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Niederländisch-deutsches Manöver an der Küste

Den Helder Niederländisch-deutsches Manöver an der Küste

Das ist eine neue und ungewöhnliche Kooperation: Soldaten aus Eckernförde und den Niederlanden starteten vor der Den Helder und der Nordseeinsel Texel ihre erste große Übung gemeinsam.

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Einsatz für Spezialisten in rauer See: In einem der modernen Speedboote der niederländischen Marine sichert ein deutsches Boarding-Team des Seebataillons den Rückzug von der Insel Texel.

Quelle: Frank Behling

Den Helder. Es kracht und knallt gewaltig. Auf der kleinen Straße in den Dünen gerät ein Militärkonvoi in ein Feuergefecht. Nebelgranaten fliegen in die Büsche und schwerbewaffnete Marineinfanteristen stürmen über die Dünen. Das Szenario dieser Militärübung spielt in keinem abgeschotteten Truppenübungsplatz. Das Bild gibt es mitten auf Texel, einer der beliebtesten niederländischen Urlaubsinseln. In dieser Woche übten dort erstmals über mehrere Tage 85 Soldaten des Seebataillons aus Eckernförde. Ziel ist bis 2018 die Integration der Eckernförder Soldaten in die Struktur der niederländischen Marine. Ein Pilotprojekt in der Nato.

In Deutschland undenkbar: Mit schweren Fahrzeugen brausten die Soldaten während ihrer Übung durch die Dünenlandschaft.

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Die niederländische Marinebasis Den Helder und die Insel Texel könnten damit so etwas wie eine zweite Heimat für die Eckernförder Soldaten werden. „Das klappt wirklich sehr gut. So weit sind wir irgendwie ja auch nicht auseinander. Wir kennen uns ja auch“, kommentiert Kapitänleutnant Pascal Sahling vom Seebataillon die erste große Übung. Der 29-Jährige erstellt zusammen mit seinem niederländischen Kameraden Captain Alexander Gies das Lagebild im mobilen Gefechtsstand am Dünenrand.

Das dürften sie in Deutschland nie

Auf Texel und im niederländischen Wattenmeer dürfen die deutschen Soldaten auch Einsätze fahren, die im deutschen Wattenmeer für Nationalpark-Ranger und Umweltschützer kaum vorstellbar wären. Die fast neun Tonnen schweren Kampfwagen vom Typ Eagle fahren bis auf den Strand, gefolgt von den kleinen Kettenfahrzeugen des Typs Viking der Niederländer. „Wir ergänzen uns sehr gut. Jeder bringt seine Stärken mit ein“, sagt Sahling dazu.

Ziel dieser ersten größeren Übung ist die Evakuierung eines Kriegsgebiets. Die Marine-Ärztin Teresa Langer aus Kiel sagt: „Wir als Mediziner verstehen uns ohnehin. Und militärisch läuft es mit den Kameraden aus den Niederlanden auch sehr gut.“ Sie und ihr Team müssen einen Soldaten mit einem angenommenen Beinschuss im gepanzerten Eagle aus der Gefechtszone holen und nach der Erstversorgung an ein niederländisches Hubschrauber-Team übergeben. Die Operation erfolgt dann später wiederum durch ein anderes Team an Bord der „Karel Doorman“, dem derzeit modernsten Joint Support Ship der Nato im Hafen von Den Helder.

Interessanter Sprachenmix

Englisch wird zwar als Nato-Sprache vorausgesetzt. Dennoch ist ein Mix aus Deutsch, Friesisch und sogar Plattdeutsch zu hören. „Viele Kameraden aus den Niederlanden sprechen deutsch“, sagt Sahling. Schwerpunkt des Manövers ist die Sicherung von Zivilisten. Als Höhepunkt gilt der Rückzug über das Wasser von der Insel zum Festland. Die Niederländer können hier auftrumpfen. Große, moderne Landungsboote haben sie reichlich. Die Sicherung übernehmen wieder gemischte Speedboote mit deutschen und niederländischen Boarding-Soldaten. Auch Drohnen und Minentaucher des Seebataillons sind begehrt.

Vor Ort sind auch die beiden ranghöchsten Marinesoldaten der Länder, Generalleutnant Rob Verkerk und Vizeadmiral Andreas Krause. „Ich bin wirklich sehr zufrieden. Dieses Beispiel zeigt, was möglich ist. Jeder Partner bringt seine Fähigkeiten mit ein“, sagt Verkerk nach der Übung. Das macht einen wirklich stolz, diese Zusammenarbeit zu sehen. Besonders schön ist, dass es die Soldaten aus der Arbeitsebene sind, die diese Kooperation auch leben.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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