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Atomaufsicht diskutiert mit Kritikern

Brunsbüttel Atomaufsicht diskutiert mit Kritikern

Abgeschaltet ist der „Pannenmeiler“ an der Elbe längst. Der geplante Abbau des Akw Brunsbüttel wird viele Jahre dauern. Das Vorhaben ist kompliziert — und umstritten. Jetzt stellt sich die Atomaufsicht mit Minister Habeck den Kritikern.

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Der geplante Abbau des Akw Brunsbüttel wird viele Jahre dauern. Das Vorhaben ist kompliziert - und umstritten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Brunsbüttel/Kiel. Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel soll abgerissen werden. Gegen das Vorhaben haben fast 900 Menschen schriftlich Bedenken vorgetragen, die sie am Montag bei einem sogenannten Erörterungstermin der Atomaufsicht auch mündlich darlegen können. Dazu kommt Energieminister Robert Habeck (Grüne) nach Brunsbüttel.

Betreiber Vattenfall hatte Ende 2012 den Rückbau des Kraftwerks beantragt, das wegen vieler Störungen als „Pannenmeiler“ in die Geschichte einging und von 1976 bis 2007 Strom lieferte. Dann leitete ein Kurzschluss das Aus ein. Der Reaktor ging nach der Reparatur kurz wieder ans Netz, blieb dann aber aufgrund diverser technischer Probleme dauerhaft abgeschaltet.

Für den vollständigen Rückbau des Atommeilers bis zur „grünen Wiese“ rechnet Vattenfall mit 10 bis 15 Jahren. Ob die Rückstellungen des Betreibers von 1,7 Milliarden Euro dafür reichen, wird sich zeigen. Die Entscheidung über den Abriss soll bis 2017 fallen.

Insgesamt 300 000 Tonnen Material sind abzubauen: Stahl, Beton und Atommüll. Auch um 6000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Abfälle geht es. Der Bau eines neuen, modernen Lagers dafür in Brunsbüttel ist ebenfalls beantragt.

Obwohl 96 Prozent des Materials konventioneller Abfall sein sollen, gibt es Ängste, der Abriss könnte Strahlenbelastungen auslösen. Dies erklärt auch, weshalb viele Einwendungen gegen den geplanten Rückbau auch von erklärten Atomkraftgegnern eingebracht wurden, die nie ein Akw in Brunsbüttel oder anderswo haben wollten.

Vor diesem Hintergrund dürfte bei dem Termin in Brunsbüttel — er könnte bis zu drei Tage dauern — auch eine Rolle spielen, wie sehr belastet Material sein darf, das später auf Deponien landen oder etwa im Straßenbau eingesetzt werden soll. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Grenzwert von zehn Mikrosievert, der deutlich niedriger liegt als radioaktive Belastungen aus Nahrung oder Zigaretten.

Der Rückbau des Atomkraftwerks soll im Übrigen erst beginnen, wenn der Reaktor frei von Brennelementen sein wird. Derzeit sind dort noch so viele, dass für ihren Abtransport zur Zwischenlagerung — wohl nach Brokdorf — elf oder zwölf Castor-Behälter erforderlich sein werden.

Mit dem Rückbau kerntechnischer Anlagen gibt es schon Erfahrungen in Deutschland. An mehreren Standorten hat er begonnen, so in Stade (Niedersachsen) und in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern). Anlagenteile werden dekontaminiert, etwa durch chemische, elektrische oder auch mechanische Verfahren wie Schrubben, Schleifen oder Bürsten. Nach dem Zerlegen durch Schweißen, Sägen, Schneiden, Wasserstrahlen oder Sprengtechniken wird geprüft, was ins Recycling oder in die Müllverbrennung gehen kann. Der Rest muss als radioaktiver Abfall entsorgt werden.

Das Akw Brunsbüttel hatte 20 Prozent der im nördlichsten Bundesland verbrauchten Strommenge geliefert, wenn es am Netz war. Es gehörte zu den acht Kraftwerken in Deutschland, die 2011 als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima ihre „Berechtigung zum Leistungsbetrieb“ verloren, also keinen Strom mehr erzeugen dürfen. Wegen technischer Pannen war es aber schon seit 2007 nicht mehr am Netz. Das Kraftwerk gehört zu zwei Dritteln dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall und zu einem Drittel Eon.

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Bundesumweltministerin Hendricks hat am Freitag das alte Angebot ihres Kieler Kollegen Habeck dankbar aufgegriffen, einige Castoren aus England in Schleswig-Holstein unterzustellen. Die Begeisterung des Kieler Obergrünen über den späten Erfolg hielt sich in engen Grenzen. Seine Ursprungsidee, die Castoren im Zwischenlager Brunsbüttel unterzustellen, ist nach dem juristischen Inkasso der Lagerlizenz hinfällig.

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