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Bahnstreiks: Land pocht auf Rückzahlung

Einbußen in Millionenhöhe Bahnstreiks: Land pocht auf Rückzahlung

Die vielen Bahnstreiks seit Herbst 2014 kommen die Regionalbahn Schleswig-Holstein teuer zu stehen. Nach Informationen von KN-online fuhren die Züge streikbedingt fast 400.000 Kilometer weniger als vom Land bestellt. Damit drohen der Regionalbahn Einbußen von rund drei Millionen Euro.

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Kein Zug wird kommen: Während der Bahnstreiks ging auf dem Kieler Hauptbahnhof gar nichts. Für die ausgefallenen Kilometer will das Land das Geld zurück.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir warten die offizielle Mitteilung der NAH-SH GmbH ab“, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Die Gesellschaft (früher LVS, Landesweite Verkehrs-Servicegesellschaft) managt für Land und Kreise den ÖPNV und lässt keinen Zweifel daran, dass die Bahn für die Folgen des Arbeitskampfes gerade stehen muss. „Streiks sind keine höhere Gewalt“, betont NAH-SH-Sprecher Dennis Fiedel. „Deshalb werden Züge, die nicht gefahren sind, auch nicht bezahlt.“ Zu den Verlusten der Regionalbahn will Fiedel sich nicht äußern. „Wir rechnen noch.“

 Nach Informationen von KN-online gibt es allerdings eine belastbare Hochrechnung über die Zahl der Zugausfälle in den insgesamt neun und teils mehrtägigen Bahnstreiks zwischen dem 1. September und dem 21. Mai. Demnach fuhr die Regionalbahn 2014 rund 170.000 Zugkilometer weniger als bestellt. Im Jahr 2015 waren es sogar rund 200.000 Kilometer. Bahn-Experten gehen davon aus, dass die Regionalbahn von der NAH-SH im Schnitt acht Euro pro Zugkilometer erhält. Eine solche Pauschalrechnung hilft der NAH-SH allerdings nicht weiter, weil das Land den Bahnverkehr je nach Strecke (etwa Hamburg-Lübeck oder Kiel-Husum) unterschiedlich hoch subventioniert.

 Den Streikschaden dürfte die Regionalbahn zwar nicht aus der Portokasse bezahlen können, existenzbedrohend ist er aber nicht. Nach grober Schätzung betragen die streikbedingten Zugausfälle nur etwa ein Prozent der Gesamtverkehrsleistung der DB-Tochter. Sie ist ohnehin wieder auf dem Vormarsch. Nach einigen harten Einbußen im Wettbewerb (die private Nord-Ostsee-Bahn übernahm einige Netze) hat die Regionalbahn alle wichtigen Ausschreibungen gewonnen, zuletzt die für die Hauptstrecke Hamburg-Westerland. Hier liegt der Vergabekammer allerdings noch eine Beschwerde der unterlegenen NOB vor.

 Im Landeshaus gibt es derweil erste Vorschläge, was das Land mit den Zusatz-Millionen machen könnte. „Wir könnten das Geld nutzen, um Bahnhöfe zu modernen Mobilitätsstationen umzubauen“, meint der Verkehrsexperte der Grünen, Andreas Tietze. „Die Ausstattung in einigen Bahnhöfen ist desaströs.“ Sinnvoll wäre es auch, die Züge mit einem WLAN-Zugang nachzurüsten, damit Fahrgäste auf der Tour kostenlos etwa im Internet surfen können. „In Fernbussen gibt es das schon.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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