15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ärger um Kinderkrankengeld

Bordesholm Ärger um Kinderkrankengeld

Das kleine Kind ist krank, der Kitabesuch nicht möglich. In solchen Fällen können Eltern frei nehmen. Sind sie gesetzlich versichert, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Doch ein Vater aus Bordesholm ging trotzdem leer aus. Für ihn eine klare Benachteiligung.

Voriger Artikel
Ersthelferin zieht Unfallopfer aus brennendem Auto
Nächster Artikel
15 Mal 1000 Euro zu gewinnen

Ein aktueller Fall aus Bordesholm: Nur weil der Vater zu Hause geblieben ist, hat die Familie einen finanziellen Schaden.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Bordesholm. Der Vater – nennen wir ihn Sven Grolt – ist als Angestellter gesetzlich versichert. Seine Frau musste sich als beamtete Lehrerin privat versichern und ist beihilfeberechtigt. Das Paar hat eine zweijährige Tochter. Weil die Mutter mehr als der Vater verdient, musste das Kind bei ihr mitversichert werden. Eine Regelung mit ungeahnten Folgen.

 Die wurden klar, als die Tochter mehrfach krank wurde. Ein Elternteil musste bei ihr zu Hause bleiben. „In der Schule standen wichtige Termine an, meine Frau konnte nicht fehlen. Also bin ich zu Hause geblieben. Kein Problem, ich habe auch Elternzeit genommen“, sagt der Vater. Der Schock kam später, als ihm die Fehltage vom Gehalt abgezogen wurden. Begründung: Die TK, bei der Sven Grolt versichert ist, könne das Kinderkrankengeld nicht zahlen, weil das Kind nicht dort versichert ist. Weil der Arbeitgeber das auch nicht übernehmen könne, müsse der Vater den Lohnausfall tragen. Kann nicht sein, dachte Sven Grolt und wandte sich an die DBV, bei der seine Frau versichert ist. Doch auch dort hieß es: „Wir zahlen nicht.“ Begründung der DBV: Der Verdienstausfall zur Betreuung eines Kindes sei bei Privatversicherungen nicht abgesichert. Das sei in dem Fall auch nicht notwendig, weil die beamtete Lehrerin bei einem kranken Kind zu Hause bleiben könne und trotzdem weiter ihr Gehalt bekomme.

 Fazit der Familie: Nur weil der Vater zu Hause geblieben ist, hat die Familie einen finanziellen Schaden. „Ist es wirklich politisch gewollt, dass engagierte Väter drauf zahlen müssen? Ist es politisch gewollt, dass ich auf ein Viertel meines Lohnes verzichten muss, nur weil ich mich um meine Tochter kümmere?“, fragt der Vater.

 Die Familie hat erste Konsequenzen gezogen: Als die Tochter kürzlich wieder krank wurde, ist die Mutter zu Hause geblieben. Die anstehende Abschlussprüfung ihrer Schüler konnte deswegen nicht stattfinden. Nicht ausgeschlossen, dass irgendwann auch eine Abiturprüfung ausfalle. Denn Nachwuchs Nummer zwei ist auf dem Weg. Statistisch verdoppelt sich damit das Ausfall-Risiko der Mutter.

 Die Familie hat inzwischen viele Stellen angeschrieben. Die Antworten diverser Bundesministerien sind widersprüchlich. Insgesamt heißt es, dass gesetzlich versicherte Eltern normalerweise im Vorteil sind. Nur eben in diesem Fall nicht. Im Büro der Bürgerbeauftragten Samiah el Samodoni sieht man immerhin einen Teilanspruch für den Vater: Wenn der Tarifvertrag es nicht ausschließe, müsse der Vater von seinem Arbeitgeber nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraf 616) bezahlten Sonderurlaub erhalten. Zwar nicht – wie bei gesetzlich versicherten Kindern – für zehn Tag im Jahr, aber zumindest für vier Tage.

 Für Sven Grolt wäre das immer noch eine Benachteiligung. Außerdem hat ihm sein Arbeitgeber bereits mitgeteilt, dass man eine Kostenübernahme aufgrund von Paragraf 616 nicht gewähren könne.

 Sven Grolt versteht nicht, warum niemand diese Ungerechtigkeit anpacken will. In seinem Fall hätte es schon gereicht, wenn die Eltern hätten frei entscheiden könnten, wo ihr Kind mitversichert wird. Dann wäre es über den Vater versichert, und es hätte keine finanziellen Einbußen gegeben – gleichgültig, wer nun die Zweijährige betreut, Mutter oder Vater.

 Wer berufstätig ist und sich und sein Kind gesetzlich versichert hat, hat Anspruch auf Kinderkrankengeld: Damit soll der Verlust an Lohn oder Gehalt kompensiert werden, wenn ein Erwerbstätiger zuhause sein krankes Kind betreut. Das Kinderkrankengeld wird pro Jahr und Kind für zehn Tage gewährt, ab drei Kindern für maximal 25 Tage. Private Krankenversicherungen enthalten kein Kinderkrankengeld. Jeder kann aber einen Anspruch für bis zu vier Tage bezahlten Sonderurlaub pro Kind und Jahr geltend machen. Der § 616 Bürgerliches Gesetzbuch lässt das nach Auffassung von Gerichten zu. Nach diesem Paragrafen ist ein Arbeitgeber dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer für maximal vier Tage bezahlten Sonderurlaub zu gewähren, wenn er „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird“. Allerdings kann dieser Anspruch in den Tarifverträgen ausgeschlossen werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

Die Wirtschaft schreibt sich Familienfreundlichkeit auf ihre Fahnen. Notgedrungen, denn sie braucht mehr berufstätige Frauen. Doch das wird auch bei gut ausgebauter Kinderbetreuung nur funktionieren, wenn sich Männer und Frauen die Familienarbeit teilen.

mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3