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5000 Wohnungen für Flüchtlinge in einem Jahr

Bauboom 5000 Wohnungen für Flüchtlinge in einem Jahr

Die Flüchtlinge lösen in Schleswig-Holstein einen Bauboom im sozialen Wohnungsbau aus. Vor allem Städte und größere Gemeinden stehen Schlange, um das Förderprogramm des Landes zu nutzen: In kurzer Zeit haben sich Interessenten für die Förderung von 1600 Wohneinheiten gemeldet.

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Dieser Neubau in Kronshagen ist bereits nach dem Kieler Modell entstanden.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Der Landtag entscheidet nächste Woche über das zusätzliche Sonderprogramm „Erleichtertes Bauen“. Bislang stehen für den Zeitraum von 2015 bis 2018 ingesamt 380 Millionen Euro für Wohnraumförderung bereit – für 1000 bis 1600 neue Sozialwohnungen im Jahr. Mit dem Sonderprogramm soll die Zahl auf rund 5000 erhöht werden.

Das Sonderprogramm soll den Sozialen Wohnungsbau nicht nur mit extrem günstigen Hypotheken antreiben, sondern auch mit einem bundesweit beachteten Verfahren: Das Land hat Architekten und Planer aufgefordert, nach bestimmten Vorgaben Haustypen zu entwickeln. 79 Vorschläge sind eingereicht und bewertet worden. Die Markterkundung spart Kommunen und Investoren viel Planungszeit: Sie wissen nun, welche Konzepte die Vorgaben erfüllen und damit förderfähig sind.

Kieler Modell verbreitet sich bereits

Eines davon – das Kieler Modell – wird die Wankendorfer Baugenossenschaft für Wohnblöcke in Lütjenburg und Bad Segeberg nutzen. Die Städte können in den Wohnungen fünf bis zehn Jahre lang Flüchtlinge unterbringen, danach werden die Häuser zu altengerechten Wohnungen umgebaut. „Weil es sich um innerstädtische Gebiete ohne Bebauungsplan handelt, haben wir sechs Wochen nach Antragsstellung schon unsere Baugenehmigung. Die Stadtverwaltungen ziehen das im Eiltempo durch“, lobt Helmut Knüpp, Vorstand der Wankendorfer, der auch mit Preetz, Bad Bramstedt und Plön im Gespräch ist. Er geht davon aus, dass die ersten Häuser bereits im Herbst 2016 fertig werden. Normalerweise rechnet man mit drei bis sechs Jahren.

Auch in Kiel möchte man das Kieler Modell nutzen. „Als Bedarfsgröße gehen wir von 1800 Wohnungen aus“, sagt Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Dabei sollen in die Sozialwohnungen von Anfang an nicht nur Flüchtlinge einziehen, sondern alle, die auf dem engen Wohnungsmarkt keine Chance haben.

Auch Baugewerbe stellt sich ein

Das Baugewerbe ist auf den Bauboom vorbereitet. Man hat bereits Kooperationen gebildet, um die steigende Nachfrage bedienen zu können. „Damit sichern wir und schaffen wir Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft“, sagt Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer im Baugewerbeverband Schleswig-Holstein.

Jörn Bülow, Geschäftsführer des Gemeindetages, bleibt skeptisch. Bevor kleinere Gemeinden in Wohnungsbau investieren, müsse die Nachfrage dauerhaft gesichert sein. „Ohne eine Wirtschafts- und Arbeitsplatzoffensive wird man die Menschen kaum auf dem Lande halten können.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Die große Zahl an Flüchtlingen stellt uns vor viele Probleme. Doch statt sich immer nur auf das zu fixieren, was schwierig ist, sollten wir den Blick endlich einmal auf das lenken, was geht.

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