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Mit 117 Sachen durch die Tempo-50-Zone

Blitzmarathon Mit 117 Sachen durch die Tempo-50-Zone

Normalerweise stecken Blitzer hinter Büschen und Bäumen und blicken in verdutzte Gesichter. Nicht so gestern. Die Messorte des landesweiten Blitzmarathons hatte die Polizei im Vorfeld öffentlich bekannt gegeben. Viele Autofahrer waren vorbereitet. Einige traf es dennoch.

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Die Polizeibeamten Marc Simonides (links) und Uwe Rehder messen mit einem Laser-Messgerät die Geschwindigkeit von Fahrzeugen in Kronshagen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kronshagen. In Bönnigstedt raste ein Autofahrer mit 117 km/h durch eine 50-Zone. Die Polizei registrierte bis zum Nachmittag 1251 Fälle von erhöhter Geschwindigkeit. An den 75 Messorten betrug die vorläufige Beanstandungsquote 5,13 Prozent, halb so hoch wie an durchschnittlichen Tagen. Im Mittelpunkt der Aktion stand laut Innenminister Stefan Studt ohnehin die Prävention.

Für Polizeiobermeister Marc Simonides (40) und Polizeihauptmeister Uwe Rehder (45) begann der gestrige Blitzmarathon um 11.50 Uhr. Um 13.30 Uhr tappte den Polzisten am Kronshagener Schul- und Sportzentrum der erste Temposünder in die Laserfalle. „Wir stehen ein paar Mal im Monat hier. Da gehen einem sonst in einer Stunde drei oder vier Fahrer ins Netz. Aber heute wissen alle Bescheid“, erklärte Rehder. Für Innenminister Studt, der die Messstation am Mittag besuchte, kein Problem: „Es geht heute nicht darum, den schnellsten Autofahrer zu ermitteln, sondern auf das Thema Geschwindigkeitsüberschreitung aufmerksam zu machen“, sagte der Minister. Aus der Erfahrung der letzten Jahre sei es sinnvoll, die Standorte der Blitzer vorher bekannt zu geben, erklärte der SPD-Politiker und unterstrich den präventiven Charakter der Aktion. Vom gestrigen Streik im öffentlichen Dienst profitierten die Autofahrer zusätzlich: „Eigentlich war geplant, die Ergebnisse von Polizei und Ordnungsamt untereinander auszutauschen. Das fällt aufgrund des Streiks natürlich flach“, sagte Studt.

Neben dem Tempolimit hatten die Polizisten auch andere Verkehrsdelikte im Blick. „Der Fokus liegt nicht nur auf Temposündern. Wir führen immer auch eine allgemeine Verkehrskontrolle durch“, erklärte Simonides. So winkten die Beamten nicht angeschnallte Autofahrer aus dem Verkehr oder belehrten einen Fahrradfahrer über die Verkehrstauglichkeit seines Rennrads. Dass am Kronshagener Schul- und Sportzentrum häufiger geblitzt wird, fand Birgit Kyburg (49) gut: „Gerade weil hier der Fahrradweg aufhört und die Kinder auf der Straße zur Schule oder den Sportstätten fahren.“ Blitzer an solchen Knotenpunkten unterstützt Ute Laackmann ebenfalls. Darüber hinaus sieht die 46-Jährige das Vorgehen der Polizei kritisch: „Ich finde man sollte andere Schwerpunkte setzen, statt überall zu blitzen und die Leute zur Kasse zu bitten.“

Der bundesweite Blitzmarathon 2016 zwang auch die schleswig-holsteinischen Autofahrer am Donnerstag besonders aufmerksam zu fahren.

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Die Verteilung der einzelnen Messorte beschrieb Studt als „ausgewogen“. Neben Unfallschwerpunkten standen sensible Orte mit erhöhtem Gefahrenpotenzial im Fokus. „Mir geht es insbesondere an Orten wie Kindergärten und Schulen darum, die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren.“ Für Fußgänger wirken sich bei einem Autounfall bereits geringe Tempounterschiede gravierend aus. So überleben acht von zehn Fußgängern, die bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h angefahren werden. Steht der Tacho bei 65 km/h, sind es nur zwei. „Wir stellen uns die Frage natürlich auch, ob wir in diesem Geschwindigkeitsbereich über erhöhte Bußgelder noch stärker sanktionieren müssen oder denken darüber nach, verstärkt Dreißiger-Zonen einzurichten“, erklärte Studt.

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Florian Sötje
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Protokoll
Foto: Stehen hinter dem Blitzmarathon: Polizeiobermeister Marc Simonides und Innenminister Stefan Studt (SPD).

Teure Blitzer-Fotos mit Vorwarnung: Polizisten in Schleswig-Holstein kontrollierten am Donnerstag an bekannten Unfallstellen, vor Schulen oder Kindergärten das Tempo. Autofahrer konnten sich dank Hinweisen der Polizei vor dem Blitzmarathon wappnen.

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