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Nachbar rettete zwei Frauen vor dem Feuer

Auszeichnung Nachbar rettete zwei Frauen vor dem Feuer

Die Flammen hatten sich rasend schnell ausgebreitet, überall war beißender Rauch und Qualm, als Florian Anders am 6. Januar in Quickborn zwei ältere Frauen aus dem brennenden Nachbarhaus rettete. Für seinen mutigen Einsatz überreichte Ministerpräsident Torsten Albig dem 28-Jährigen am Montag die Rettungsmedaille am Bande.

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28 Jahre alt und ein Held: Für seinen Einsatz bekam Florian Anders (re.) die Rettungsmedaille von Torsten Albig.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Es war ein eisiger Mittwochvormittag. Florian Anders renovierte gerade seine Küche, da kam seine Schwiegermutter aufgeregt herbeigeeilt. Sie hatte eine Explosion vernommen. Ohne zu zögern ergriff Anders das Haustelefon und rannte im T-Shirt auf die Straße. Dort erblickte er das Feuer. Sofort rief er die Feuerwehr an und sah, wie die 17-jährige Nachbarstochter leicht bekleidet („Sie hatte wohl noch geschlafen“) aus dem Dreiparteienhaus stürmte. Anders erfuhr, dass ihre Eltern nicht zu Hause waren. Aber in den beiden anderen Wohnungen lebten noch zwei alleinstehende, ältere Damen.

 Anders entschied sich zuerst die 76-jährige Nachbarin zu retten, denn er wusste „sie kann sich nur mit Gehwagen fortbewegen“. In ihrem engen Flur traf er sie an, half ihr heraus und holte anschließend noch ihren Hund aus dem Qualm. Der Gebäudeteil nebenan, in dem er die 79-jährige Hauseigentümerin vermutete, war von den Flammen schon durchdrungen. Geistesgegenwärtig rannte Anders nach Hause und holte seine Atemschutzmaske. Der gelernte Straßenbauer arbeitet derzeit in der Mülldeponietechnik, dafür benötigt er normalerweise die Maske. Doch auch mit ihrer Hilfe war kein Durchkommen mehr. „Ich dachte noch, hoffentlich ist es für die Frau nicht zu spät“, erinnert er sich. „Das Haus brannte lichterloh.“ Also lief er hinter das verwinkelte Gebäude. Dort sah er durch die Glastür die 79-Jährige mit einem Tuch vor dem Gesicht hinten im Raum stehen. „Sie hatte zwei Schlaganfälle und ist geistig etwas verwirrt“, berichtet der Lebensretter. Er musste sie schon fest in den Arm nehmen, um sie aus dem Haus und über Hof zu schieben.

 Mittlerweile waren Rettungswagen und Feuerwehr eingetroffen. Wehrführer Wido Schön sagt im Nachhinein, er wisse nicht, ob die Feuerwehr es noch geschafft hätte, die Frauen lebend aus den Flammen zu befreien: „Die Ausbreitung des Feuers und die Verrauchung waren wegen der Bauweise extrem. Innerhalb weniger Minuten stand das Haus in Vollbrand“, berichtet er. „Es war eine gewaltige Hitze im Haus“, und es sei schon außergewöhnlich, dass Florian Anders ohne Schutzkleidung in das Haus gegangen sei. Aus diesem Grund habe er auch den 28-Jährigen für die Rettungsmedaille vorgeschlagen. Diese wurde ihm von Albig mit den Worten übergeben: „Sie hatten das Herz in dieser dramatischen Situation am rechten Fleck. Vor Ihrem Einsatz habe ich den höchsten Respekt und danke Ihnen dafür sehr herzlich.“

 Florian Anders zeigte sich bescheiden: „Ich musste doch etwas unternehmen.“ Seine Frau Daniela ist da schon kritischer: „Das war zwar heldenhaft, aber es hätte ja auch schlimm ausgehen können.“ Ihr Mann hingegen kann sich nicht erinnern, sich während des Einsatzes Sorgen gemacht zu haben: „Es war schon riskant, aber für Ängste oder Gedanken gab es gar keine Zeit“. Die große Aufregung kam erst in den Tagen vor dem Besuch beim Ministerpräsidenten auf, verriet seine Frau. Diesmal kam die Unterstützung durch die Feuerwehr rechtzeitig: Zwei Kollegen begleiteten Florian Anders und seine Familie gestern von Quickborn nach Kiel und zurück – im Mannschaftsbus der Feuerwehr.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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