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Darf ein MP geil sagen?

Daniel Günther Darf ein MP geil sagen?

Lübeck, findet Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, ist eine „geile Stadt“. Ist das eine Formulierung, die einem MP gut zu Gesicht steht? Ja, sagt der Hamburger Germanistik-Professor Jannis Androutsopoulos.

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Cool, geil, sexy - Ministerpräsident Daniel Günther pflegt die Jugendsprache.

Quelle: Carsten Rehder

Kiel. Immer wieder ist in den vergangenen Wochen aufgefallen, wie locker der 44-jährige Günther seine Worte wählt. Schon in seiner ersten Regierungserklärung Ende Juni ließ er aufhorchen, als er forderte, dass Schleswig-Holstein für Unternehmensgründer „richtig sexy“ werden müsse. Zur Eröffnung der Husumer Wind-Messe wies Günther darauf hin, dass er Windkraft „cool“ finde. Auf der Nordbau in Neumünster machte er darauf aufmerksam, dass viele Betriebe auf öffentliche Aufträge „keinen Bock“ hätten. Und nach einer Neuregelung zur Sicherung von Waldkindergärten verkündete er: „Heute haben wir geliefert.“

Sein überwiegend junges Umfeld findet diesen Duktus völlig normal. Günther sei kein alter Opa, sondern rede nun mal, wie ihm der Schnabel gewachsen sei. Günthers Pressesprecher Peter Höver (60) will den Sprachstil seines jungen Chefs nicht kommentieren. „Das ist Sache der Medien und der Öffentlichkeit.“ Alle zwei Wochen trifft sich der MP mit seinen Redenschreibern, um ihnen ein Gefühl davon zu vermitteln, wie er tickt. Albig, so ist zu hören, habe sich dort zu Amtszeiten lange nicht blicken lassen.

„Günther macht seine Sache gut“, urteilt der Hamburger Germanistik-Professor Jannis Androutsopoulos (50). Ehemalige Jugendsprache sei „in höhere Register“ aufgestiegen. Der Wissenschaftler spricht von einer „Informalisierung der gesamten öffentlichen Sprache“ und davon, dass sich dieser lockere Stil auch in der Politik wiederfinde. Wer allerdings wie sprechen darf, werde ständig im sozialen Miteinander neu ausgehandelt. „Günther ist ein Kind der 1990er-Jahre, als Wörter wie ,geil’ und ,cool’ erstmals ihren Eingang in die Zeitungssprache fanden“, sagt der Medien-Linguist. Wenn der MP diese Wörter jetzt auch im Beruf verwende, sei das für ihn als Vertreter seiner Generation nur folgerichtig. „Der darf das, weil er ansonsten nicht salopp, sondern sehr gepflegt spricht. Diese Mischung macht ihn sogar authentisch.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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