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Anti-Piraten-Workshop für Weltumsegler

Bundespolizei gab Tipps Anti-Piraten-Workshop für Weltumsegler

Mit dem Segelschiff einmal um die Welt. Einige Segler erfüllen sich diesen Traum. Doch auf See warten nicht nur Wind und Wetter, sondern auch andere Gefahren. In Neustadt erhalten Skipper Tipps zur Abwehr von Piraten.

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Jan Labetzsch (l) und Jens-Karsten Reimann von der Bundespolizei gaben angehenden Weltumseglern Tipps für Passagen durch pirateriegefährdete Gebiete.

Quelle: Andre Klohn/dpa

Neustadt. Sie tauschen ihr Hamburger Heim gegen ein 15 Meter langes, schwimmendes Zuhause. Sabine und Jan Sørensen steigen aus und legen ab - zu einer Weltreise mit dem eigenen Boot und ohne Zeitlimit. Anfang April wollen der Däne und seine aus Schwaben stammende Frau starten. „Open End“, sagt der 49-Jährige. „Wir haben für uns gesagt: Jetzt ist mal Schluss mit Arbeiten“, meint seine Frau. Doch bevor sie als sogenannte Blauwassersegler zur Weltumrundung aufbrechen, holen sie sich an diesem Wochenende im schleswig-holsteinischen Neustadt Tipps für die sichere Passage durch pirateriegefährdete Seegebiete. Bereits zum dritten Mal gibt die Bundespolizei einen zweitägigen Workshop für angehende Weltumsegler.

Neben den Sørensens nehmen daran 53 weitere Segler teil. „Es soll allein in Deutschland 500 bis 600 Blauwassersegler geben“, sagt Jens-Karsten Reimann, der Leiter des Sachbereichs „Maritime Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung“. Das Durchschnittsalter liege bei 55 Jahren aufwärts. „Die Vielzahl kommt aus dem akademischen Bereich, Leute die Geld haben, aber es gibt auch Abenteurer.“ Gemeinsam sei ihnen die Offenheit. „Bei vielen ist der Weg das Ziel. Die sind unterwegs, um die Welt kennenzulernen.“

Damit ihnen dabei möglichst wenig passiert, bieten die Polizisten an jedem ersten März-Wochenende einen Schnellkurs an. Am wichtigsten sei es, die Passage sorgfältig vorzubereiten, Infos über die Seegebiete einzuholen sowie sich mit anderen Seglern und auch der Polizei auszutauschen, sagt Reimann. Er rät den Aussteigern zudem, nicht nur das Boot, sondern auch die Crew auf das Abenteuer vorzubereiten, sich mit den örtlichen Gegebenheiten der Reiseziele auseinanderzusetzen und der Heimat den Kurs anzuvertrauen.

Gefährlich seien nicht nur die Gewässer vor Somalia, der Golf von Aden und die Karibik, sondern auch Südostasien wie der Tod eines 70-Jährigen im Februar gezeigt habe, sagt Reimann. Der deutsche Segler wurde auf den Philippinen Opfer der Terrorgruppe Abu Sayyaf. Er wurde von seinen Entführern auf der Insel Jolo enthauptet. Seine Lebensgefährtin war bereits Anfang November bei dem Überfall erschossen worden.

Die Gewässer gelten wegen der Piraten als eine der gefährlichsten Segelrouten überhaupt. „Wir plotten auch den Kurs von Seglern mit, wenn sie gefährliche Gebiete passieren“, sagt Reimann. Auch ein anderer trauriger Fall ist noch in Erinnerung: 2011 wurde ein 40 Jahre alter Weltumsegler aus Schleswig-Holstein in der Südsee brutal umgebracht.

„Überall dort, wo die Menschen wenig Geld haben, sollte man vorsichtig sein“, rät Reimann. Segelboote seien für Piraten leichte Beute. Eine „pompöse Yacht“ hält er nicht für geeignet, um bestimmte Gebiete gefahrlos zu durchqueren. Von einer Bewaffnung raten die Polizisten aber generell ab. „Als Nordeuropäer überlegt man sich dreimal, ob man wirklich schießt“, sagt Reimanns Kollege Jan Labetzsch. „Da haben Angreifer schon das Magazin leergeschossen.“ In vielen Ländern sei ein Menschenleben nicht viel wert. Aber nicht nur Piraten, auch gefrustete Fischer können Seglern gefährlich werden.

Die Polizisten empfehlen den Seglern, nicht immer nur die einsame Bucht zum Ankern zu suchen. „Viele gehen mit der Erwartung ran: Das ist eine Urlaubstour, da wird nur Schönes passieren. Dem ist aber nicht so“, sagt Labetzsch. Die Polizisten wollen die Segler in dem Workshop deshalb für die Risiken sensibilisieren, ihnen aber auch praktische Tipps für das Abwehrverhalten auf einem Segelboot geben.

Sie lernen aber auch, wie sie sich durch bestimmte Segelmanöver gegen Angreifer auf Booten wehren können. Auch ein Weltumsegler gibt dort seine Erfahrungen weiter. Einige Segler geben den Beamten ihre Routenpläne auch bekannt und fragen nach konkreten Risiken. „Die Resonanz ist sehr positiv“, sagt Reimann.

Die Sørensens wollen bestimmte Gegenden auf ihrer Reise meiden, beispielsweise die Gewässer vor Venezuela oder die Westküste Afrikas. „Angst haben wir aber keine, denn dann brauchst Du auch nicht losfahren“, sagt Sabine. Sie und ihr Mann sehen sich als Aussteiger. Sie verkauften eines ihrer Häuser tauschten das alte Boot gegen ein größeres ein. „Wir hatten schon ein Boot, aber das war uns für die Reise zu klein“, sagt Jan.

Beide sind passionierte Segler. „Ich segle seit ich fünf Jahre alt bin“, sagt der Däne. Das Paar freut sich sehr auf die Reise. Die Kinder seien anfangs skeptisch gewesen, sagt Sabine. „Jetzt gönnen sie uns die Reise aber.“

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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