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Prozess um Doppelmord gestartet

Haale Prozess um Doppelmord gestartet

Auftakt im mit Spannung erwarteten Indizienprozess um den Doppelmord auf einem Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Angeklagte schweigt vor dem Kieler Landgericht. Seine Rechtsanwälte kämpfen gegen die Verwertung früherer Aussagen, in denen Dennis N. (29) seine Anwesenheit am Tatort eingeräumt hatte.

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Drei Berufsrichter und zwei Schöffen der Schwurgerichtskammer am Landgericht Kiel sollen sich bis Dezember ein urteilsfähiges Bild über die Indizienlage verschaffen. In der Mitte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Im bis auf den letzten Zuschauerplatz gefüllten Schwurgerichtssaal ist es mucksmäuschenstill, als der mittelgroße, blonde Brillenträger in Handfesseln vorgeführt wird. Rund 70 Augenpaare mustern den gelernten Kfz-Mechaniker im grauen Kapuzenshirt. Laut Anklage schoss er am Abend des 18. November 2014 im Pferdestall des Gehöfts die Hofbesitzerin Regina F. (57) von hinten nieder und schnitt anschließend ihrer hinzugeeilten Mutter (83) mit einem Messer die Kehle durch.

 Die röchelnd am Boden liegende alte Dame habe Dennis N. mit einem weiteren Schuss aus seiner Pistole getötet, sagte Staatsanwalt Torsten Holleck. Um den Doppelmord zu vertuschen, habe er die Leichen mit Stroh bedeckt, mit Benzin übergossen und angezündet. Ein Autofahrer meldete den Brand frühzeitig, die Feuerwehr konnte fünf Pferde und das Stallgebäude retten.

 Die Anklage wirft dem ehemaligen Pächter einer Tankstelle mit Service-Werkstatt im nahe gelegenen Beringstedt heimtückischen Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat vor. Mit den 7900 Euro, die Regina F. ihm für die Anschaffung eines nie gelieferten Transporters zahlte, habe Dennis N. versucht, sein „Kartenhaus zur Bedienung von Schulden“ zu retten.

 Ein aussichtsloses Unterfangen: Vier Wochen vor der Tat hatte der überschuldete Mann unter dem Druck zweier Haftbefehle per eidesstattlicher Versicherung seine Zahlungsunfähigkeit erklärt. Einfamilienhaus, Werkstatt-Inventar, Kredite, Versicherungen – überall häuften sich Mahnungen und Forderungen. Auf 53000 Euro beziffert der Staatsanwalt allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

 Kurz vor ihrem Tod soll Regina F. noch in freudiger Erwartung erzählt haben, die lang ersehnte Übergabe des Transporters sei endlich fest vereinbart – für den 18. November. Auch die Pferdezüchterin stand finanziell unter Druck, hatte Tiere verkauft und ihre Lebensversicherung aufgelöst. Tochter (31) und Sohn (29) der Getöteten nehmen jetzt als Nebenkläger am Prozess teil. Nach ihrer Darstellung war Regina F. ruhig und hatte „ein großes Herz für Tiere“, konnte im Konfliktfall aber „auch schon mal etwas lauter“ werden. „Sternzeichen Löwe, das traf es ganz gut“, sagte ihr Sohn.

 Um die dringend auf ein Fahrzeug angewiesene Hofbesitzerin zu vertrösten, hatte ihr Dennis N. leihweise den Opel Corsa seiner Verlobten auf den Hof gestellt. Noch in der Brandnacht stand deshalb die Polizei vor der Tür des Paares, überzeugte sich zunächst von der Unversehrtheit der Autohalterin, die als Brandopfer infrage kam. Dort fiel den Beamten die frisch gewaschene Arbeitskleidung von Dennis N. auf. Sie verstauten die Textilien in Plastiktüten, stellten auch sein Portemonnaie und sein Handy sicher und nahmen den nicht vorbestraften Mann zur weiteren Vernehmung mit aufs Revier.

 Spätestens jetzt, sagen seine Verteidiger Christian Schumacher und Kai Wohlschläger (Lübeck), sei der bisher als Zeuge vernommene Dennis N. zum Beschuldigten geworden – ohne ausreichende Belehrung durch die Polizei. Nach Auffassung der Verteidigung dürfen deshalb die ersten drei Vernehmungen ihres Mandanten im Prozess nicht verwertet werden.

 Bis zur Fortsetzung am morgigen Freitag will die Schwurgerichtskammer darüber entscheiden.

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