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Zoff um den Biologie-Unterricht

Bildungsministerium Zoff um den Biologie-Unterricht

Das neue Schuljahr hat gerade erst begonnen, da ballt sich an den Gymnasien des Landes schon wieder Zorn gegen einen Vorstoß des Bildungsministeriums. Diesmal geht es um neue Fachanforderungen im Biologieunterricht.

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„Überfrachtung junger Schüler“: Charles Darwins Evolutionstheorie soll im Bio-Unterricht an Gymnasien im Norden von Anfang an eine größere Rolle spielen.

Quelle: imago/xhinua

Kiel. Der Philologenverband geißelt den ab sofort geltenden Erlass als „falsche Weichenstellung“ für den Bio-Fachunterricht in den nächsten Jahrzehnten. Auch die CDU-Landtagsfraktion verlangt von Schulministerin Britta Ernst umgehend Korrekturen.

Der Philologenverband stößt sich vor allem an der aus seiner Sicht übereilten Umsetzung des „Ferien-Nacht-und-Nebel-Dekrets“ aus dem Ministerium. Massive landesweite Kritik von Biologielehrern sowie ganzer Fachschaften, die schon vor Monaten Korrekturen an den Fachanforderungen eingefordert hätten, seien komplett ins Leere gelaufen und im Erlass nicht berücksichtigt worden.

Verständnis für Zusammenhänge wird erschwert

 „Die tiefgreifende Umstrukturierung der Inhalte stellt die bisherige Themenfolge im Biologie-Unterricht derartig auf den Kopf, dass ein fachwissenschaftlich fundierter Unterricht aus Sicht erfahrener Kollegen nicht mehr möglich erscheint“, kritisiert der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Helmut Siegmon. Das Verständnis für biologische Zusammenhänge werde Schülern damit deutlich erschwert.

 Was das konkret bedeutet, erklärte Siegmon auf Nachfrage. So müsse künftig bereits ab der fünften Gymnasialklasse die Vermittlung des Bio-Unterrichtsstoffes stets im Kontext mit der von Charles Darwin entwickelten Evolutionstheorie stehen. „Das bedeutet aus Sicht vieler Fachlehrer eine Überfrachtung junger Schüler mit jeder Menge Theorie.“

 Zudem existierten die dafür benötigten Schulbücher nicht. Für Lehrer werde es nun „nicht ohne Hektik“ möglich sein, ihre gerade in Biologie umfänglichen Unterrichtsmaterialien in Abstimmungskonferenzen „erlasskonform“ umzustellen.

 Auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Heike Franzen, kritisiert die Einführung der neuen Fachanforderungen „einfach so über die Köpfe von Lehrern hinweg“. Dabei wäre es vielmehr die Aufgabe der Ministerin gewesen, gravierende Änderungen rechtzeitig mit betroffenen Lehrern zu erörtern. Dies müsse nun nachgeholt und die Fachanforderungen überarbeitet werden.

Schulen wurden im Juli informiert

 Das Ministerium hingegen verweist in seiner Stellungnahme auf öffentliche Anhörungsphasen, Info-Veranstaltungen sowie Möglichkeiten zu schriftlichen Verbesserungsvorschlägen von Biologie-Fachschaften. Der jetzt geltende Erlass sei im an allen Schulen verteilten Nachrichtenblatt des Ministeriums (Erscheinungstag 13. Juli) veröffentlicht worden. In gedruckter Form erhielten die Schulen die Fachanforderungen nun in diesen Tagen.

 Deren Umsetzung trete für die Sekundarstufe eins (alle fünften Jahrgänge) der Gymnasien sowie für die Sekundarstufe zwei (alle zehnten Jahrgänge) jeweils „aufwachsend“ in Kraft. Konkret heiße das: Für Schüler beispielsweise im siebten Jahrgang gelte noch der alte Lehrplan bis zum Übergang in die Sekundarstufe zwei.

 Insofern hätten die Fachkonferenzen an den Schulen noch Zeit, sich parallel im Laufe dieses und des kommenden Schuljahres auf neue Fachcurricula zu verständigen. Zudem gebe es Unterstützung der Kollegien durch Fachkommissionen, die vorab schon Unterrichtsgänge für fünfte Jahrgangsstufen sowie für das Einführungsjahr an Oberstufen entwickelt hätten. Dies könne eine Grundlage für die Unterrichtsplanung auf Basis neuer Fachanforderungen bilden.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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