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Mehr Fehltage durch Stress

DAK-Psychoreport Mehr Fehltage durch Stress

Psychische Probleme, Angststörungen, Depressionen – jede fünfte Krankschreibung in Schleswig-Holstein erfolgt aufgrund eines seelischen Leidens. Der Anteil der gelben Zettel mit solchen Diagnosen lag 2014 bei 19,2 Prozent. Nur in Hamburg ist die Quote mit 22,3 Prozent noch höher.

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Insgesamt werden Frauen doppelt so häufig krankgeschrieben wie Männer.

Quelle: picture-alliance/gms

Kiel. Das zeigt der neue DAK-Psychoreport. Der Bericht deckt sich mit den Ergebnissen anderer großer Kassen. In der Fehlzeitenstatistik 2014 rangieren psychische Erkrankungen bei der AOK auf Platz eins, bei Barmer, Techniker Krankenkasse und DAK auf Platz zwei hinter Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems. Der Anstieg bei Seelenleiden ist beispiellos. Bei keiner anderen Krankheitsart gibt es eine vergleichbare Entwicklung. In Schleswig-Holstein nahmen die Ausfalltage bei Seelenleiden seit 2000 um 131 Prozent zu.

 „Dabei gibt es heute nicht mehr psychisch kranke Menschen als vor zehn oder 20 Jahren. Sie werden aber besser diagnostiziert und weniger stigmatisiert“, sagt Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit in der Asklepios-Klinik Hamburg-Harburg. Fakt sei aber auch, dass der Handlungs- und Behandlungsbedarf weiter steige, weil immer noch viele Fälle unerkannt blieben.

 Bemerkenswert: In Städten – vor allem in Neumünster und Lübeck – gibt es deutlich mehr Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen als auf dem Land. Das hat mehrere Gründe. Untersuchungen belegen, dass Menschen, die auf dem Land aufwachsen, weniger auf Stress reagieren als Städter. In Städten ist aber auch das Gesundheitsbewusstsein größer: Psychische Probleme werden offener und schneller dem Arzt offenbart.

 Insgesamt werden Frauen doppelt so häufig krankgeschrieben wie Männer. Die stärksten Anstiege gab es im vergangenen Jahr bei jungen Frauen zwischen 20 und 25 Jahren und bei Männern Mitte 30. Wichtig sei es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Beanspruchung und Regeneration, mahnen die Autoren des Reports. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlt sich ein Drittel der Beschäftigten durch Termin- und Leistungsdruck beeinträchtigt, jeder Vierte verzichtet häufig auf Pausen. Etwa jede zweite Führungskraft hat Probleme, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. „Tatsache ist, dass chronischer Stress das Entstehen von Depressionen begünstigt“, sagt Unger. Er sieht die Wirtschaft in der Pflicht – insbesondere weil sich die Beschäftigten heute in immer kürzeren Abständen auf Veränderungen einstellen müssen. Die dafür notwendige Motivation könne schnell in negativen Gefühlen von Angst, Wut und Resignation steckenbleiben.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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