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Big Business im kleinen Wacken

Wacken Open Air Big Business im kleinen Wacken

In der kommenden Woche werden wieder Zehntausende Heavy-Metal-Fans in das Dorf Wacken in Schleswig-Holstein einfallen. Auch die Bewohner bereiten sich auf den Ansturm der Partygäste vor — nicht nur aus musikalischen Gründen.

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Am 30.07.2015 beginnt das weltweit größte Heavy-Metal-Festival in Wacken.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Wacken. Schlamm, Matsch und viele laute Töne: 75 000 Fans warten seit einem Jahr auf den Beginn des weltweit größten Heavy-Metal-Festivals in Wacken. Auch die Bewohner bereiten sich schon Wochen vorher auf den Ansturm der Partygäste Ende Juli vor. Neben den Veranstaltern fiebern auch die Anwohner dem Festival entgegen.

„Das Festival ist ein Glücksfall für das ganze Dorf“, sagt der Bürgermeister der 1800-Seelen-Gemeinde, Axel Kunkel. Lediglich an den Festivaltagen im Sommer platzt das Dorf aus allen Nähten, ansonsten fehlt von Tourismus jede Spur. „Wir haben nur einen Gasthof, bei uns ist nicht viel los“, sagt Kunkel.

Im Umkreis von 80 Kilometern sind bereits Monate im Voraus alle Ferienwohnungen, Hotelzimmer und Camping-Plätze ausgebucht. Frei zugänglich ist der Zeltplatz, auf dem sich die Metal-Fans frei einrichten können. Dazu wurden sechs Kilometer Stromleitung verlegt, mehr als 1500 Toiletten aufgestellt und knapp 1000 Waschplätze und Duscheinheiten verlegt.

Doch nicht jeder Metal-Fan will in der letzten Woche im Juli auf Luxus verzichten. Wer Glück hat, konnte sich noch eine Kabine auf der „MS Wacken“ sichern. Mit 80 Schlafplätzen schippert das Schiff 3,5 Kilometer vom Festivalgelände entfernt im Nord-Ostsee-Kanal. Neben einem Frühstücksbuffet und einem Sonnendeck ist auch fließend Wasser im Preis inklusive — ein Luxus der den Fans in den Zeltlagern verwehrt bleibt.

Neben den Unterkünften profitieren vor allem die Supermärkte und Gastronomen, bei denen die Fans ihr Geld lassen. Auch als Wachpersonal, Ersthelfer oder als Schankhilfen sind zahlreiche Dorfbewohner beim Festival dabei. Viele Anwohner vermieten in den wenigen Tagen ihre Vorgärten an Firmen oder Unternehmen, die auf den kilometerlangen Weg zum Festivalgelände ihre Produkte anbieten. In nur einer Festivalwoche erwirtschafte das Dorf laut Kunkel etwa zehn Prozent des gesamten Jahresumsatzes — davon wollen natürlich auch die Nachbargemeinden profitieren.

Das Festival hat die ganze Dorfgemeinde im Griff, sagt auch Bürgermeister Kunkel. 95 Prozent der Anwohner würden sich voll mit der Heavy-Metal-Woche identifizieren. Kinder liefern gegen einen kleinen Obolus den Metal-Fans im Handwagen die Utensilien zu den Zelten. Die Landjugend und selbst die Kirche spiele eine wichtige Rolle bei dem Heavy-Metal-Gelage, das bei Regen öfters in einem Schlammwettbewerb ausartet. Bereits zum dritten Mal in Folge findet in der evangelischen Gemeinde die „Metal Church“ statt, ein Gottesdienst mit ruhigen Akustik-Versionen der Schlammpartie.

Nach knapp zwölf Stunden waren die 75 000 Tickets verkauft, auch die Transportmöglichkeiten nach Wacken bei Itzehoe sind rar. Ob mit dem Flugzeug aus der ganzen Welt, einem eigenen Heavy-Metal-Zug aus Hamburg oder auch mit einem „Wackenbus“ aus Europa in das Dorf in Norddeutschland anreisen — die Straßen in das 1800-Seelen-Dorf sind meist schon in den Vortagen verstopft.

Nur wenige Minuten nachdem der Ticketkauf begonnen hatte, setzte auch ein Ansturm auf die Mitfahrzentralen ein und legte etwa bei der „Rockfahrzentrale“ den Server lahm, erinnert sich deren Geschäftsführer Robert Skiba. Die „Rockfahrzentrale“ startet mit 15 Bussen von mehr als 50 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit einem landesweiten Taxidienst von Wacken ins 20 Kilometer entfernte Itzehoe oder bis zum Flughafen Hamburg — um lange Wartezeiten und Abzocke von Fahrgästen zu vermeiden — wird sogar 2015 erstmals eine Taxizentrale auf Zeit eingerichtet. Per App können sich die Fans ein Taxi zum Fixtarif direkt bis zum Festivalgelände bestellen.

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