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Geflügelpest weitet sich im Land aus

Bürgertelefon wird eingerichtet Geflügelpest weitet sich im Land aus

In den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Bad Segeberg wurden am Donnerstag verendete Wildvögel entdeckt. Die letzte Bestätigung steht noch aus, doch Experten gehen davon aus, dass auch diese Tiere dem Erreger A/H5N8 zum Opfer gefallen sind.

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Die Mitarbeiter der Stadtwerke Plön suchen derzeit die schwer zugänglichen Ufer der Seen ab, um angeschwemmte Kadaver verendeter Reiherenten zu finden.

Quelle: Dirk Schneider

Kiel. Im Kreis Plön stand das Telefon nicht mehr still. Auch dort wurden weitere Totfunde gemeldet. An der Schlei wurden bei Fleckeby tote Enten, Kormorane und Möwen entdeckt. Im Landeslabor hat sich der erste Verdacht bestätigt. Auch wenn die endgültige Bestätigung vom Friedrich-Löffler-Institut FLI noch aussteht, bereitet sich das Kreisveterinäramt auf Sperrbezirke (mindestens drei Kilometer Radius um die Fundorte) und Beobachtungszonen (weitere sieben Kilometer) vor. Das gilt auch für Totfunde am Stocksee im nördlichen Kreis Segeberg. Sollte sich der Erreger auch bei einer toten Ente am Selenter See bestätigen, würde im Kreis Plön flächendeckend ein Handelsverbot für Geflügel gelten.

Überall im Land laufen die Vorbereitungen für die Aufstallung auf Hochtouren. Die ersten Gänsehalter haben eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Die gibt es nur, wenn nicht genug Stallfläche vorhanden ist, die Tiere engmaschig tierärztlich überwacht werden und Hühner in der Herde mitlaufen. Hühner gelten als Frühwarnsystem, weil sie besonders empfänglich für den Erreger sind. Viele Schleswig-Holsteiner, die für den Eigenbedarf Hühner halten, reagierten verunsichert auf die Stallpflicht. „Reicht eine Voliere aus“, war die Hauptfrage. Antwort: Ja, wenn die Voliere nach oben durch eine überstehende, dichte Abdeckung und an allen Seiten so gesichert ist, dass keine Wildvögel hineinkommen können.

Bürgertelefon

Bürgertelefon wird eingerichtet

Um Fragen von Bürgern zu beantworten, richtet das Land ein Bürgertelefon ein. Dieses ist von Donnerstag an ab 10 Uhr freigeschaltet und von da zunächst werktags von 9 bis 17 Uhr besetzt und unter Tel. 0431/ 160 6666 erreichbar. Zudem hat der betroffene Kreis Plön ab 10. November unter der Telefonnummer 04522/74387 Mo-Do von 8.30-17 Uhr, Fr 8.30-13 Uhr ein Bürgertelefon eingerichtet.

Bei den Rassegeflügelzüchtern ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. „Es ist es schwierig, Wassergeflügel über längere Zeit einzusperren“, erklärt Peter Elgert, Vorsitzender vom Kreisverband Plön. Er hat als erstes die Kreisverbandsschau, die für Ende November geplant war, abgesagt. „Da steckt viel Arbeit und auch Geld drin. Wir wollten dann nur eine Taubenschau machen, aber auch das ist aus Sicherheitsgründen verboten.“ Immerhin: Von der Stallpflicht sind die Tauben derzeit nicht betroffen, heißt es im Umweltministerium.

Minister Robert Habeck wird sich am Donnerstag mit der Geflügelwirtschaft treffen. „Die Situation fordert alle Geflügelhalter. Es ist wichtig, dass wir hier eng zusammenarbeiten.“ Habeck appelliert zudem an Jäger, in den betroffenen Gebieten keine Wasservögel zu jagen, damit Tiere nicht aufgescheucht werden und das Virus stärker verbreiten. In Plön werden am Donnerstag Spezialisten des Friedrich-Löffler-Instituts erwartet. Sie sollen untersuchen, warum es zum massiven Ausbruch kam. FLI-Präsident Thomas Mettenleiter spricht von einer „Epidemie in der Wildvogelpopulation“ und fordert die Aufstallung auch für Zoovögel. Tote Wildvögel sollten keinesfalls ungeschützt angefasst werden. Die Ordnungsämter richten Sammelstellen ein. Stüben

Zentrale Sammelstelle für tote Vögel

Abdecker, Restmülltonne, Sammelstelle: Wie entsorge ich den Kadaver einer verendeten Reiherente? Diese Frage stellte sich am Mittwochvormittag der Plöner Hans-Günther Ehlers, nachdem er einen toten Vogel vor seinem Seegrundstück entdeckt und in eine Plastiktüte verpackt hatte. Drei Anrufe bei drei Behörden bescherten dem Finder drei verschiedene Antworten. Erst das Kreisveterinäramt wusste die Lösung. „Eine zentrale Sammelstelle für den Bereich Plön für Tierkadaver wurde auf dem Gelände des Bauhofs am ehemaligen Güterbahnhof eingerichtet“, sagte der Sprecher des Kreises, Hendrik Schwinghammer, auf KN-Nachfrage. Zugleich bat er im Namen aller beteiligten Ämter um Verständnis für etwaige Anlaufprobleme des Notfallplans. Angesichts der Tatsache, dass die ersten Verdachtsfälle auf Vogelgrippe erst vor 24 Stunden bestätigt worden seien – „wir sind an Tag eins“ –, funktioniere die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen aber bereits „sehr gut“. (dis)

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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