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Chaos um die Schulbegleiter

Eltern sind verzweifelt Chaos um die Schulbegleiter

Kurz vor Ferienbeginn wissen viele Eltern in Schleswig-Holstein immer noch nicht, ob ihr Kind nach den Ferien eine Schulbegleitung erhält. Die Kreise haben bisher die Bescheide noch nicht verschickt. Begründung: Man habe erst die neue Regelung mit dem Land abwarten müssen.

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 Viele Kinder mit einer Behinderung sind auf eine Schulbegleitung angewiesen, um in Schule und Unterricht zurechtzukommen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Eltern von Kindern mit Behinderung sind verunsichert und verzweifelt. Viele warten seit Monaten auf einen Bescheid“, sagt Günter Ernst-Basten, Vorstand vom Paritätischen. Katrin Engeln vom Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren bestätigt das: „Es gibt Familien, die fahren nicht in die Sommerferien, weil der Bescheid noch nicht vorliegt.“ Bisher haben rund 3000 Schüler mit Förderbedarf in Regelschulen einen Schulbegleiter. Als Reaktion auf ein Urteil des Landessozialgerichts wird das System jetzt umgestellt: Alle Aufgaben, die in den pädagogischen Kernbereich fallen, sollen künftig Schulassistenten übernehmen. Der Schulassistent unterstützt die Lehrkraft – der Schulbegleiter ist für ein bestimmtes Kind zuständig. Beide Hilfen haben für Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ihre Berechtigung.

Der Umbau startet nach den Ferien in den Grundschulen: Das Land finanziert 314 Stellen für Schulassistenten. Doch die meisten Stellen können nicht rechtzeitig besetzt werden. Die Ausschreibung der Stellen, die beim Land angesiedelt sind, beginnt erst jetzt (Infos unter Tel. 0800/2460601). In Kiel sucht man schon, die ersten der 20 Schulassistenten kommen aber frühestens im September.

Einige Kreise wie Ostholstein, Stormarn und das Herzogtum Lauenburg sind bisher nach dem Motto verfahren: So lange die Schulassistenten-Frage ungeregelt ist, werden Schulbegleiter gar nicht oder nur vorläufig bewilligt. Für Ernst-Basten ist „dieses Handeln einiger Kreise juristisch nicht haltbar, konterkariert die Bemühungen des Landes und ist gegenüber den Familien menschlich verwerflich.“

Auch Rebecca Nissen von der Interessengemeinschaft von Eltern autistischer Kinder und Jugendlicher spricht von einem unhaltbaren Zustand. „Mein Sohn soll am ersten Schultag auf Klassenfahrt gehen. Das kann er aber nicht ohne Schulbegleitung“, sagt die Mutter aus Bad Schwartau. Schulassistenten seien oft kein Ersatz. „In diesen Fällen hätte man längst die Schulbegleitung bewilligen müssen.“

Johannes Reimann beim Landkreistag sieht das anders: „Wir mussten die Regelung mit dem Land abwarten. Die kam erst am 19. Juni.“ Nun aber würden die Bescheide versandt. Könne eine Schulassistentenstelle nicht rechtzeitig besetzt werden, würden weiter Schulbegleiter bewilligt. Für Rebecca Nissen reicht das nicht. Sie fürchtet, dass auf Dauer viele Schulbegleiter eingespart werden, obwohl die Kinder darauf angewiesen sind. Tatsächlich steht in vorläufigen Bescheiden: Mit Arbeitsbeginn der neuen Schulassistenten fällt die Schulbegleitung weg.

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So musste es ja kommen: Seit gut einem Jahr wird über Sinn und Unsinn der noch von Bildungsministerin Waltraud Wende initiierten Schulassistenten gestritten. Und zu dem Zeitpunkt, an dem sie endlich den Dienst aufnehmen sollten, sind sie gar nicht da.

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