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Bleibt Fahrradführerschein auf der Strecke?

Schulen im Land Bleibt Fahrradführerschein auf der Strecke?

Die Polizeidirektion warnt die Schulen in Schleswig-Holstein: Die Verkehrslehrer im Land werden in absehbarer Zeit für die Flüchtlingsbetreuung benötigt. Der Fahrradführerschein an Grundschulen könnte damit auf der Strecke bleiben.

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Ein Bild aus alten Zeiten: Jens Heerwagen, im Jahr 2012 für die Präventionsarbeit an einigen Schulen zuständig, bereitet eine vierte Klasse auf die Fahrradprüfung vor.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Fragt man Sophia nach ihrer Meinung zur Polizei, erzählt sie gern folgende Geschichte. „Als wir in der vierten Klasse mit allen Kindern im Straßenverkehr für die Fahrradprüfung unterwegs waren, da hat unser Polizist Herr Heerwagen einen Autofahrer angehalten, der ganz falsch und ohne zu blinken abgebogen ist. Den hat er angehalten und mit ihm geschimpft“. Das Ereignis liegt Jahre zurück. Sophia ist inzwischen in der Pubertät, doch der Präventionsbeauftragte ist ihr bis heute im Gedächtnis geblieben. Er hat einen guten Grundstein gelegt.

 Fußgängerausbildung für Erstklässler, Fahrradführerschein in der vierten Klasse, Medien- und Drogenprävention an den weiterführenden Schulen: Im Laufe der Schulzeit bekommen die Polizeibeamten in den meisten Städten und Kreisen alle Schüler mehrmals zu Gesicht. Bekamen, muss man vielleicht sagen, denn in der vergangenen Woche flatterte den Schulen in Kiel und dem Kreis Plön ein Brief vom Leiter der Polizeidirektion Kiel, Thomas Brauchowitz, auf den Tisch. Er bittet um Verständnis, denn die Zuwanderung von Flüchtlingen stelle auch die Landespolizei vor außergewöhnliche Herausforderungen: „Auch die Mitarbeiter der Präventionsstelle der Polizeidirektion Kiel werden zunehmend zur Bewältigung der neuen Aufgaben benötigt…unabhängig von der weiteren Lageentwicklung ist auch ein temporäre Aussetzung sämtlicher Präventionsmaßnahmen nicht ausgeschlossen.“

 Der Brief hat die Schulen aufgerüttelt. „Natürlich ist uns bekannt, welche Herausforderungen der Flüchtlingsstrom an uns stellt, zumal wir an der Friedrich-Ebert-Schule in Preetz durch das Deutsch als Zweitsprache Zentrum ebenfalls mit der Situation kämpfen“, schreibt die Rektorin der Schule, Anna Wollenberg. Sie fragt sich, wie lange die Aussetzung dauern soll. „Schulen können die Radfahrausbildung im öffentlichen Verkehrsraum nicht übernehmen. Gerade durch den Rückgang der Fähigkeit der Kinder, sich im Straßenverkehr angepasst zu verhalten, ist die Verantwortung der Lehrkräfte sehr hoch und nicht mehr leistbar. Auch reagieren die Verkehrsteilnehmer anders, wenn die Schüler mit einem uniformierten Polizisten unterwegs sind“, so die Rektorin.

 Eltern schlagen ebenfalls Alarm. „Die Fahrradprüfung mit einer Vorbereitung von vier Doppelstunden und einer Prüfung in jeder Klasse könnte nicht mehr durchgeführt werden, weil die Lehrer gar nicht autorisiert sind, diese abzunehmen. Schade, dass die Selbstverständlichkeit, den Flüchtlingen zu helfen, auf dem Rücken der schwächsten Verkehrsteilnehmer ausgetragen wird“, beklagt Corina Lütt vom Landeselternbeirat der Grundschulen.

 Für Thomas Schunk, Pressesprecher im Bildungsministerium, stellt die Vorwarnung kein Problem dar. „Die Kooperation mit Polizei und Innenministerium ist und war bei diesem Thema immer sehr gut; wenn es Veränderungen geben sollte, hieße das aber nicht, dass die Schule Verkehrserziehung nicht allein erfolgreich im Unterricht machen könnte“, sagt er. Die Entscheidung, welche Bereiche eingeschränkt würden, liege bei den Polizeidirektionen und orientiere sich an der jeweiligen Lagebeurteilung, teilte das Innenministerium mit. Momentan könne man die Präventionsarbeit noch leisten, heißt es in der Polizeidirektion Kiel. Wie es in einigen Wochen oder gar Monaten aussehen werde, weiß allerdings niemand.

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