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Müll hat an der Küste nichts zu suchen

Costal Cleanup Day Müll hat an der Küste nichts zu suchen

Schulklassen, Naturschutzverbände, Kirchengemeinden und viele nicht-organisierte Helfer haben am Sonnabend 20 Kilometer Küste zwischen Bülk und Bottsand von Plastiktüten, Flaschen und vielem mehr befreit. Sie alle beteiligten sich an der Aktion Costal Cleanup Day.

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Nach einer halben Stunde haben v.l. Paul, Jelbo, Casper, Liv und Nikolai schon eine ganze Menge Müll zusammen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Franziska findet Steine sammeln viel schöner als alte Plastiktüten, Jan weiß, dass Fische und Vögel sterben, wenn sie den Müll im Meer fressen und Nikolai ist sich mit seiner Freundin Liv einig, er steckt sein Bonbonpapier lieber in die Hosentasche und entsorgt es zu Hause im Mülleimer. Für die Kinder ist eines ganz sicher: sie wollen eine saubere Umwelt und keinesfalls Plastik im Meer. Deshalb haben sie sich am Wochenende wie mehr als eine halbe Million Menschen rund um den Globus am weltweiten „Coastal Cleanup Day“ beteiligt.

Mehr als 600 Menschen waren mit Handschuhen und Eimern ausgerüstet an der Küste unterwegs, um die Strandabschnitte zwischen Bülk und Bottsand von Unrat zu befreien. 24 Gruppen haben so 20 Kilometer Küste auf Vordermann gebracht. Erstmals waren auch Gruppen an den Binnengewässern im Kreis Segeberg und an der Schlei dabei.

„Allein in Falkenstein haben wir über 120 Kilogramm Müll gesammelt“, berichtet die Organisatorin Henrike Bratz, die den Tag am Kurstrand in Strande verbrachte und mit spontanen Müllsammlern zwischen den Strandkörben unterwegs war. „Wir haben hier so einige Eimer gefüllt, obwohl dieser Abschnitt ja regelmäßig gesäubert wird und auf den ersten Blick gar kein Müll herumliegt“, wundert sie sich selbst.

Eine der ersten Helferinnen war Tima Meier aus Schilksee. Sie geht täglich in der Förde schwimmen und findet es selbstverständlich, den herumliegenden Müll aufzusammeln. Deshalb beteiligt sie sich auch gerne an dem „Coastal Cleanup Day“. Gemeinsam mit Henrike Bratz steuert sie auf die Strandrosen zu, und binnen kürzester Zeit liegen Strohhalme, Kronkorken, Rührstäbchen, Plastikgabeln, Zigarettenstummel und allerlei Plastiktüten im Eimer. Tima Meier sammelt und Henrike Bratz kategorisiert. „Das Sammeln hier dient auch einem wissenschaftlichen Zweck. Wir teilen den gefundenen Müll in Gruppen ein und melden die Ergebnisse an die Dachorganisation Ocean Conservancy“, berichtet Henrike Bratz.

Hier sehen Sie Bilder vom Costal Cleanup Day 2015.

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In Strande heißt es für die Grundschulklassen der Schule am Sonderburger Platz und die Jernved Danske Skole Dänischenhagen auf Höhe Bülk erst sammeln und später mit Alex Schmidt von der Forschungswerkstatt auf einer großen Plane sortieren und zählen. Die Zweitklässler der Dänischen Schule haben Verstärkung mitgebracht. Jelbo, der es morgens kaum erwarten konnte, an den Strand zu kommen, hat sogar seinen Opa angerufen. Joachim Ziese freut sich über den Elan der Kinder, und auch der Lehrer David Lies ist sich sicher, dass die Kinder so am besten lernen, sorgsam mit ihrer Umwelt umzugehen.

Jan geht in die vierte Klasse und war vor ein paar Tagen mit seinen Mitschülern in der Forschungswerkstatt im botanischen Garten zu Gast. Dort haben die Kinder sich mit dem Plastikmüll in den Meeren beschäftigt, Fische seziert und gelernt, dass die kleinen Plastikpartikel Fische wie Vögel krank machen oder töten. Nun sammelt Jan Müll, und seine kleine Schwester Franziska hilft ihm, auch wenn sie lieber schöne Steine in den Eimern nach Hause tragen würde.

Um die Gefahren von Plastik im Meer geht es auch den Mitgliedern von „One Earth – One Ocean“ (OEOO), die mit ihrem Seehamster auf der Förde nach schwimmendem Müll fahnden und an der Kiellinie ihren Infostand aufgebaut haben. Mehr als zehn Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Meere und sammeln sich in gigantischen Wirbeln mitten im Ozean. Die Mitglieder von OEOO arbeiten an einer Strategie, dieses Material wiederzuverwerten und zu Methanol umzuwandeln. Damit wäre der Wirtschaft und der Umwelt geholfen, denn die schwimmenden Tüten, Schnipsel und Co. werden der Tierwelt zum Verhängnis. „Die Tiere sterben an Darmverschluss, weil sie das schwimmende Plastik für Futter halten“, erklärt der Mikrobiologe Rüdiger Stöhr und dreht zu Demonstrationszwecken mit dem Seehamster, dessen Herzstück ein herunterklappbares Fangnetz für schwimmendes Plastik ist, ein paar Runden an der Kiellinie.

Einen Bottich mit Müll hat sein Kollege Ole Reichert so schon zusammengesammelt, nachdem er eine kleine Runde durchs Hafenbecken gedreht hat. „Wir haben hier nicht nur Kleinteile, sondern erstaunlich viele Baustoffe, also richtiges Isolierungsmaterial gefunden“, erzählt Reichert und vermutet, dass viele Dinge, die der Wind irgendwo abreißt, im Meer landen.

Beim Sortieren gibt es an der Kiellinie noch eine schöne Überraschung. Zwischen Plastiktüten, Styroporwürfeln und Bällen findet sich eine Flaschenpost. „All we do, we do with love“, ist als Botschaft auf dem Zettel zu lesen. Da muss die Finderin Cornelia Kühn lachen. Klar, das Müllsammeln betreiben sie auf jeden Fall mit Liebe und sind auch im kommenden Jahr wieder dabei, wenn am 17. September 2016 der nächste „Coastal Cleanup Day“ rund um Kiel stattfindet. Wer sich auch daran beteiligen will, ob nun als Privatperson, Schulklasse oder Gruppe, kann sich im kommenden Jahr an die Kieler Forschungswerkstatt wenden.

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