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Bahn-Konkurrenten sind am Zug

Bahn-Angebot Sylt Bahn-Konkurrenten sind am Zug

Auf der Suche nach einer Lösung des Sylter Bahnchaos diskutierte Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD) am Donnerstag mit Unternehmern auf der Insel. Es ging um mögliche Auswege, um die durch den Konkurrenzkampf zwischen Deutscher Bahn und einem Mitbewerber aufgetretenen Verspätungsprobleme zu lösen.

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Über den Bahnverkehr wurde auf Sylt diskutiert

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Sylt/Kiel. „Deutlich wurde, dass der Hindenburgdamm die Lebensader ist“, sagt Nägele. Es gebe keinen Bypass, keine andere Möglichkeit auf die Insel zu kommen. Deshalb hätten Probleme im Bahnverkehr hier andere Folgen als anderswo in der Bundesrepublik. „Die Nerven liegen blank, das habe ich in den Gesprächen gemerkt“, so der Staatssekretär.

Das bestätigte auch der Verein der Sylter Unternehmer. „Die Zustände, auf die Insel zu kommen, sind derzeit untragbar“, sagt Carsten Kerkamm und betonte, dass die Unternehmerschaft auf der Insel in einer verzweifelten Lage sei.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember haben die Nahverkehrszüge von Husum nach Westerland regelmäßig Verspätung. Von zwanzig Minuten im Durchschnitt sprechen die Pendler, die die Züge regelmäßig auf ihrem Weg zur Arbeit auf der Insel nutzen. Der Grund dafür, da sind sich alle Beteiligten einig, sind die Autozüge von Niebüll nach Westerland. Sie befahren Express-Trassen und haben deshalb Vorrang vor den Nahverkehrszügen.

„Es sind in letzter Zeit ungewöhnlich viele Loks ausgefallen“, sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis und begründet damit die Verspätungen. Die Sylter Unternehmerschaft, die Pendler und auch der Staatssekretär sehen den Grund für die Verspätungen aber woanders. „Dass die Lebensader derzeit nicht funktioniert, liegt daran, dass wir seit dem letzten Jahr auf dieser Strecke Wettbewerb haben“, sagt Nägele.

2014 wurde die Trassenvergabe für den Autozug neu geregelt. Neben der Deutschen Bahn erhielt auch das amerikanische Unternehmen Railroad Development Corporation Deutschland (RDC) den Zuschlag. Um sich gegenüber dem Konkurrenten möglichst viele Verbindungen zu sichern, hat die DB die Strecke, die sie mit dem Autozug bedient, verlängert und aufgestockt. RDC ist derzeit nur im Probebetrieb unterwegs. „Wir hoffen, dass wir ab Ostern regulär den Betrieb aufnehmen können“, sagt Meike Quentin, Sprecherin des Eisenbahnunternehmens. Der Autozug der DB dagegen fährt seit dem Fahrplanwechsel von Westerland offiziell bis Bredstedt. Tatsächlich fährt wegen fehlender Verladeterminals in Bredstedt bis dorthin aber nur ein Personenzug, der in Niebüll jeweils an- oder entkoppelt werden muss. Darin sehen die Sylter den Grund für die zahlreichen Verspätungen.

„Das ist Unsinn“, versichert Meyer-Lovis. Das Rangieren käme ja nicht überraschend und sei beim Fahrplanwechsel berücksichtigt worden. Er versichert, dass die Züge ab Sonnabend wieder planmäßig fahren. Dann seien alle Loks wieder im Einsatz.

Die Sylter Unternehmerschaft bezweifelt das und befürchtet Folgen für den Tourismus. „Diese Situation belebt nicht gerade das Geschäft“, sagt Carsten Wegst, Inhaber des Hauses der Geschenke in Westerland. „Wenn man dadurch länger als vier Stunden von Hamburg nach Sylt braucht, überlegt sich der ein oder andere das noch mal.“

Wenn künftig auch der Bahnkonkurrent RDC regelmäßig auf der Strecke unterwegs ist, befürchten die Insulaner ein noch größeres Chaos. „Die Lösung des Problems liegt in der Hand der Betreiber“, ist sich Nägele daher sicher. Er rief beide Parteien zu Gesprächen auf. RDC und die Deutsche Bahn müssten sich auf eine Bedienung der Strecke einigen, bei der möglichst wenig Zeit beim Rangieren verloren gehe. „Es ist im Interesse aller, die kommende touristische Saison verlässlich zu fahren“, sagte er. Langfristig müsste man jedoch über eine Sonderlösung für den Hindenburgdamm nachdenken, die den Wettbewerb möglicherweise reguliert.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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