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Hauptbahnhof nimmt Betrieb wieder auf

Hamburg Hauptbahnhof nimmt Betrieb wieder auf

Bahnchaos nach Demonstration: Zwischenfälle am Rande von Protesten gegen Rechts haben am Sonnabend den Zugverkehr rund um Hamburg durcheinandergebracht. Reisende mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen. Über 30 Neonazis wurden festgenommen

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Polizisten hatten den Hamburger Hauptbahnhof abgesperrt.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Hamburg. Nach Auseinandersetzungen zwischen linken Demonstranten und der Polizei ist am Samstag der gesamte Fern- und S-Bahnverkehr am Hamburger Hauptbahnhof vorübergehend eingestellt worden. Die Sperrung des Bahnhofs wurde nach Angaben der Bundespolizei veranlasst, nachdem Demonstranten auf die Gleise gelaufen waren, im Bahnhofsbereich Feuerwerkskörper gezündet und einen Zug mit Steinen beworfen hatten. In einem Fall wurden Beamte auch mit Reizgas attackiert, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Eine Gruppe von 34 Neonazis wurde in Gewahrsam genommen.

Die Neonazis hatten die linke Demonstranten laut Bundespolizei zuvor provoziert. Da sich vor dem Bahnhof Hunderte linke Demonstranten protestiert hätten, habe die Polizei die Neonazis mit einer S-Bahn herausgefahren und dort in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Von weiteren Gruppen Rechtsradikaler war der Bundespolizei nach eigenen Angaben nichts bekannt.

Hier sehen Sie Bilder von der Demo und der Bahnhofssperrung in Hamburg.

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Die Polizei war den Tag über mit über 2800 Beamten im Einsatz. Zur Zahl der Gesamtfestnahmen konnte eine Sprecherin zunächst keine Angaben machen.

Rechtsextremisten wichen nach Bremen aus

Die Demonstranten wollten ursprünglich gegen einen Neonazi-Aufmarsch demonstrieren, der zuvor aber verboten worden war. Die Rechtsextremisten versuchten, nach Bremen auszuweichen. Gegendemonstranten folgten ihnen per Zug an die Weser. Die Bremer Polizei kontrollierte ankommende Gruppen. In der Innenstadt wurden gut 100 rechte Demonstranten in Gewahrsam genommen und durch Beamte aus Bremen herausbegleitet. Auf dem Marktplatz versammelten sich etwa 1000 Gegendemonstranten. Am Bahnhof kam es nach Augenzeugenberichten zu vereinzelten Schlägereien zwischen einigen Anhängern beider Lager.

Das linke „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ sprach von einem Erfolg. „Durch die Sperrung des Hamburger Hauptbahnhofes konnten keine weiteren Nazis anreisen.“ Tausende Menschen hätten ein „klares Zeichen gegen Rassismus und Neonazismus“ gesetzt. Mit lautem Protest und mit einem Konzert am Hauptbahnhof seien die Nazis, die trotz des Verbotes angereist seien, aus Hamburg verabschiedet worden. Im Anschluss an die Hauptdemonstration mit bis zu 14 000 Teilnehmern waren rund 3000 Menschen zu einer kurzfristig angemeldeten Kundgebung gegen Rechts am Bahnhof gekommen.

Friedliche Demo auf dem Rathausplatz

Zeitgleich demonstrierten auf dem Hamburger Rathausmarkt nach Polizeiangaben rund 7500 Menschen für Vielfalt und Toleranz. „Wir wollen keine Nazis, wir brauchen keine Hooligans und wir brauchen keine Rassisten“, sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD). Mit Ausnahme dieser Menschen sei jeder in der Hansestadt willkommen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) betonte: „Hamburg bekennt Farbe.“

Mit Blick auf die Integration der zahlreichen Flüchtlinge sagte er: „Hamburg steht (…) vor einer großen Aufgabe.“ Er habe aber den Eindruck, dass viele Bürger diese Aufgabe mutig und mit ganzem Herzen angingen. Und dass viele Flüchtlinge Deutschland als Hoffnungsland bezeichneten, „kann uns stolz machen“. Die Betreuung der Flüchtlinge sei eine gigantische finanzielle Herausforderung. Aber es sei zu schaffen. Viele Demonstranten stimmten in den von Hamburger Radiosender gemeinsam übertragenen Song „Imagine“ von John Lennon ein, der weltweit als eine Hymne des Friedens und der Menschlichkeit gilt.

Verletzter bei Scharmützel

Im Anschluss an die großen Kundgebungen gegen Rechts in Hamburg ist es im Schanzenviertel immer wieder zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei wurde ein Mann verletzt, wie eine Polizeisprecherin sagte. Zu den Umständen könne sie aber nichts sagen. Der Mann sei ins Krankenhaus gebracht worden.

Ein Fotograf schilderte, dass der Mann nach einem Vorrücken der Polizei auf eine Gruppe von Demonstranten plötzlich leblos am Boden lag. Es habe mehrere Minuten gedauert, bis er von Helfern stabilisiert und dann im Krankenwagen abtransportiert werden konnte.

Wenige Minuten vor dem Vorfall habe die Polizei einen Vermummten aus der Gruppe herausgeholt. Als dann Steine und Flaschen auf die Polizisten geworfen wurden, seien die Beamten auf die Demonstranten zumarschiert.

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