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Auch im Norden rechneten Pflegedienste falsch ab

Betrugsverdacht Auch im Norden rechneten Pflegedienste falsch ab

Offenbar sind die Betrugsmaschen von Pflegediensten, die das Bundeskriminalamt zurzeit verfolgt, nicht nur auf den Süden der Republik beschränkt: Auch die AOK Nordwest führt aktuell 160 Ermittlungsverfahren gegen Pflegedienste in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

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160 Verdachtsfälle: Bei der Pflege wurde vielleicht auch in Schleswig-Holstein betrogen.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Kiel. „Wir ermitteln bei Pflegediensten, die sowohl mit deutschen als auch mit russischem Personal betrieben werden“, sagt Dr. Jürgen Mosler, der die Stabsstelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen leitet. Die Betrugsmuster seien unterschiedlich. Vielfach werden Luftleistungen abgerechnet – also Leistungen, die nie erbracht wurden. Es geht aber auch um Leistungen, die von unqualifiziertem Personal erbracht wurden und deshalb nicht hätten abgerechnet werden dürfen.

Die Luftleistungen sind unter anderem aufgeflogen, weil dieselben Pflegekräfte laut Abrechnung zur gleichen Zeit an verschiedenen Ort gearbeitet haben sollten. Zwei Pflegedienste haben daraufhin jeweils über 100000 Euro an die AOK Nordwest zurückgezahlt. Ein russischer Pflegedienst musste 600000 Euro zurückzahlen.

Verdacht schon im Jahr 2012

Schon im Jahr 2012 hatte Moslers Team Hinweise auf eine weitere Masche erhalten. Eine Person aus Süddeutschland hatte in russischsprachigen Zeitungen bundesweit annonciert. Inhalt: Man könne helfen, Verhinderungspflege und andere Betreuungsleistungen bei den Kassen zu beantragen. Für die Versicherten, die sich daraufhin meldeten, wurden die Anträge auch tatsächlich gestellt – zum Teil für mehrere Jahre rückwirkend. Das Geld wurde überwiesen – Verhinderungspflege fand aber keinem Fall statt. Die AOK Nordwest erstattete Strafanzeige: Insgesamt hatten sich „Helfer“ und die Bürger 291000 Euro erschlichen.

„Die Problematik der Fehlabrechnung bei Pflegediensten ist nicht zu unterschätzen. Wir brauchen deshalb eine grundsätzlich Abrechnungsprüfung durch den MDK“, sagt Mosler. Eine Gesetzesänderung wurde bereits beschlossen. Bisher kann der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) nur prüfen, wenn er von den Landesverbänden der Pflegekassen einen Auftrag erhält. „Das war 2015 beim MDK Nord 17 Mal der Fall. In 12 Fällen, also 70 Prozent, erwies sich der Verdacht als begründet“, sagt Jan Gömer vom MDK Nord.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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