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Betreuer ließ sich mit Minderjähriger ein

Friesenhof Betreuer ließ sich mit Minderjähriger ein

Scheibchenweise informiert das Sozialministerium über seinen Wissensstand im Fall „Friesenhof“. Jetzt wird bekannt: Bereits Mitte Januar wusste es von der Beziehung eines Betreuers mit einem minderjährigen Mädchen.

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Ein pädagogischer Mitarbeiter des Friesenhofs soll ein sexuelles Verhältnis mit einer Minderjährigen gehabt haben.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. In der umstrittenen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat ein inzwischen gekündigter pädagogischer Mitarbeiter ein sexuelles Verhältnis mit einer Minderjährigen gehabt. Das teilte das Sozialministerium am Montag in Kiel mit. Das Landesjugendamt sei Mitte Januar über die sexuelle Beziehung des Betreuers mit dem Mädchen aus dem Heim informiert worden. Das genaue Alter der Minderjährigen wollte ein Ministeriumssprecher aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Am Dienstag kommt das Verhalten des Sozialministeriums auf den parlamentarischen Prüfstand. Die CDU hat eine Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags in Kiel durchgesetzt. Das Sozialministerium hatte bereits in der vergangenen Woche zwei Pressekonferenzen zu den Missständen im Friesenhof gegeben, die sexuelle Beziehung aber nicht erwähnt.

Am 3. Juni hatte das Landesjugendamt zwei Mädchenheimen des Friesenhofs — eines der beiden war ohnehin nicht mehr belegt — die Betriebserlaubnis entzogen. Das Fehlen von Fachpersonal und inakzeptable pädagogische Methoden wurden als Gründe genannt. Bei dem Umzug in andere Einrichtungen wollten einige Mädchen weglaufen, zwei Mädchen verletzten sich mit Scherben selbst und mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden.

Nach der Schließung der beiden Heime hat die Betreiberin Barbara Janssen inzwischen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Meldorf gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt, heißt es in der Bekanntmachung des Amtsgerichts. Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet.

Unterdessen leitete Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) am Montag als erste Konsequenz ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes ein. Es sieht unter anderem mehr Personal im Landesjugendamt vor, um mehr unangemeldete Heimkontrollen zu ermöglichen. Außerdem soll die Schaffung einer Ombudsstelle für Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen geprüft werden. An diese könnten sich Jugendliche bei Problemen wenden.

In den Einrichtungen des Friesenhofs werden Mädchen und junge Frauen mit schweren psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten betreut. Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung beschäftigt laut Anwalt Heim 52 Mitarbeiter. 26 Mädchen würden zurzeit betreut. Der Betrieb laufe aktuell unter seiner Aufsicht weiter. „Die Versorgung der Mädchen ist gesichert. In den nächsten Tagen werden wir prüfen, ob der Friesenhof auch mittelfristig eine wirtschaftliche Perspektive hat.“ Mit dem Landesjugendamt in Kiel stehe er in engem Kontakt. Eine behördliche Genehmigung sei die Voraussetzung für einen Weiterbetrieb.

In dem Insolvenzeröffnungsverfahren geht es um das gesamte Vermögen von Janssen, wie Heim erläuterte. Janssen hatte zuvor am Montag gesagt, der Insolvenzantrag beziehe sich auf die beiden Heime, denen die Betriebserlaubnis entzogen worden sei. In der Regel dauert ein vorläufiges Insolvenzverfahren etwa drei Monate, wie Heim erläuterte. Das Gericht werde dann über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens entscheiden.

Bei der von der CDU beantragten Sondersitzung geht es vor allem um die Frage, ob das Landesjugendamt zu spät auf vorliegende Beschwerden über den Friesenhof angemessen reagiert habe — beziehungsweise erst, nachdem eine Anfrage der Linken in der Hamburger Bürgerschaft den Fall in die Öffentlichkeit brachte. Das Ministerium hat den Vorwurf zurückgewiesen.

Der Kreis Dithmarschen hat nach Darstellung der zuständigen Bereichsleiterin Renate Agnes Dümchen seit etwa 2013 Jugendliche wegen inakzeptabler Zustände nicht mehr zum Friesenhof geschickt. Bis auf eine Ausnahme habe auch seit 2014 kein anderes Jugendamt im Norden den Friesenhof belegt. Die Mädchen kamen überwiegend aus Hamburg sowie anderen Bundesländern. Dem Landesjugendamt sei bekanntgewesen, dass Jugendämter im Norden den Friesenhof wegen untragbarer Zustände nicht mehr nutzten, sagte Dümchen.

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