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Neue Lehrer braucht das Land

DAZ-Ausbildung Neue Lehrer braucht das Land

Künftig können Lehrkräfte vor dem zweiten Staatsexamen wählen: Entweder sie schreiben wie bisher eine zweite Hausarbeit oder sie bilden sich ein halbes Jahr lang im Fach Deutsch als Zweitsprache (Daz) fort.

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Peter Kramer, Bianca Bonde, Sören Hansen und Verena Botte (von links) nutzen freiwillig als erste Lehrkräfte die neue Deutsch-als-Zweitsprache-Qualifzierung. Sie hoffen, so später Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch besser fördern zu können.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Mit diesem Modell geht Schleswig-Holstein bundesweit einen neuen Weg, kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Dienstag in Kiel an. Ziel sei es, die Schulen mit genügend qualifiziertem Personal auszustatten, vor allem aber allen Kindern aus anderen Kulturen eine faire Chance auf eine gute Schulbildung zu geben.

Deutsch als Zweitsprache ist kein neues Fach in Schleswig-Holstein. Schon seit Jahren bekommen schulpflichtige Zuwandererkinder in der Regel ein Jahr lang einen Sprachintensivkurs in einem Daz-Zentrum, wechseln dann in den Regelunterricht und absolvieren dort einen weiteren Sprachkurs. Doch trotz dieser Praxis fühlen sich viele Schulen seit einigen Monaten mit der massiv ansteigenden Zahl von Flüchtlingskindern allein gelassen. 2015 mussten 8000 junge Flüchtlinge ins Schulsystem integriert werden. Aktuell besuchen 6087 Flüchtlinge eine allgemeinbildende Schule und 2611 Jugendliche aus anderen Ländern eine berufliche Schule.

„Die Daz-Lehrkräfte stoßen an ihre Belastungsgrenzen – zu große Klassen, zu geringe Unterstützung“, kritisiert Astrid Henke, GEW-Landesvorsitzende. Eigentlich sollen zwölf Schüler ein halbes Jahr lang 25 Unterrichtsstunden pro Woche lernen. Mancherorts säßen aber 25 Schüler in einer Daz-Klasse und bekämen nur zehn Stunden Unterricht. So könnten Kinder kaum ein Niveau errreichen, das ihnen einen problemlosen Einstieg in den Regelunterricht ermöglicht. Astrid Henke fordert daher 500 weitere Stellen im Daz-Bereich. Zudem müssten Regelschulen mit sehr vielen Daz-Kindern mehr Lehrerstellen bekommen.

Die Bildungsministerin verweist auf 365 zusätzliche Stellen, die 2015 geschaffen worden seien. Für 2016 seien bis zu 280 weitere Lehrerstellen im Haushalt vorgesehen. Dennoch sieht auch Britta Ernst die große Herausforderung, alle Flüchtlingskinder ins Schulsystem zu integrieren. Deshalb gehört die Sprachbildung für alle Lehramtsstudenten künftig ins Curriculum. Danach, im Vorbereitungsdienst, kann man freiwillig den neuen Zertifikatskurs belegen. Diese halbjährige Qualifizierung läuft zum Teil über das Internet und wird mit einer benoteten Klausur abgeschlossen. Dafür wird den Lehrern die zweite Hausarbeit erlassen.

Die 198 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (in Gymnasien Referendariat genannt), die am Dienstag in Kiel als Erste den Daz-Kurs begonnen haben, können diesen Vorteil allerdings nicht nutzen. Für sie gilt noch die alte Prüfungsordnung. Das bedeutet: Sie schreiben ihre Hausarbeit und absolvieren zusätzlich freiwillig den Daz-Kurs. Trotz dieser erheblichen Mehrarbeit haben sich 500 der insgesamt 1700 Lehrer im Vorbereitungsdienst für den Kurs beworben. „Das zeigt die enorme Einsatzbereitschaft unserer Lehrkräfte“, sagte Ministerin Ernst.

Sören Hansen gehört zu den 198 Freiwilligen, die für den ersten Kurs ausgewählt wurden: „Ich hatte bisher noch keine Berührungspunkte mit Flüchtlingskindern, aber das wird kommen, und gerade als Deutschlehrer möchte ich darauf gut vorbereitet sein.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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