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Arbeitslosigkeit auf Rekordtief

Schleswig-Holstein Arbeitslosigkeit auf Rekordtief

Erstmals seit 1993 ist die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein im Jahresschnitt auf unter 100 000 gesunken: Das teilten am Mittwoch Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit, und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) mit.

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Erstmals seit 1993 lagen die Arbeitslosenzahlen 2015 unter 100 000.

Quelle: Jan Woitas/dpa

Kiel . Als Gründe dafür nannten sie zum einen das stetige Beschäftigungswachstum, zum anderen das Festhalten von Unternehmen an Beschäftigten aufgrund des drohenden Fachkräftemangels. Demnach sind laut Prognose der Arbeitsagentur zum Jahresende 97 900 Menschen ohne Arbeit – ein Minus von 3100 zum Vorjahreszeitraum. Durch die wachsende Zahl von Flüchtlingen rechnet Haupt-Koopmann für das kommende Jahr allerdings wieder mit mehr Beschäftigungslosen – um 4500 oder 2,5 Prozent auf 101 000. „Ohne diesen Effekt würde die Gesamtzahl im kommenden Jahr noch weiter sinken“, sagte die Agenturchefin. Deshalb schaue sie „verhalten optimistisch“ auf das neue Jahr, in dem Experten ein Wirtschaftswachstum von etwa 1,8 Prozent erwarten.

Als „gutes Jahr für Schleswig-Holstein“ bezeichnete Minister Meyer die Tatsache, dass in diesem Jahr 22 700 zusätzliche Stellen von Unternehmen für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte geschaffen wurden: „Die Qualität der Arbeit nimmt zu.“ Sorgen bereitet Meyer dagegen die Gruppe der mehr als 35 000 Langzeitarbeitslosen. Hier müssten insbesondere die motivierenden Maßnahmen intensiviert werden, um auch diese Menschen zurück in den ersten Arbeitsmarkt führen zu können.

Speziellen Programmen nur für Flüchtlinge erteilte der Minister eine Absage: „Wir wollen die Instrumente, die wir haben, für alle nutzen.“ Deutsche Arbeitslose und Asylsuchende dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, mahnte Meyer. 2016 und die Folgejahre seien die „Jahre der Integration“, die nur gemeinsam mit Unternehmen, Verbänden, Kammern und Gewerkschaften bewältigt werden könnten. Zudem müsse auch weiterhin daran gearbeitet werden, dass Unternehmen ihre Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen wie Menschen mit Behinderungen abbauen. „Da sehe ich aber einen Sinneswandel bei vielen Arbeitgebern“, betonte Meyer. Für Agenturchefin Haupt-Koopmann bietet der Zuzug von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive viele Chancen für den Arbeitsmarkt im Norden.

Da im Norden in zehn Jahren etwa 80 000 Menschen aus Altersgründen nicht mehr arbeiten würden, seien viele der heutigen Flüchtlinge die „Fachkräfte von übermorgen“, sagte sie. „Wir können diese Menschen auf einen Beruf vorbereiten, das Erlernen der deutschen Sprache ist ein Schlüssel dazu.“ Hinsichtlich der leichteren Integration von Flüchtlingen, von denen zwei Drittel unter 30 Jahre alt seien, regte Haupt-Koopmann an, über Teilqualifikationen nachzudenken: „Wer zehn Jahre lang zum Beispiel als Friseur in seiner Heimat gearbeitet hat, muss eine Chance haben, trotz der in Deutschland geforderten Abschlüsse seinen Job ausüben zu dürfen, um sich dann weiter qualifizieren zu können.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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