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Unmut über Zwei-Klassen-Medizin

Leserecho: Facharzttermin Unmut über Zwei-Klassen-Medizin

Die neue Terminservicestelle (TSS) in Bad Segeberg soll Kassenpatienten lange Wartezeiten auf eine Facharztbehandlung ersparen. Auf den Aufruf dieser Zeitung, Erfahrungen mit Arztterminen zu schildern, haben viele Leser geantwortet. Die Mehrheit hält die Terminservicestelle für notwendig.

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Wer einen Termin beim Facharzt braucht, muss sich oftmals in monatelanger Geduld üben. Eine Terminservicestelle soll das ändern.

Quelle: Michael Reichel

Kiel. Begründet wird das vor allem mit einer Zwei-Klassen-Medizin: Privatpatienten bekämen noch immer viel schneller einen Facharzttermin als Kassenpatienten.

 Ein typisches Beispiel ist die Mutter einer 13-jährigen Tochter: Im Oktober entdeckte die Mutter bei ihrer Tochter eine auffällige Hautveränderung, die sie von einem Facharzt abklären lassen wollte. „Seit Jahren sind alle Familienmitglieder Patienten des Hautarztes – bis auf unsere jüngste Tochter. Doch einen Termin bekamen wir für sie nicht. Begründung: ein Aufnahmestopp für neue Patienten“, schreibt die Mutter. „Die äußerst unfreundliche Dame am Telefon speiste mich mit den Worten ab, mir bliebe nichts anderes übrig als das hinzunehmen... Selbst ohne Aufnahmestopp hätte sie frühestens einen Termin im Dezember frei.“ Die Eltern beschlossen, die Untersuchung privat zu bezahlen. „Am nächsten Tag, es war ein Donnerstag, rief mein Mann in derselben Praxis an und bekam für unsere Tochter einen Termin für den folgenden Montag.“

 Auch andere Leser berichten von einer Benachteiligung. So schreibt eine Kassenpatienten, sie habe ein halbes Jahr auf einen Termin beim Kardiologen warten müssen. „Mein Mann, ein Privatpatient, bekommt meist innerhalb einer Woche einen Termin.“ Auch Dietrich Heller aus Heikendorf ist überzeugt, dass Privatpatienten schneller Termine bekommen als gesetzlich Versicherte. Dennoch sieht er in der Terminservicestelle ein Bürokratie-Monster ohne Effektivität: „Dabei ist der Weg ganz einfach: Jeder Patient geht zu seinen Hausarzt, dieser wird in Anbetracht der Diagnose den Besuch eines Facharztes empfehlen und bei der Terminfindung behilflich sein. Das hat bei mir immer hervorragend geklappt.“

 Andere Leser berichten von drei- bis sechsmonatigen Wartezeiten auf einen Termin beim Kieferorthopäden, Kardiologen, Rheumatologen, Neurologen oder Hautarzt. Dabei betonen die Leser, dass sie Beschwerden gehabt hätten, es also nicht um Routine-Untersuchungen gegangen sei. So hatte eine Kielerin Anfang Dezember starke Schmerzen im Fuß. Die Hausärztin überwies die Patientin an einen Orthopäden. Doch sie konnte in Arztpraxen oder einer Klinik frühestens einen Termin am 12. Januar bekommen. „Mein Einwand, dass ich so starke Schmerzen habe, interessierte nicht“, schreibt sie. Geholfen habe ihr letztlich ein Chirurg in Hamburg.

 Einige Leser vermuten, dass die Ärzte gar nicht wissen, dass Kassenpatienten in ihrer Praxis abgewiesen oder über Monate vertröstet werden. So musste eine Mutter vier Monate auf einen Termin für ihre Tochter bei einem Lungenfacharzt warten. Dann habe sie sich anhören müssen, warum sie nicht früher gekommen sei. „Am Ende kam der Arzt mit an den Empfang, und schon hatte ich sechs Wochen später den nächsten Termin.“

 Kritisch äußert sich ein Leser aus Schackendorf zu der Terminservicestelle. Das sei ein Pseudoaktivität der Politik, die den Bürgern nur Scheinvorteile bringen würde. Laut Kassenärztlicher Vereinigung gibt es pro Quartal in Schleswig-Holstein neun Millionen Kontakte zwischen Patienten und den 5300 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten.

 TSS: Tel. 04551/30404931

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