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Die Stunde der Umwelt-Detektive

Bohrschlamm Die Stunde der Umwelt-Detektive

Klaus Schöllhorn aus Preetz ist Hobby-Archäologe. Er klagt: Über die Ölbohrungen von einst wisse kaum jemand noch etwas, selbst bei den Gemeinden könne sich niemand mehr erinnern. Unterlagen müsse es noch geben, aber systematisch sei die Abfallbehandlung offenbar nie aufgearbeitet worden.

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Klaus Schöllhorn (68) erforscht anhand alter Karten und Dokumente die Ölfelder bei Preetz.

Quelle: Sven Janssen

Preetz. Klaus Schöllhorn ist Hobby-Archäologe. Die Erdöl- und Gasförderung betrifft zwar die neueren Geschichte, hat den Rentner aber auch gepackt. „Da ist zu viel Gras drüber gewachsen. Angesichts der Fracking-Diskussion wollte ich wissen, was wo bei uns im Kreis Plön passiert ist und stellte fest: Es gibt kaum Informationen dazu.“

Technik interessiert den 68-Jährigen Klaus Schöllhorn aus Preetz seit langem. Auch weil er sich beruflich mit Bergbau befasst hat. Bei einer Ausstellung im Plöner Kreismuseum stieß der Rentner auf eine Quelle, der er nachging. Am Ende wurde ihm von einem Zeitzeugen Unterlagen und Karten übergeben. Darauf sind die einzelnen Bohrstellen im Kreis Plön verzeichnet. Dabei wurde nicht nur senkrecht gebohrt: Sowohl am Postsee als auch in der Eckernförder Bucht wurde nach den Unterlagen von Land aus erst senkrecht, dann waagerecht gebohrt, um Öl unter den Gewässern zu fördern.

 „Heute ist von den Bohrstellen meist nichts mehr zu sehen. Bei Aufnahmen aus der Luft erkennt man aber zum Teil noch die dunkle Bodenfärbung“, erklärt Schöllhorn und zeigt zwei Stellen zwischen Pohnsdorf und Schwentinental. „Allein in dem Bohrfeld Preetz gab es 38 Bohrstellen. In diese beiden wurde das abgeschiedene Bohrwasser – offenbar auch von anderen Bohrstellen – hineingepresst“, erklärt Schöllhorn. „Es wurden hier aber auch Gruben für Bohrschlamm angelegt.“ Der Bohrschlamm soll später von Privatfirmen abtransportiert und die Grube verfüllt und mit Torf abgedeckt worden sein. Daher seien sie auf Luftaufnahmen noch erkennbar. „Wohin der Schlamm gebracht wurde, lässt sich aus den Unterlagen nicht ersehen. Das konnte mir auch der Grundeigentümer nicht mehr sagen, weil das Land den Besitzer gewechselt hat.“

 Für Schöllhorn ist das typisch. Kaum jemand wisse noch etwas, selbst bei den Gemeinden könne sich niemand mehr erinnern. Unterlagen müsse es noch geben, aber systematisch sei das Thema und vor allem die Abfallbehandlung offenbar nie aufgearbeitet worden. „Früher hat man darauf vertraut, dass das harmloser Schlamm und harmloses Bohrwasser ist. Abfall, den man einfach vergraben, auf Felder ausbringen oder auf einer Hausmülldeponie lagern kann. Heute kennen wir die Risiken, wissen aber oft nicht mehr, wo wir suchen sollen.“ Zumindest im Kreis Plön könnten die Unterlagen Schöllhorns bei der Aufarbeitung helfen.

 Das gilt auch für eine Beinahe-Katastrophe im Kreis Plön in den 60er-Jahren, von der heute noch vergilbtes Foto zeugt. „Das war eine Bohrung, bei der man mit einem Druck von über 1000 Bar ölführenden Schichten unter dem sogenannten Salzhut und der Grundwasserschicht aufbrechen wollte. Das Salz verflüssigte sich, Bohrwasser und Bohrlösungen drohten das Grundwasser zu verunreinigen, das zur Trinkwassergewinnung genutzt wird“, sagt Schölllhorn. Die Bohrung sei außer Kontrolle geraten. Aus den USA sei kurzfristig ein spezieller Sand eingeflogen worden, mit dem das Bohrloch dann verfüllt worden sei.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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