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Flüchtlingsunterkunft im Rohbau angezündet

Lübeck Flüchtlingsunterkunft im Rohbau angezündet

Eine Flüchtlingsunterkunft im Lübecker Stadtteil Kücknitz ist Montag in den frühen Morgenstunden Ziel eines Brandanschlags geworden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. In Schleswig-Holstein wäre es damit bereits der dritte Übergriff auf Flüchtlingsunterkünfte in diesem Jahr.

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Brandstiftung: Da ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, hat das Staatsschutzkommissariat der Bezirkskriminalinspektion Lübeck die Ermittlungen übernommen.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Lübeck. Die jetzt betroffene Unterkunft befindet sich noch in der Rohbauphase, Menschen wurden nicht verletzt. Nach Angaben des Lübecker Oberstaatsanwalts Ralf Peter Anders hätten der oder die Täter einen Bauzaun geöffnet und an zwei Stellen in einem der fünf Heimgebäude Feuer gelegt.

Mit geschätzten 1000 Euro blieb der Sachschaden zwar gering. „Wir müssen aber von einer politisch motivierten, fremdenfeindlichen Tat ausgehen“, sagt Anders. Dafür spreche, dass an einem Bauschild rassistische Parolen und Aufkleber der NPD hinterlassen worden seien. Ob von den Brandstiftern selbst sei aber noch unklar. Verdächtige gebe es bisher nicht. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, verspricht der Oberstaatsanwalt. Die Staatsanwaltschaft habe deshalb 10000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die den Täter überführen können. Zudem sei eine Sonderermittlungsgruppe eingerichtet worden.

Für den Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein ist die neuerliche Tat Grund zur Besorgnis. Die ansteigende Zahl von Flüchtlingen führe zu einer größeren Zahl von unmittelbar „Betroffenen“ in der Bevölkerung, erklärt Behördenchef Dieter Büddefeld. Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile gegen andere Kulturen gewönnen daher immer mehr an Raum. „Es handelt sich dabei zwar nicht um die Mitte der Gesellschaft – aber durchaus um Überzeugungen, die auch in Teilen der Mitte der Gesellschaft vertreten werden“, sagt Büddefeld. Gefährlich könne die Entwicklung dann werden, wenn es Rechtsextremisten gelänge, dieses vorhandene Potenzial für ihre Zwecke zu erschließen und zu missbrauchen. Darauf arbeiteten rechtsextreme Kreise derzeit massiv hin. Verglichen mit anderen Bundesländern habe es im Norden bislang nur recht wenige Straftaten in Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylbewerben gegeben.

Parteiübergreifend wurde die Tat scharf verurteilt. Innenminister Stefan Studt (SPD) rief die Menschen im Land dazu auf, fremdenfeindlichen und gewalttätigen Umtrieben entschieden entgegenzutreten. „Wer Flüchtlingsunterkünfte angreift, greift genauso die Menschen an, die hier bei uns Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen.“

Astrid Damerow, flüchtlingspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, nannte den Anschlag „entsetzlich“. Flemming Meyer (SSW) bezeichnete die Zunahme der Anschläge in Deutschland „verstörend und eine Schande für das Land“. Innenexperte Burkhard Peters (Grüne) mahnt zu erhöhter Wachsamkeit: „Die Anzeichen für rechtsextreme Aktivitäten in der Region verdichten sich.“

Von Oliver Vogt und Kathrin Diederichs

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Escheburg, Tröglitz, Meißen und nun wohl auch Lübeck: Brandanschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte häufen sich in unserem Land. Wieder einmal scheint es feige und egoistische Gestrige, angetrieben von Fremdenfeindlichkeit und Dummheit, nachts auf die Straßen zu treiben, um Flüchtlingen auch das Wenige zu nehmen, was wir ihnen bieten können. Ein sicheres Dach über dem Kopf.

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