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Immer mehr Attacken auf brütende Möwen

Schleswig-Holstein Immer mehr Attacken auf brütende Möwen

Für die einen gehört Möwengeschrei zum echten Norden wie das Meer. Für andere ist es nur eine Lärmquelle, verbunden mit Verschmutzungen. An Möwen scheiden sich die Geister, vor allem wenn sie auf Flachdächern brüten. Immer häufiger werden die Tiere dort vertrieben oder getötet.

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Lachmöwe (Larus ridibundus, Chroicocephalus ridibundus) steht mit gespreizten Flügeln auf einem Geländer.

Quelle: imago stock&people

Plön. „Die Störungen und Vertreibungen von Flachdächern haben ein besorgniserregendes Maß angenommen“, sagt Dr. Wilfried Knief vom Vorstand der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. Gelege werden zerstört, es wird mit Luftgewehren und Schreckschusspistolen auf die brütenden Tiere gezielt oder an ihnen vorbeigeschossen, um sie zu vertreiben. Da werden aber auch Jungvögel getötet wie bei jenem Möwenmassaker, das ein Unbekannter vor Jahren auf dem Dach der Kieler Universitätsbibliothek angerichtet hat. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft fordert deshalb in der „Plöner Erklärung“ den Schutz der Möwen.

Denn die Möwen kommen nicht ohne Grund in die Städte. An ihren ursprünglichen Brutplätzen an der Ostseeküste sind die Brutbestände der Sturmmöwe dramatisch zurückgegangen, und die Brutkolonien der Lachmöwe auf den Inseln von Seen und Teichen sind nahezu allesamt erloschen. Hauptgrund: Die Vögel finden in einer veränderten Agrarstruktur nicht mehr genügend Nahrung und durch Tourismus, Marder und Fuchs in Strandgebieten keine Ruhe mehr zum Brüten.

Seit den 1990er Jahren weichen deshalb Sturmmöwen, aber auch Heringsmöwen, Schwarzkopfmöwe, Flussseeschwalben und Austernfischer auf Flachdächer mit Kieselsteinen aus. Die „Dachbrüter“ können die Rückgänge zwar nicht ausgleichen, aber verhindern, dass insbesondere Sturm- und Lachmöwen ganz aus der Region verschwinden. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft fordert deshalb, dass Attacken auf brütende Tiere und ihre Gelege konsequent verfolgt werden. Und: Kommunalverwaltungen sollten mit Gebäudeeigentümern festlegen, wo Möwen ungestört brüten können und wo ihre Ansiedlung mit legalen Mitteln verhindert werden kann.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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