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Habeck verbietet AKW-Neustart

Brokdorf Habeck verbietet AKW-Neustart

Riesenkrach um einen neuen Reaktorkern: Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat PreussenElektra vorerst untersagt, das Atomkraftwerk Brokdorf neu zu beladen. Zuvor müssten die Ursachen geklärt sein, warum im Februar an Brennstäben Rost festgestellt wurde.

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Das Atomkraftwerk Brokdorf: Nach dem Willen von Betreiber PreussenElektra soll das Atomkraftwerk Brokdorf möglichst schnell wieder ans Netz gehen.

Quelle: Christian Charisius

Kiel. Der Minister hatte am Dienstagnachmittag kurzfristig zur Pressekonferenz eingeladen. "Ich muss unterstellen, dass PreussenElektra den Konflikt an dieser Stelle sucht", sagte er. Am späten Montagabend habe das Energieunternehmen der Atomaufsicht schriftlich mitgeteilt, dass man den Kern des Atomkraftwerks Brokdorf am Mittwoch neu beladen werde. Es sei dabei weder um den Wunsch noch um eine Frage gegangen, sondern um eine schlichte Ankündigung. "Das kennen wir so nicht", sagte Atomaufsicht-Chef Jan Backmann sichtlich irritiert, "und das halten wir auch nicht für zielführend. Es fördert nicht das Miteinander.“

Man braucht belastbare Prognosen

Nach Angaben von PreussenElektra-Geschäftsführer Erwin Fischer soll das AKW schnell wieder ans Netz gehen. Der Meiler sei "in vollständig bestimmungsgemäßem Zustand" und nach Abschluss anstehender Arbeiten in etwa zwei Wochen zum Wiederanfahren bereit.

Das allerdings bewerten die Landesbehörden ganz anders. "Für die Zukunft muss ausgeschlossen sein, dass sich erneut Oxidschichten bilden, die den Grenzwert überschreiten", sagte Backmann. "Dafür ist ein Verständnis der Ursachen erforderlich." Man benötige belastbare Prognosen für die Zukunft. Habeck konstatierte:  "Leider ist PreussenElektra dem bislang nicht vollständig nachgekommen."

Brennstäbe aus zwei Chargen betroffen

Der Betreiber hatte mitgeteilt, dass "nur eine einzige Charge von Brennelementen im Kernkraftwerk Brokdorf" vom Rost betroffen sei. Für den anstehenden Betrieb werde man keines der betroffenen Brennelemente einsetzen. Der Umweltminister konnte diesen Angaben nicht bestätigen. In Brokdorf seien Brennstäbe aus "mindestens zwei Chargen" betroffen. Zudem hätten bisher nur Stichproben stattgefunden, und darüber hinaus wäre dadurch nicht zu erklären, warum die Oxidation auch an anderen Standorten auftrat.

"Wir haben nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, die Zusammenstellung eines neuen Kerns zu prüfen, und zwar in allen Lastsituationen des Atomkraftwerks", sagte Habeck. PreussenElektra versuche offenkundig, ihn zu treiben, und das werde er auf keinen Fall zulassen. Man ziehe sich nunmehr auf einen formalen Weg zurück: Eine Zustimmung zum Wiederanfahren des Kernkraftwerks sei erst dann möglich, wenn ausgeschlossen werden kann, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt. Es handle sich um einen neuen Reaktorkern. Nach der Betriebsgenehmigung sei der Aufsichtsbehörde eine neue Kernbeladung drei Monate vorher anzuzeigen. "Die beabsichtigte Kernbeladung ist daher nach Auffassung der Aufsichtsbehörde unzulässig."

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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