4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Unzumutbare Zustände durch Bahnausfälle

Brandbrief aus Sylt Unzumutbare Zustände durch Bahnausfälle

Seit einer Woche herrschen chaotische Verhältnisse im Bahnverkehr nach Sylt. In einem ungewöhnlich drastischen Schreiben fordern die örtlichen Kommunen sofortige Abhilfe - sprich Ersatzzüge. Kernvorwurf: Die Lebensader der Insel ist geschädigt.

Voriger Artikel
„Reichsbürger“ schlägt Polizisten
Nächster Artikel
1000 Einbrüche weniger in Schleswig-Holstein

In einem Brandbrief wegen „unzumutbarer Zustände“ im Bahnverkehr dringen Sylt und Niebüll auf sofortige Abhilfe.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Sylt. In einem Brandbrief wegen „unzumutbarer Zustände“ im Bahnverkehr dringen Sylt und Niebüll auf sofortige Abhilfe. „Beschaffen Sie bitte umgehend, nein sofort, mehr Trieb- und Reisezugwagen für den lebensnotwendigen Transfer in unserer Region“, forderten am Donnerstag die Gemeinde Sylt, das Amt Landschaft Sylt und die Stadt Niebüll in einem gemeinsamen Schreiben an den Geschäftsführer des Nahverkehrsverbundes Schleswig-Holstein, Bernhard Wewers. „Sie verantworten, dass die Lebensader der Insel Sylt geschädigt wird und verantworten den Schaden für die gesamte Region.“

Das Schreiben ging zur Kenntnis auch an Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Der Hintergrund: Die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) hat aufgrund einer defekten Kupplung seit vergangenen Freitag 90 Waggons aus dem Verkehr genommen. Die Überprüfung soll voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Bei der NOB war am Donnerstag eine Stellungnahme zunächst nicht zu bekommen.

Rund 4500 Berufspendler seien betroffen, hieß es. „Bereits am Freitag musste die Gemeinde Sylt Kindergartenkinder nach Hause schicken, konnte der Schulbetrieb nicht ordnungsgemäß beginnen und im Schichtdienst arbeitende Pflegekräfte nicht abgelöst werden, weil die Beschäftigten nicht zur Arbeit kommen konnten. Geschäfte konnten nicht öffnen und viele vereinbarte Dienstleistungen im öffentlichen, sozialen und privatem Bereich fielen wegen Personalmangels aus.“ Sylt sei fast ausschließlich von einem Verkehrsmittel - der Bahn - abhängig. Wachsender Unmut und ein Gefühl von Hilflosigkeit mache sich breit.

Verlässlichkeit gefordert

Trotz bundesweit zur Verfügung stehender Trieb- und Reisezugwagen werden dem Schreiben zufolge immer noch nicht alle Berufspendler vom Festland auf die Insel menschenwürdig befördert. Notwendig seien verlässliche Bahnverbindungen mit ausreichender Transportkapazität.

„Ich verstehe den Unmut der Pendler und die Sorgen auf Sylt sehr gut“, sagte Wewers vergangene Woche. „Die NOB tut alles, um ausreichende Kapazitäten zu organisieren. Und natürlich unterstützen wir sie dabei.“ Leider sei die Herausforderung, spontan 90 Reisezugwagen zu ersetzen, so groß, dass Lösungen etwas länger bräuchten. „Wir sind aber weiter dran. Ich bin heute im Werk in Husum und erörtere die Situation mit der NOB.“

Minister Meyer sollte am Donnerstag von einer Iranreise zurückkehren. Verkehrstaatssekretär Frank Nägele sagte, er könne die Sorgen der Sylter sehr gut verstehen. „Ich erwarte, dass die beteiligten Bahnunternehmen die Verkehre in Kürze so organisieren, dass es zu einer spürbaren Entlastung zumindest in den Stoßzeiten kommt.“

Zahlreiche Pendler hatten am vergangenen Freitag unter den Zugausfällen und Verspätungen gelitten. „600 bis 800 Menschen drängten sich auf dem Bahnsteig, es war katastrophal“, sagte ein Pendler in Niebüll. Wegen der hohen Mietpreise auf Sylt pendeln täglich zahlreiche Handwerker und Angestellte auf die Insel. Täglich sind 18 000 Menschen auf der rund 240 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg und Westerland unterwegs.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Bahnstrecke nach Sylt
Foto: Endstation Sehnsucht: Wer zum Bahnhof in Westerland auf Sylt fahren möchte, braucht derzeit viel Geduld.

Verspätungen, Ausfälle, zu wenig Sitzplätze: Seit Wochen werden Urlauber und Pendler zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt auf eine harte Probe gestellt. Bahnkunden haben seither viele Kompromisse einzugehen und noch mehr Geduld zu beweisen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3