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Offene Fragen nach Taylers Tod

Baby in Hamburg-Altona Offene Fragen nach Taylers Tod

Chantal, Yagmur und jetzt Tayler – die Liste von Kindern, die in Hamburg vom Jugendamt betreut wurden und dennoch starben, wird immer länger. Und wieder beginnt die politische Debatte über die Ursachen.

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Am Tag nach dem Tod des zwölfmonatigen Taylers fordern Politik und Öffentlichkeit Aufklärung.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg. Zwei Tage nach dem tragischen Tod des einjährigen Tayler in Hamburg hat es am Montag mehr offene Fragen als Antworten gegeben. Vermutlich starb der Junge, weil er zuvor geschüttelt worden war. Das Ergebnis der Obduktion vom Sonntag liege aber noch nicht vor, sagte Oberstaatsanwalt Carsten Rinio der Deutschen Presse-Agentur am Montagmittag. Weitere Untersuchungen liefen noch. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, konnte Rinio nicht sagen. Unterdessen hat die politische Debatte begonnen, warum der Junge trotz Aufsicht durch das Jugendamt wohl gewaltsam ums Leben kam.

Eine Woche hatten die Ärzte im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) um das Leben des Babys gekämpft, am Sonnabend war es gestorben. Angeblich war das Kind geschüttelt worden. Ermittelt wird laut Rinio gegen die 22 Jahre alte Mutter des Kindes und ihren 26 Jahre alten Lebensgefährten, der nicht der Vater ist. Beide sind auf freiem Fuß. Der Mann befinde sich derzeit auf einer Urlaubsreise in Spanien und werde zu Jahresbeginn zurückerwartet, sagte Rinio.

Zuvor keine Anzeigen gegen die Eltern

Das Bezirksamt Altona und das UKE wollten sich am Montag nicht zu dem Fall äußern und verwiesen auf laufende Ermittlungen. Tayler war im August mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht worden. Der Junge kam dann in eine Pflegefamilie. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) und andere Kinderexperten berieten über den Fall.

Der Verdacht auf Körperverletzung ließ sich damals nicht erhärten. Die Mutter hatte angegeben, sie sei mit dem Baby im Arm vom Trampolin gefallen, hieß es in Medienberichten. Eine Anzeige wurde damals nicht erstattet, die Staatsanwaltschaft sei nicht informiert worden, sagte Rinio. Erst seit dem 14. Dezember sei das Ermittlungsverfahren anhängig.

Im Oktober kam das Kind zurück zur Familie. Am 12. Dezember war Tayler dann ins UKE eingeliefert worden. Einen Tag zuvor soll eine Mitarbeiterin des Rauhen Hauses, die die Familie seit Oktober sozialpädagogisch betreute, blaue Flecken bei dem Jungen festgestellt haben. Sie habe aber nicht andere Stellen wie das Jugendamt oder das Kinderkompetenzzentrum des UKE informiert, berichteten mehrere Medien übereinstimmend.

Opposition fordert politische Aufklärung

Unterdessen hat die politische Debatte begonnen. Die FDP in der Bürgerschaft unterstützt den Antrag der CDU-Fraktion, den Fall im Familienausschuss zu behandeln. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, ob die Regeln für die Rückgabe von Kindern aus Pflegefamilien an die leiblichen Eltern noch zu weich seien, forderte Daniel Oetzel, familienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Die Linke-Fraktion warnte vor „politischen Schnellschüssen und populistischen Forderungen“. „Die Frage der konkreten Schuld und Mitschuld am Tod des Jungen wird durch Polizei und Staatsanwaltschaft untersucht und durch Gerichte festgestellt, nicht durch Abgeordnete“, sagte die jugendpolitische Sprecherin Sabine Boeddinghaus.

Um solche Fälle zu vermeiden, müsse die Politik aber „ihrerseits Verantwortlichkeiten und strukturelle Fehler wie beispielsweise Arbeitsüberlastung, mangelhafte finanzielle Ausstattung der Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD) oder die Zusammenarbeit mit den Familiengerichten untersuchen“, forderte Boeddinghaus. Der richtige Ort dafür sei die Enquete-Kommission.

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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Der Fall hat Entsetzen in Hamburg ausgelöst: Ein Baby soll so schwer geschüttelt worden sein, dass es an den Folgen starb. Im Verdacht stehen seine Mutter und ihr Lebensgefährte. Das Jugendamt hatte die Familie betreut.

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