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Wenn Rocker um ein T-Shirt ringen

Neumünster Wenn Rocker um ein T-Shirt ringen

Rocker-Strip auf offener Straße in Neumünster-City: Als vier Bandidos auf nächtlicher Patrouille durch die Innenstadt einen mutmaßlichen Hells Angel im einschlägigen T-Shirt („Support 81“) entdecken, zwingen sie ihn unter Androhung von Schlägen, den Oberkörper freizumachen und ihnen das Symbol des gegnerischen Clubs auszuhändigen – vor laufender Überwachungskamera.

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Der Rockerkrieg zwischen Hells Angels und Bandidos treibt immer neue Blüten.

Quelle: dpa

Neumünster. Am Donnerstag wurde der einzige bisher ermittelte Teilnehmer des Rollkommandos vom Amtsgericht Neumünster wegen Beihilfe zur Nötigung zu 2700 Euro (90 Tagessätze à 30 Euro) verurteilt. Nach Überzeugung des Richters unterstützte der 26-Jährige die Aktion. Nach dessen Angaben verbrannte man später das Beutestück.

„Richtige Brecher mit breiten Schultern und dicken Oberarmen“ waren nach Aussage eines Zeugen (59) die „vier Herren“, die am späten Abend des 4. Juni vergangenen Jahres aus ihren Pkw sprangen und den T-Shirt-Träger umstellten. Der ist mit 1,94 Metern auch nicht gerade ein Zwerg. Die bizarre Szene spielte sich in der Hofeinfahrt einer Sparkasse direkt vor der Überwachungsanlage ab, erleuchtet von einer flackenden Warnblinkanlage.

Nach eigenen Angaben hatte das ortskundige Opfer die feindliche Übermacht bewusst vor die Videokamera gelotst. Auf den Bildern waren die vier Täter allerdings nicht zu identifizieren. Auch nicht der Angeklagte, ein auffälliger Zwei-Meter-Hüne mit breitem Oberkörper, Glatze, Lederjacke und Tätowierungen.

Die fetten Lettern im Nacken „THE FAT MEXICAN“ sind ein Bekenntnis zu den Bandidos, deren Verein in Neumünster seit 2010 verboten ist. Im Prozess räumte der Angeklagte ein, vor Ort gewesen zu sein – aber nur um seine drei Kollegen zu beruhigen und Schlimmeres zu verhüten. Dem folgte das Gericht nicht.

Der Überfallende will das anrüchige T-Shirt von seinem Onkel geschenkt bekommen haben, einem Motorradfahrer. „Es hatte vor allem ideellen Wert“, sagte er. Mit den Hells Angels habe er nichts zu tun. Trotzdem versicherte er: „Gegen einen einzelnen Gegner hätte ich mich definitiv zur Wehr gesetzt.“ Gegen vier habe er aber keine Chance gehabt. Der einzige unbeteiligte Zeuge rieb sich die Augen, als er aus sicherer Entfernung beobachtete, wie sein in Bedrängnis geratener Bekannter plötzlich das T-Shirt auszog. Gerade mal drei Minuten habe der Vorfall gedauert, der den 26-Jährigen „sehr beeindruckte“. Er selbst habe ein Pkw-Kennzeichen notiert – mit den Initialen des Angeklagten – und die Polizei alarmiert.

Am 9. Juli will der Bundesgerichtshof (BGH) sein Grundsatzurteil zum Kuttenverbot für Rocker verkünden. Darin geht es um ein generelles Verbot der symbolträchtigen Kleidungsstücke, deren Zurschaustellung in Schleswig-Holstein wiederholt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Bandidos und Hells Angels geführt hatten.

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