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Der Wald als Goldgrube

Daldorf Der Wald als Goldgrube

„Wie gut, dass es erst heute Nacht geschneit hat“, murmelt Harald Nasse und blickt sich auf seinem Wertholz-Sammelplatz in Daldorf bei Trappenkamp um. Nasse ist der Submissionsleiter der Schleswig-Holsteinischen Landesforste. Er verkauft Werthölzer, also die wertvollsten Laubbäume, die in den Wäldern des Landes im vergangenen Jahr geschlagen wurden.

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Jörn Winter (rechts) hat die Eiche in seinem Forst ausgesucht. Waldarbeiter Ralf Soltau (Mitte) ließ seinen Auszubildenden Victor Karow (links) das edle Holz fällen.

Quelle: Sonja Paar

Daldorf. Gut 2200 Festmeter edelster Laubbäume standen in diesem Jahr in Daldorf zum Verkauf. Bis Mittwoch hatten 25 Bieter aus ganz Europa die Stämme angeschaut. „In der Begutachtungsphase müssen wir den ganzen Platz schneefrei halten. Wissen Sie, was das für eine Arbeit ist?“, fragt Harald Nasse lächelnd. Doch die Auktion ist vorüber, die Gebote sind in verschlossenen Umschlägen bei Nasse und seinem Kollegen Manfred Quer von der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur eingegangen. Die meisten Stämme sind verkauft. „Wir sind mit dem Erlös zufrieden. Die Eschen sind im Preis konstant geblieben, die Eichen, zumal wir in diesem Jahr auch viele qualitativ sehr hochwertige Exemplare im Angebot hatten, im Preis um 15 Prozent gestiegen. Eiche ist zurzeit ein Trendholz auf dem Weltmarkt“, sagt Nasse. Insgesamt liegen auf dem Platz derzeit Hölzer im Wert von 1,4 Millionen Euro. Etwa ein Drittel der gesamten Marge hat ein Sägewerkbesitzer aus Dänemark aufgekauft.

Eine große Verantwortung

Den wertvollsten Stamm hat Forstwirt Jörn Winter aus Bordesholm angeliefert. Die knapp 200 Jahre alte Eiche hat ein Furnierholzhersteller aus Nordrhein-Westfalen für 4351 Euro erstanden. „Diesen Baum haben sieben Förstergenerationen gepflegt. Bevor man den fällt, wälzt man die Idee doch mehrmals in seinem Herzen. 200 Jahre Pflege und dann kommt Winter und zack, so einfach mache ich mir das nicht“, sagt der Forstwirt. Das Fällen übernahm Winter dann aber nicht selbst, sondern ließ das den Auszubildenden Victor Karow erledigen. „Natürlich war ich dabei aufgeregt. Das ist ja eine ganz schöne Verantwortung“, erzählt Karow. Der Baum musste in die richtige Richtung fallen und durfte beim Aufprall keine Risse bekommen. Alles ging gut, Azubi Karow ist stolz.

Manfred Quer von der Holzagentur hat allerdings noch einiges zu tun. Für ein paar Eschenstämme hat er die Lose zurückgezogen. „Wir schätzen den Wert der Bäume. Und wenn das verdeckte Gebot 80 Prozent des Wertes unterschreitet, dann müssen wir hier noch mal nachverhandeln“, erklärt er. Quer hat dafür Monika Bröker eingeladen. Sie hat eine Holzstielfabrik in der Nähe von Pinneberg. Bröker sucht noch Eschenholz und begutachtet die extra für sie schneefrei geräumten Hölzer. Diese müssen möglichst gerade und astfrei sein.

"Wie auf dem Flohmarkt"

Dann aber geht es ans Verhandeln. „Das ist jetzt ein bisschen wie auf dem Flohmarkt“, berichtet sie. „Aber spätestens beim zweiten Gebot einigen wir uns“, ergänzt Quer und hat sichtlich Spaß am Handeln und dem Handschlaggeschäft. Für 200 Euro pro Festmeter kauft Monika Bröker schließlich einen Stamm, den sie später in 500 Stielen an eine Spatenmanufaktur in der Nähe von Hamburg verkaufen will.

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