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Geld allein löst keine Probleme

Awo-Regionalkonferenz Geld allein löst keine Probleme

Nachdenklich und zugleich unaufgeregt diskutierten am Sonnabend in der Kieler Räucherei mehr als 100 überwiegend in der Praxis tätige Frauen und Männer darüber, was die verstärkte Zuwanderung für die Kindergärten im Land bedeutet.

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Jörg Schöpel meint. "Ein Ausbau der Kinderbetreuung ist in jeder Hinsicht nötig. Die Normalität des Jahres 1900 kann nicht das Ziel sein."

Quelle: Martin Geist

Kiel. Hauptreferent Mark Terkessidis betonte dabei, dass Geld allein nicht alle Probleme löst. Nötig sei auch Nachdenken über eigene Einstellungen und Organisationsformen. Noch, so sagt Jörg Schöpel, verantwortlich für die Kinderbetreuungseinrichtungen im Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo), schlagen Flüchtlingskinder „ganz vereinzelt“ in den Kindergärten auf. Das werde sich aber im Lauf dieses Jahres massiv ändern und damit auch die betroffenen Einrichtungen und Kommunen vor neue Herausforderungen stellen.

Genau diese Tendenz war der Hintergrund für die von der Nord-Awo ausgerichtete Regionalkonferenz „Kita und Zuwanderung“. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) betonte, dass es ausdrücklicher Wille der Landesregierung sei, Kinder von Flüchtlingen möglichst früh an Kindertagesstätten zu binden. „Umso besser sind ihre Startbedingungen“, argumentierte sie und wurde darin von Awo-Landesvorständler Erwin Jordan bestärkt. Kindergärten seien „ein ganz wichtiges Scharnier beim Ankommen in dieser Gesellschaft“, hob er hervor. Wenn die Kleinen neue Freunde finden und die Eltern Kontakte zu anderen Eltern knüpfen, sind das aus seiner Sicht oft die ersten Schritte in den Alltag der neuen Umgebung.

Zu viele verschiedene Töpfe

Für Mark Terkessidis, in Berlin lebender Publizist und Migrationsforscher, bedeutet die Zuwanderung in die Kindergärten zwar erst einmal eine materielle Herausforderung, aber mehr noch eine gedankliche: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es eine neue Normalität in dieser Gesellschaft gibt.“ Verdeutlicht werde das noch einmal durch die enorm gewachsene Zahl der Flüchtlinge, auf dem Vormarsch sei diese neue Normalität gleichwohl schon lange. In Großstädten wie Frankfurt hätten 70 Prozent aller unter sechsjährigen Kinder mindestens ein Elternteil mit ausländischen Wurzeln und überhaupt gebe es nach 40 Jahren Einwanderung „keinen Bereich in dieser Gesellschaft, der nicht von Migration beeinflusst ist“. Seine Schlussfolgerung für die Kindergärten: Die Einrichtungen sollen ihren Regelbetrieb auf diese neue Realität einstellen, statt ständig neue Spezialangebote aufzubauen, die an sprachlichen und anderen teils herbeidefinierten Defiziten orientiert sind.

Indessen äußerte das in den Betreuungseinrichtungen tätige Personal Unbehagen angesichts der neuen Herausforderungen. „Wie will man das schaffen, wenn man fast ausschließlich aufs Ehrenamt zugreift und die Kitas mit noch größeren Belastungen konfrontiert?“, fragte Anja Jordan aus Elmshorn. Derweil klagte Cordula Schultz, die ein Familienzentrum in Trappenkamp leitet, über eine verwirrende Vielfalt an staatlichen Programmen im Dienste der Integration. Allein zur Sprachförderung gebe es fünf verschiedene Töpfe, daraus einen einzelnen großen zu machen, würde die Arbeit entschieden erleichtern.

 Die SPD-Landtagsabgeordnete und kindergartenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Serpil Midyatli, schrieb sich das auf. Und sie machte deutlich, dass die Landesregierung gerade für Kindertagesstätten enorme Anstrengungen unternehme, mithin allein in diesem Jahr fast 200 Millionen Euro ausgebe. Angesichts weiterer Mittel speziell für die Flüchtlingshilfe, bedeute das, dass mehr Geld denn je im System ist, sagte Midyatli und räumte ein, dass nicht immer klar ist, ob Kreise und Gemeinden dieses Geld tatsächlich für den vorgesehenen Zweck verwenden. Eine Erzieherin aus Norderstedt gab sich dazu skeptisch: „Bei mir in der Praxis spüre ich diese Zahlen nicht.“

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