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Schleusenbau gerät ins Stocken

Brunsbüttel Schleusenbau gerät ins Stocken

Auf der Baustelle der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel ist es still geworden. 15 Monate nach der offiziellen Vergabe wurde mit dem Aushub der Baugrube immer noch nicht begonnen. Sogar von Baustopp ist die Rede. Gründe sind Differenzen zwischen Schifffahrtsverwaltung und Baukonzern, der die Ausschreibung gewann und jetzt nachverhandeln will.

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Die Bauarbeiten für die fünfte Schleusenkammer sind bislang über Vorbereitungen zum Aushub der großen Baugrube nicht hinausgekommen. Die Arbeiten sind nun gestoppt worden. Wann es weitergeht, ist derzeit noch unklar.

Quelle: Frank Behling

Brunsbüttel.  „Ja, wir wollten eigentlich längst weiter sein, als wir jetzt sind. Dennoch haben wir die Hoffnung, dass sich die offenen Fragen bald klären lassen“, erklärt Claudia Thoma, Sprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.

 Rückblick: Im April 2014 konnte die Generaldirektion die erfolgreiche Vergabe des Auftrags nach einer europaweiten Auschreibung verkünden. Der niederländische Baukonzerns Royal BAM Group mit seinen deutschen Tochterfirmen Wayss & Freytag Ingenieurbau und Wayss & Freytag Spezialtiefbau hatte den Zuschlag bekommen. Das Auftragsvolumen beträgt 485 Millionen Euro. Bis jetzt wurden jedoch nur vorbereitende Arbeiten gemacht. Spundwände gerammt, das Baufeld freigemacht und Baugerät in Position gebracht.

 Wann die Bagger mit dem Aushub der 1,6 Millionen Kubikmeter Erdreich aus der Baugrube der neuen Schleusenkammer starten, lasse sich nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung geht es vor allem um nicht unerhebliche Nachforderungen des Baukonzerns, der angeblich erhebliche Mängel in der Bauplanung gefunden hat. „Dazu können wir mit Blick auf die laufenden Verhandlungen keine Aussagen treffen. Wir gehen aber von einer zeitnahen Lösung aus“, sagt Thoma. Das Thema Kampfmittel sorgt zusätzlich für Kummer. Die Bewertungen der Gefahr durch Blindgänger ist angeblich nicht ausreichend vorgenommen worden. „Wir prüfen auch das“, sagt Thoma. Vom Baukonzern selbst war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

 Heftige Kritik kommt von der Initiative Kiel Canal, in der sich Unternehmen, Kommunen und Vereine zusammengeschlossen haben. „Das ganze Vorhaben dauert jetzt schon viel zu lange. Es muss endlich gebaut werden“, sagt Jens-Broder Knudsen, Vorsitzender der Initiative. Alle Beteiligten müssen schleunigst eine Lösung zu finden, damit der Bau endlich losgehen kann. „Diese Probleme dürfen nicht länger auf dem Rücken der Schifffahrt ausgetragen werden“, so Knudsen.

 Bei einem so komplexen Bauvorhaben wie im Fall der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel komme es im Laufe der Bauarbeiten immer wieder zu neuen Aspekten, anderen Planungs- und Umsetzungsverläufen. „Das lässt sich bei einer großen Wasserbaustelle über eine Bauzeit von sieben Jahren nicht vermeiden“, so die Sprecherin.

 Die Schleusenkammer wird 360 Meter lang und 45 Meter breit. Für den Bau werden 21000 Tonnen Spundwandstahl und etwa 115000 Kubikmeter Stahlbeton verbaut.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Auf großen Bauvorhaben liegt in Deutschland einfach kein Segen. Jedenfalls dann, wenn die öffentliche Hand als Bauherr auftritt. Planungszeiten ufern aus, Kosten explodieren, und wenn dann endlich grünes Licht vorliegt und die Aufträge vergeben sind, sind die Grundlagen längst überholt.

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