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Fehlen Gruben auf der Landesliste?

Bohrschlamm Fehlen Gruben auf der Landesliste?

Offenbar gibt es weit mehr Bohrschlammgruben in Schleswig-Holstein, als dem Land bekannt sind. Darauf weisen Augenzeugen hin, die von weiteren Ablagerungen aus der Erdölförderung berichten. Sie gehen davon aus, dass es sich um illegale Gruben handelt.

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An die Zeit der Erdölförderung in Schwedeneck erinnert diese Pferdekopfpumpe im Ortsteil Sprenge.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Kiel. Währenddessen fürchten Eigentümer mit alten Bohrschlammgruben auf ihrem Grund, auf etwaigen Kosten für Entsorgung und Bodensanierung sitzen zu bleiben.

 Die Augenzeugen haben sich nach der Berichterstattung der Kieler Nachrichten über das ungeklärte Bohrschlammrisiko gemeldet. Sie waren erstaunt, dass Gruben in ihrer Nähe nicht auf der Liste des Umweltministeriums auftauchten. Auf Nachfrage hieß es im Ministerium: Nein, man habe keinerlei Informationen über nicht genehmigte Bohrschlammgruben. Historische Gruben im Zusammenhang mit Bohrungen hätten allerdings auch nicht separat genehmigt werden müssen. Ob legal oder illegal – die Bürger fordern, dass den Gruben auf den Grund gegangen wird.

 Das Ministerium hatte – wie berichtet – eine Liste mit den 100 Verdachtsflächen in 74 Gemeinden veröffentlicht. Dabei handelt es sich um genehmigte Gruben. Einige Standorte sind inzwischen von den unteren Bodenbehörden untersucht und überwiegend als unbedenklich eingestuft worden.

 Doch bei vielen Gruben ist das Risiko noch ungeklärt, zum Teil sind nicht einmal die genauen Standorte bekannt. Beispiel Kreis Rendsburg-Eckernförde: Dort kann man nicht alle zwölf Verdachtsflächen exakten Standorten zuordnen, erklärt Kreissprecher Martin Schmedtje. Denn die Positionsangaben würden aus den Jahren von 1941 bis 1987 stammen. „In dieser Zeit wurden die Bezugssysteme gewechselt, diese Wechsel aber nicht dokumentiert.“

Start im Kreis Segeberg

 Das Umweltministerium will jetzt ein Ingenieurbüro beauftragen, um über eine Luftbildauswertung, Zeitzeugenbefragungen und Ortstermine die exakten Standorte der Gruben zu ermitteln. Dabei sollen die Verdachtsflächen Kreis für Kreis abgearbeitet werden. Gestartet werden soll im Kreis Segeberg. Wird ein Standort als Altlast bestätigt, würden die unteren Bodenbehörden die notwendigen Schritte einleiten: von der Eigentümer-Information über Detailuntersuchungen bis – wenn notwendig – zur Sanierung. Gesucht werden soll aber nur an vorher festgelegten Verdachtsorten, nicht ergebnisoffen. Ein öffentlicher Aufruf, weitere mögliche Altflächen zu melden, ist nicht geplant. Für die Piratenfraktion ist das nicht akzeptabel. Sie fordert, das Gedächtnis der Bevölkerung zu nutzen und den gesamten Prozess transparent zu machen.

 So mancher Bürger fürchtet, dass das dicke Ende der einstigen Ölförderung noch bevorsteht. Begründung: Die Gruben in Schleswig-Holstein sind laut Ministerium bereits alle aus dem Bergrecht entlassen. Das bedeutet, dass der jeweilige Kreis zuständig ist. Eine weitere Folge: „Hat ein Grundeigentümer selbst oder sein Vorgänger Flächen für die Ölförderung bereitgestellt, dann geht die Haftung für diese Fläche auf ihn über, und er muss mögliche Folgekosten übernehmen“, erklärt Reinhard Knof, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager. „Solch eine Grube zu sanieren, kann einen den Hof kosten“, warnt auch Frank Tietgen von der Regionalgruppe „Frackingfreier Kreis Plön“ und fordert vom Land eine vertragliche Regelung wie in Niedersachsen: Dort müssen die Verursacher für die Folgekosten der Bohrschlammgruben aufkommen – und nicht die heutigen Grundeigentümer.

 Bei Bodenuntersuchungen hatte sich zuvor in Niedersachsen ein laxer Umgang mit den Bohrschlämmen offenbart. So wurde bis in die 1960er-Jahre hinein oft in unmittelbarer Nähe zu den produktiven Bohrungen eine Grube ausgehoben, in der die Bohrschlämme einfach versickerten. Auch später noch wurden kleinere Gruben zum Teil nur mit Erde abgedeckt und sich selbst überlassen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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