diese kann man wie kalorienarme Nudeln nutzen und mit einer Pastasoße servieren. Oder man nimmt sie als Gemüse oder - mit Tomaten, Gurken, Petersilie und einem kräftigen Dressing - als Salat. Dazu wird der Stielansatz entfernt und der Kürbis je nach Größe 20 bis 30 Minuten in Wasser gekocht. Anschließend wird er mit einem großen Messer halbiert, die Kerne werden entfernt und mit einer Gabel die „Spaghetti“ herausgezogen.

Einfach, lecker und gesund: Gebratener Kürbis

Dazu wird zunächst ein Pesto hergestellt: 50 Gramm Pinienkerne mit 120 Gramm Parmesan, zwei Knoblauchzehen und den Blätter von einem Bund Basilikum in einem Mörser quetschen und mit etwa 100 Milliliter Olivenöl zu einer Paste rühren. Den Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Zwei kleine Butternut-Kürbisse halbieren, Kerne und Fasern entfernen und das Fruchtfleisch rautenförmig einschneiden. Mit Salz und Pfeffer würzen, mit der Hälfte des Pesto bestreichen und im Ofen etwa 40 Minuten backen. In der Zwischenzeit zwei kleine Zwiebeln fein und 300 Gramm Tomaten grob schneiden, in Öl dünsten, mit etwa Zucker dünsten, dann mit Salz, Pfeffer, Thymian oder Rosmarin würzen. Die Mischung und das restliche Pesto auf dem gegarten Kürbis verteilen und je nach Geschmack mit Ruccolablättern, in der Pfanne gerösteten Pinienkerne und geriebenem Parmesan garnieren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3