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Anonymer Geldsegen „für die Kinder“

Diakonie Anonymer Geldsegen „für die Kinder“

Der Mann oder die Frau muss sich ausgekannt haben. Er oder sie warf die Umschläge nicht in den Briefkasten am Haupteingang des Gebäudekomplexes am Stadtrand. Er oder sie ging 100 Meter weiter zu einem Haus, in dem eine Wohngruppe für Kinder untergebracht ist.

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Was für eine freudige Überraschung: Lutz Regenberg am Diakonie-Briefkasten mit der großzügigen Geldspende.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Die Gruppe war gerade auf Ferienfahrt in Dänemark – nicht unwahrscheinlich, dass er oder sie das wusste. Auf dem Briefkasten klebt nur das Logo der Vorwerker Diakonie. Dort warf er oder sie zwei Umschläge ein, auf denen stand: „Für die Kinder“. Darin steckte viel Geld – ein Betrag im „niedrigen fünfstelligen Bereich“, sagt Lutz Regenberg, Sprecher der Vorwerker Diakonie.

 Um das Haus herum rauschen große, alte Bäume im Wind. Auf einer Wiese stehen zwei Fußballtore, eine Torwand und ein Klettergerüst. Zwei Mädchen spielen vor dem Haus mit einem Flummi. Hier leben Kinder und Jugendliche, acht sind es zurzeit, deren Eltern sie aus den verschiedensten Gründen nicht ohne Hilfe versorgen können – sei es wegen Krankheit, Sucht oder allgemeiner Überforderung. Fünf Erzieherinnen und Erzieher arbeiten in dem Haus. Etwa 20 solcher Wohngruppen gibt es in Lübeck, fünf davon betreibt die Vorwerker Diakonie. Ihre Standorte werden geheim gehalten, um die Kinder und Jugendlichen nicht zu stigmatisieren. „Sie werden in ihrem Leben schon ganz oft an solchen Einrichtungen vorbeigekommen sein und es nicht gemerkt haben“, sagt Regenberg. Dieses Haus am Stadtrand sei ideal für jüngere Bewohner, sagt eine Erzieherin, die ihren Namen nicht nennt: „Hier kann man die Kinder spielen lassen, ohne dass man Angst haben muss, dass sie vor ein Auto laufen.“

 2014 nahm die Vorwerker Diakonie knapp 1,6 Millionen Euro an Spendengeld ein, der Bericht für 2015 liegt noch nicht vor. Das meiste kam von Stiftungen, 250000 Euro von privaten Spendern. Die Beträge der Privatspenden reichten von drei bis 25000 Euro, der Schnitt lag bei 250. 90 Prozent der Privatspenden waren zweckgebunden. Normalerweise gibt es für den Spender ein Dankesschreiben und eine Bescheinigung. Eine anonyme Spende in dieser Höhe, noch dazu in bar, das habe es noch nie gegeben, sagt Regenberg.

 Wie das unverhoffte Geld verwendet wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass es der Wohngruppe in dem Haus zugutekommen wird, in dessen Briefkasten es abgelegt wurde. Die Diakonie betrachte die Spende als zweckgebunden, sagt Regenberg. Weil die Diakonie Einrichtungen wie diese Gruppe im öffentlichen Auftrag betreibt, übernimmt der Staat ihre Grundfinanzierung. „Aber die sieht keine zehntägige Ferienfahrt nach Dänemark vor oder zusätzlichen Sprachunterricht für Flüchtlinge“, sagt Regenberg. Eine spontane Idee für die Verwendung der anonymen Spende sei, damit die Fahrten der nächsten Jahre zu sichern.

 Die Erzieherin, die vor dem Haus steht, sieht sich durch die Spende in ihrer Arbeit bestärkt: „Wenn jemand das Gefühl hat, dass es Sinn hat, es dieser Gruppe zu geben, ist das auch eine Anerkennung.“

Von Hanno Kabel

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