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Sie muss putzen für die Ausbildung

Angehende Erzieherin Sie muss putzen für die Ausbildung

Erzieher werden dringend benötigt. Weil es ein Fachschul-Ausbildungsberuf ist, gibt es aber keine Vergütung. Bafög und Aufstiegs-Bafög sollen eigentlich dafür sorgen, dass sich trotzdem alle die Erzieherausbildung leisten können. Wirklich alle? Nein.

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Heidi Schulz (47) aus Süderbrarup wird Erzieherin. Weil sie jedoch durch alle Förder-Raster fällt, muss sie neben der Ausbildung auch noch wöchentlich 26,5 Stunden als Reinigungskraft arbeiten.

Quelle: Ulf Dahl

Süderbrarup. Heidi Schulz aus Süderbrarup kann es nicht. Sie muss putzen gehen, damit sie Erzieherin werden kann.

„Ich habe alle Stellen abgeklappert. Auch meine Ausbilder haben sich bemüht“, sagt Schulz, „aber ich falle durch alle Raster. Solch ein Lebenslauf wie meiner ist im System offenbar nicht vorgesehen.“ Denn Heidi Schulz hat mit Mitte 40 noch einmal einen Berufsstart gewagt. Es war ihr erster – und das ist das Problem. „Ich hätte gerne gleich nach meinem Abitur studiert oder einen Beruf erlernt, aber unter diesen Umständen war das einfach nicht machbar. Ich wurde immer an anderer Stelle gebraucht“, sagt die heute 47-Jährige.

Nach dem Abitur bekam sie ihr erstes Kind. Die Betreuung war damals auf dem Land kaum bis gar nicht vorhanden. Außerdem kam dann auch bald das zweite Kind. „Mein Sohn hatte einen schweren Unfall, ich musste mich erst einmal um ihn kümmern. Und als unser drittes Kind als Frühchen mit einem Herzfehler auf die Welt kam, ging das natürlich auch vor.“ Und schließlich wurde ihr Vater krank und sie kümmerte sich um ihn. Bis zu seinem Tod.

Dennoch hegte sie immer den Wunsch, endlich einen Beruf zu erlernen. Deshalb hat sie im Jahr 2016 den Sprung gewagt und die Ausbildung zur Erzieherin begonnen. „Ich fand, dass ich jetzt auch mal an der Reihe bin, mein Mann hat mich darin unterstützt“, sagt Schulz. Allerdings gingen beide davon aus, dass sie während der Ausbildung das Aufstiegs-Bafög erhalten würde.

Das war schließlich extra ausgeweitet worden, damit jeder auch dann noch den Erzieherberuf erlernen kann, wenn er für das reguläre Bafög eigentlich zu alt ist. Doch schnell stellte sich bei Schulz Ernüchterung ein: Denn das Aufstiegs-Bafög erhält nur, wer auch bereits eine Erst-Ausbildung absolviert hat. Das hat Heidi Schulz jedoch nicht.

Die angehende Erzieherin fühlt sich benachteiligt. „Wenn der Staat wirklich möchte, dass man ein Leben lang lernt, dass man auch in meinem Alter noch einen Beruf beginnt, und wenn in diesem Beruf dringend Fachkräfte gesucht werden – dann sollten den Lernwilligen nicht noch Steine in den Weg gelegt werden.“

Von kn online

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