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Ausstellung zur Jagd auf Fleisch

Schloss Gottorf Ausstellung zur Jagd auf Fleisch

Stellen wir uns einen langhaarigen Steinzeitmann vor, wie er gierig an einem blutigen Rentierknochen kaut. Es besteht kein Zweifel: Fleisch war ein Stück Lebenskraft. Ab Sonntag zeigt das Landesmuseum und das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) eine Ausstellung zum Thema „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“ auf Schloss Gottorf.

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Experimentalarchäologe Harm Paulsen stellt im Schloss Gottorf seine originalgetreu nachgebauten Harpunen vor. Damit machte der am Wasser lebende Steinzeitmensch Jagd auf Fische. Als Massenfang konnten Fische das Fleisch als Nährstofflieferant ersetzen, vor allem in der eisfreien Zeit.

Quelle: Frank Peter

Schleswig. Bis zu 300 000 Jahre alte Funde aus Norddeutschland belegen, wie erfindungsreich unsere Vorfahren waren, wenn es darum ging, an das begehrte Fleisch zu kommen. Welche Techniken und Methoden sie wirklich nutzten, um Großwild zu erlegen oder Fische zu fangen, zeigen die Ausstellung auf Schloss Gottorf.

Für die Steinzeitmenschen war Fleisch der wichtigste Energielieferant. So wuchs ihr Gehirn und war damit in der Lage, die Fleischgewinnung zu optimieren. Während also tierische Nahrung als Evolutionsbeschleuniger gilt, vermögen die Archäologen nicht zu sagen, welche Bedeutung pflanzliche Kost spielte. „Uns fehlen schlichtweg die entsprechenden Funde. Das ist eine Frage, die wir nur mit einer Zeitreise löse könnten“, sagt der Prähistoriker Dr. Ulrich Stodiek, der die Ausstellung konzipiert hat.

Anders sieht es mit den Zeugnissen steinzeitlicher Jagd aus: Diese Funde, meist nur bestehend aus kleinen Bruchstücken, sind für Laien allerdings nicht unbedingt als Waffen und schon gar nicht als Sensation zu identifizieren. Anstatt der Originale sind in der Ausstellung daher Repliken zu sehen, die der Experimentalarchäologe Harm Paulsen angefertigt hat. Er baute die wichtigsten Waffen nach, Pfeil und Bogen etwa, die sich spät, also erst Ende der letzten Eiszeit durchsetzten. Die Wissenschaftler haben es ausprobiert, sie sind ebenso schnell und präzise wie heutige Sportgeräte. Das gleiche gilt für die nachgebauten Sensationsfunde aus Niedersachsen, die Schöninger Speere und die Lehringer Lanze, mit der Neandertaler sogar Waldelefanten töteten. „Was wir hier sehen, ist der Alltag für ganz lange Abschnitte der Menschheitsgeschichte in Europa“, ordnet Zoologe Dr. Ulrich Schmölcke vom ZBSA ein. „Vor 30000 Jahren sind die Menschen nach Europa gekommen, sie waren 24000 Jahre lang Jäger und wurden erst vor 6000 Jahren Bauern.“

Das Highlight der Ausstellung aus Sicht Stodieks befindet sich im letzten der drei Ausstellungsräume: Es ist das Thema Fallenstellerei, über das Archäologen bisher wenig Erkenntnisse haben. Wie effektiv die passive Jagd sein könne, dafür gebe es allerdings Indizien, wie große Mengen an Hühner- oder Hasenknochen. „Alles spricht dagegen, dass sie auf andere Weise erlegt worden sind. Die Speerschleuder wäre die adäquate Fernwaffe, mit ihr hat man aber keine Chance, ein Schneehuhn zu erwischen.“

Doch nicht nur Säugetiere, auch Fische waren damals unverzichtbar. Küstenfischer der Mittelsteinzeit etwa entwickelten effektive Fanggeräte, die in Form authentischer Rekonstruktionen zu sehen sind. Während die Ausstellung also auf Nachbauten setzt, erforscht das ZBSA in Schleswig anhand von Originalfunden weitere Hintergründe zur steinzeitlichen Jagd. So ist die Ausstellung zwar verbunden mit der Arbeit vor Ort, sie ist allerdings nicht hier konzipiert, sondern kommt aus dem Neanderthal Museum in Mettmann. Dennoch gibt es die Möglichkeit die Ausstellungsmacher zu erleben: Bei einer Führung mit Harm Paulsen (20.3.) und einem Workshop (16.4.) zum Bau von Speerschleudern mit Ulrich Stodieck.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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