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Studieren ohne große Hürden

Barrierefreiheit im Norden Studieren ohne große Hürden

Wie lässt sich ein Studium mit einer Behinderung vereinbaren? Wie weit sich die Hochschulen für Studierende mit Handicaps geöffnet haben, darauf gab eine Fachtagung im Landeshaus Antworten. Schleswig-Holstein will beim Thema „Barrierefreie Hochschule“ eine Vorreiterrolle übernehmen.

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Helma Kriems (links) und Marion Wallraff informierten sich bei der Fachtagung. Für die Barrierefreiheit im Landeshaus gaben sie gute Noten.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Als Prof. Ulrich Hase, heute Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung, 1973 in Bielefeld seinen Traum vom Jura-Beruf erfüllen wollte, scholl es dem Hörgeschädigten von allen Seiten entgegen, was er denn überhaupt an der Uni wolle. Seitdem hat sich viel zum Positiven verändert.

„Mit vollem Einsatz gewinnen alle“ lautete das Motto der Tagung, zu der das Wissenschaftsministerium und der Landesbeauftragte eingeladen hatte. Auch etliche Betroffene haben sich auf den Weg ins Landeshaus gemacht wie etwa Marion Wallraff (56), Danny Canal (28) und Helma Kriems (49). Sie alle drei wollen über ein Studium an der Kieler Fachhochschule in soziale Berufe kommen. Es ist nicht nur das Alter, das sie unterscheidet, es ist auch die jeweils individuelle Beeinträchtigung, mit der sie leben müssen. Helma Kriems sitzt wegen einer Kinderlähmung und weiterer Erkrankungen im Rollstuhl, Marion Wallraff leidet unter MS und Danny Canal wurde taub geboren. Neben baulichen Hindernissen auf dem Campus-Gelände türmen sich zuweilen Probleme mit der Beschaffung von Lernmaterial, Schreibhilfen, dem Kampf um Nachteilsausgleich oder allzu starre Prüfungsbedingungen auf – alles Dinge, um die sie sich oft allein kümmern müssen. Doch sie lassen sich nicht entmutigen, auch weil, so formuliert es Marion Wallraff, ihnen Kommilitonen und Kommilitoninnen „unaufdringlich“ helfen.

Trotz Fortschritten noch eine Menge zu tun

Es ist die Grundhaltung, die sich „kolossal“ geändert hat. Heute müssen Studierende nicht mehr gegen Widerstände ankämpfen – nach dem Motto „Was willst Du hier“, sieht Hase, der 1973 „eine absolute Orchidee“ im Hörsaal war, viele Fortschritte bei der öffentlichen Sensibilisierung, rechtlichen Ansprüchen und Beratungsangeboten. Damit steht er nicht allein: Lob gab es auch von Wissenschaftsstaatssekretär Rolf Fischer, Dr. Christiane Schindler (Studentenwerk) und Prof. Roswitha Pioch (FH Kiel). „Wir sollten das Label „Barrierefreie Hochschule“ zu einem Markenzeichen für unsere Hochschule machen. Warum also nicht Modelle anbieten, Vorbild sein. Damit kann man als Standort Schleswig-Holstein durchaus erfolgreich werben“, sagte Fischer.

Dass trotz aller Fortschritte noch viel zu tun bleibt, um bessere Studienbedingungen zu erreichen, darüber waren sich aber auch alle Redner einig. „Es fehlt eine Willkommenskultur“, brachte es Schindler auf den Punkt und forderte von Hochschulen ein Gesamtkonzept. Pioch stieß bei einer Umfrage unter allen Hochschulen im Land 2014 auf andere Schwierigkeiten: So fehlten in einem Drittel der Gebäude Behinderten-Toiletten, in 89 Prozent der Lifte akustische Ansagen und in fast 85 Prozent der Räume Tische, an denen Rollstuhlfahrer mitschreiben könnten. Applaus brandete auf, als sie forderte, das spätere Einkommen der Absolventen nicht auf Unterstützungsleistungen anzurechnen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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