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Frau legte Baby vor der Haustüre ab

Hohenlockstedt Frau legte Baby vor der Haustüre ab

Ein zweifacher Familienvater hat vor seiner Haustür in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) ein neugeborenes Baby gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass der Junge nur wenige Stunden alt war, bevor er am Montag ausgesetzt wurde. Die junge Mutter konnte am Dienstag von Ermittlern aufgespürt werden.

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Einsam: Ein Baby wurde vor der Haustür dieses Mehrfamilienwohnhauses in Hohenlockstedt abgelegt.

Quelle: Daniel Friederichs/dpa

Hohenlockstedt. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, das alles wühlt mich doch sehr auf“, sagt Alexander Hahn. Der 39-Jährige stellt sich immer wieder die selbe Frage: „Was bewegt eine Mutter, ihr neugeborenes Kind bei Regen und Kälte einfach bei fremden Menschen vor die Haustür zu legen und wegzulaufen?“ Eine Antwort hat er nicht gefunden, seit dem der selbständige Handwerker am Montagabend zunächst ein Wimmern, dann ein Babyschreien hörte. „Ich war gerade dabei, ein paar Hausarbeiten zu erledigen, als ich plötzlich die Geräusche hörte“, berichtet Hahn. Vor seiner Haustür, auf einem Treppenabsatz machte der Vater von zwei neun und zehn Jahre alten Kindern die überraschende Entdeckung. „Dort lag ein Haufen Kleidung, in dem sich, in eine Frauenjacke eingewickelt, das Kind befand.“ Sofort habe er den Säugling mit ins Haus genommen. „Draußen regnete es und es war ziemlich windig und kalt“, berichtet Hahn.

Der Innenausstatter alarmierte die Polizei und den Notarzt. „Da ich selbst Vater bin, hatte ich keine Berührungsängste, habe den Jungen erst einmal aus der feuchten Jacke befreit und geschaut, ob er gesund ist.“ Auf den ersten Blick schien alles in Ordnung zu sein: „Das Kind war komplett unbekleidet. Ich konnte sehen, dass es erst wenige Stunden alt sein konnte, aber offenkundig großen Hunger hatte.“ Immer wieder habe der Junge seine kleine Faust in den Mund gesteckt. „Ich bin sicher, dass das Kind irgendwo heimlich bei einer Hausgeburt entbunden worden ist“, sagt der Hohenlockstedter. „Der Bauchnabel war unfachmännisch nur mit einer Küchenklemme abgebunden.“

Findelkind heißt inoffiziell Johannes

Mit dem Rettungswagen sei das Kind in ein Krankenhaus gebracht und untersucht worden. „Es ist wohlauf und trägt mittlerweile den inoffiziellen Namen Hannes“, sagt Merle Neufeld von der zuständigen Polizeidirektion Itzehoe. Am Dienstagnachmittag gelingt es der Polizei, die Mutter des kleinen Jungen ausfindig zu machen. „Unsere intensiven Ermittlungen haben zu einem schnellen Erfolg geführt“, so die Behördensprecherin. Angeblich hätten sich Zeugen gemeldet, die die Polizei auf die richtige Spur geführt hätten. Nähere Angaben will die Polizei zunächst nicht machen. Nur: „Es handelt sich bei der Mutter um eine junge Frau aus dem Kreis Steinburg.“ Weshalb sie ihr Neugeborenes ausgesetzt hat, ist noch völlig unklar. Die Vernehmungen laufen noch.

Alexander Hahn ist beruhigt, „dass die Mutter schnell gefunden worden ist.“ Verständnis hat er für ihr Verhalten nicht – und auch der Gesetzgeber sieht im Fall einer Verurteilung vor Gericht wegen Aussetzung hohe Freiheitsstrafen vor. Wer einen Menschen „in einer hilflosen Lage im Stich lässt, obwohl er ihn in seiner Obhut hat oder ihm sonst beizustehen verpflichtet ist,und ihn dadurch der Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung aussetzt“, der kann laut Strafgesetzbuch zu einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Die Staatsanwaltschaft in Itzehoe hat sich entsprechend nun auch in das laufende Verfahren eingeschaltet. Strafmildernd könnte sich im konkreten Fall auswirken, „dass der Säugling extra auf dem Tritt des Hauses in der Helgolandstraße abgelegt wurde, damit dieser zeitnah gefunden wird“, sagt Polizeisprecherin Neufeld.

Das Jugendamt des Kreises Steinburg wird bis auf weiteres die Vormundschaft für den Kleinen übernehmen. Der Finder des kleinen „Hannes“ wünscht sich für den Jungen jetzt vor allem eines: „Ich möchte, dass es dem Kleinen jetzt gut geht und er nun alle Chancen auf ein schönes und unbeschwertes Leben bekommt, die er verdient hat.“

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Findelkind von Hohenlockstedt
Foto: Vor diesem Haus hat die Mutter das Baby ausgesetzt.

Die Polizei sucht weiter nach einer Erklärung, weshalb eine junge Mutter ihr Neugeborenes am Montag in Hohenlockstedt ausgesetzt hat. „Die Vernehmungen laufen noch“, berichtet Merle Neufeld von der Polizeidirektion Itzehoe. Ein zweifacher Familienvater hatte das Findelkind auf der Treppe seines Hauses gefunden.

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