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Chemieunfall in Hamburg

Großalarm Chemieunfall in Hamburg

Nach einem Chemieunfall in einem Hamburger Gewerbegebiet wird klarer, warum eine stark ätzende Lauge ausgetreten ist. Es sehe danach aus, dass ein Überdruck an einem Sicherheitsventil eines Tanks dazu geführt habe, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde am Freitag. Sie hat die Aufsicht über Chemiefirmen in der Stadt.

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Aus einem Tank der Firma in einem Industriegebiet ist ein zunächst unbekanntes Gas ausgetreten. Mehr als 100 Gäste eines Hotels und weitere Menschen in der Nähe der Firma mussten in Sicherheit gebracht werden.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg. Nach dem Unfall am Donnerstagabend im Stadtteil Billbrook waren 20 Verletzte vorübergehend in Krankenhäuser gekommen, wie ein Feuerwehrsprecher am Freitag berichtete. Zwei von ihnen wurden stationär aufgenommen, hieß es bei der Polizei. Eine dritte Verletzte - eine Polizistin — sei über Nacht zur Beobachtung in der Klinik geblieben.

Mehr als 100 Gäste eines Hotels in der Nähe der Firma sowie Menschen in der Nachbarschaft des Betriebs mussten in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt hatten laut Feuerwehr 48 Menschen nach dem Austritt der ätzenden Lauge über Reizungen der Atemwege oder der Augen geklagt. Die mit Wasserdampf vermischte starke Lauge war aus einem Tank ausgeströmt und hatte einen Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Die Firma produziert Zusätze für die Schmierstoffindustrie. Die ausgetretene Lauge werde zur Reinigung von metallischen Oberflächen eingesetzt, sagte der Feuerwehrsprecher.

Die Firma sei regelmäßig von der Behörde kontrolliert worden, zwei Mal in diesem Jahr, berichtete der Behördensprecher. Der Betrieb sei aufgefordert worden, umgehend eine Ursachenanalyse vorzunehmen. Außerdem behalte sich die Behörde vor, weitere Sicherheitsprüfungen und Schutzmaßnahmen zu fordern. Der Betrieb könne derzeit mit neun Tanks weiterarbeiten, ergänzte der Sprecher. Der betroffene weitere Tank sei abgestellt worden und werde leergepumpt.

Der Unfallalarm war laut Feuerwehr am Donnerstag um 20.44 Uhr eingegangen, rund 120 Feuerwehrleute rückten aus. Etwa eine Stunde später konnte die Feuerwehr den Austritt der gefährlichen Lauge stoppen. Die Schadstoffwolke zog Richtung Nordwesten ab. Im Stadtgebiet wurden Messungen vorgenommen, die aber laut Feuerwehr keine bedenklichen Werte brachten. In der Nacht zum Freitag gab es schließlich Entwarnung. Schätzungen zufolge sei etwa eine Tonne ausgetreten, ergänzte der Behördensprecher. Bei der Lauge handelte es sich um Contram, das als Desinfektionsmittel Kühlschmierstoffen zugesetzt wird, um die Bildung schädlicher Bakterien zu verhindern.

Nordwestlich von Billbrook bis hin zu den Gegenden um Hafencity und Außenalster hatte die Feuerwehr am Donnerstagabend die Menschen über soziale Medien wie Twitter und Facebook aufgefordert, Fenster und Türen sicherheitshalber während der Nacht geschlossen zu halten und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Mit Lautsprecher-Durchsagen seien die Menschen im unmittelbar betroffenen Gebiet über den Unfall informiert worden, sagte ein Polizeisprecher.

Erst am Dienstag war die Hamburger Feuerwehr zu einem Großeinsatz ausgerückt: In einem Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg war ein Feuer ausgebrochen. Später folgte eine explosionsartige Durchzündung von Rauchgas. 45 Menschen wurden verletzt. Rund 400 Anwohner warten weiter darauf, in ihre Wohnungen zurückkehren zu dürfen.

Was ist Contram?

Das Mittel Contram basiert auf dem Wirkstoff Methylenbismorpholin. Das Produkt wird als Desinfektionsmittel Kühlschmierstoffen zugesetzt, um die Bildung von schädlichen Bakterien zu verhindern. Diese Kühlschmierstoffe werden bei der Metallverarbeitung eingesetzt.

Das Produkt ist als reizend eingestuft, kann ernste Augenschäden verursachen und ist umweltschädlich für Wasserorganismen. Es wird mit den Symbolen „ätzend“ und „Gefahr“ gekennzeichnet. Das Ausmaß von Gesundheitsschäden beim Einatmen hängt sehr von der Konzentration und der Temperatur ab. Bei Freisetzung großer Mengen bei hoher Temperatur in Verbindung mit Wasser können Betroffene in unmittelbarer Nähe dauerhaft an den Augen und der Lunge geschädigt werden, wobei es in schweren Fällen zu einer Verätzung kommen kann.

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