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Nabu kritisiert Gewässerzustand

Blaualgen in Badeseen Nabu kritisiert Gewässerzustand

Getrübter Badespaß im „echten Norden“: Vermehrt auftretende Blaualgen erschweren den Gang ins kühle Nass. Gerade die sommerlichen Temperaturen und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft sorgen für optimale Wachstumsbedingungen. Der Nabu sieht Handlungsbedarf.

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Die Seen seien in einem schlechten Zustand, kritisierte der Naturschutzverband Nabu am Mittwoch.

Quelle: NABU

Preetz. Am schlimmsten betroffen ist der Lanker See im Kreis Plön: „Ein blau-grüner Schmierfilm bedeckt Teilbereiche der Wasseroberfläche – ein deutliches Zeichen für eine Nährstoffbelastung“, sagt Ingo Ludwichowski, Nabu-Landesgeschäftsführer. „Früher hat der See maximal drei Wochen im Jahr geblüht, heute ist er das ganze Jahr über eine grüne Jauche“, sagt Gernot Demel, seit 50 Jahren Mitglied im Preetzer Angelverein. Er macht auch die Vielzahl an Graugänsen für die Situation verantwortlich.

Dass der Lanker See kein Einzelfall ist, zeigt auch ein aktueller Bericht des Umweltbundesamts. Demnach ist die ökologische Qualität von Flüssen und Bächen nur zu zehn Prozent gut oder sehr gut. An den Küsten erreicht sogar nur eine von 72 Messtellen diese Note – sie liegt in der Ostsee. Dafür sind dort 15,9 Prozent in schlechtem Zustand, in der Nordsee sind es nur 3,6 Prozent.

Ein wichtiger Grund dafür liegt an Land: Rund um die Gewässer wird zu viel gedüngt. „Durch Abschwemmungen von Dünger aus der teils bis an den Gewässerrand genutzten Agrarlandschaft sowie durch einige punktuelle Einleitungen gelangt zu viel Stickstoff in den Lanker See. Das fördert das Algenwachstum und verzehrt Sauerstoff“, erklärt Carsten Pusch, Nabu-Leiter der Landesstelle Wasser. Aber auch die Lage des Sees als Auffangbecken im unteren Bereich der Schwentine-Seen-Kette trage dazu bei. „Wir beobachten mit großer Sorge, dass gerade Wasservögel zunehmend von der Eutrophierung betroffen sind. In der trüben, sauerstoffarmen Brühe finden sie nichts mehr zu fressen und bleiben weg“, erklärt Pusch. Auch wertvolle Pflanzenarten wie Wasserhahnenfuß, Tausendblatt und Kamm-Laichkraut seien praktisch verschwunden.

"Fünf nach zwölf"

Pusch sieht die Verantwortung beim Umweltministerium: „Minister Robert Habeck muss endlich reagieren.“ Schließlich wisse das Land, wie es um die Wasserqualität bestellt ist. Das Monitoring im Rahmen der europäischen Wasserrahmen- und auch der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie habe mehrmals den sich verschlechternden Zustand offengelegt. Das Ziel, die Seen im Land in einen guten ökologischen Zustand zu bringen und damit auch eine gute Wasserqualität zu erreichen, werde derzeit nicht erfüllt.

„Für unsere Seen ist es längst fünf nach zwölf“, so Pusch. Er fordert daher eine Minimierung der Einträge durch verpflichtende Pufferzonen im Uferbereich, die Anlage von Uferrandstreifen und Nährstoffrückhaltebecken. Bislang sei dies nur über eine freiwillige Allianz zwischen dem Bauernverband und dem Umweltministeriums geregelt. Auch ein schnelles Inkrafttreten der Novellierung der Düngeverordnung sei unabdingbar.

Auch im Umweltministerium sieht man Handlungsbedarf: „Es ist unverständlich angesichts des hohen Problemdrucks, warum die Düngeverordnung nicht schon längst im Bund novelliert wurde“, sagt Pressesprecher Söhnke Wendland. Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sieht er jedoch keine Versäumnisse: „Um Gewässer vor Stoffeinträgen zu schützen, wurde im Herbst 2013 das Landeswassergesetz geändert und ein landesweiter Gewässerrandstreifen mit Bewirtschaftungsauflagen eingeführt. Mit dem Bauernverband wurde darüber hinaus eine freiwillige Allianz für den Gewässerschutz gegründet“. Bis 2017 sollen dauerhaft mindestens zehn Meter breite Gewässerrandstreifen auf etwa 1200 Kilometer Vorranggewässern etabliert werden.

Die Gute Nachricht: Der Gang ins Wasser ist zwar unangenehm, aber eher ungefährlich:„Nur Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut müssen aufpassen“, sagt Björn Demmin, Sprecher des Kreises Plön. „Im Moment sehen wir allerdings noch keinen Bedarf, die Empfehlung für ein Badeverbot am Lanker See auszusprechen.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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Als Tourist hat man es wirklich nicht einfach in Schleswig-Holstein: Erst darf man in Winterjacke dem Dauerregen trotzen. Und kaum knackt das Thermometer endlich die 25-Grad-Marke, vermiesen Meldungen über stinkende Blaualgen-Teppiche den Badespaß. Was für Strandbesucher ärgerlich bis eklig ist, ist im Kern ein akutes Umweltproblem. Das zum Himmel stinkt.

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