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Der Weiße Ring gibt Opfern eine Stimme

40 Jahre Der Weiße Ring gibt Opfern eine Stimme

Sexualdelikte, Betrug, Diebstahl, Körperverletzungen – seit 40 Jahren hilft der „Weiße Ring“ den Opfern von Kriminalität. Allein in Kiel sind im Laufe der Jahre fast 7000 Fälle bearbeitet worden.

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Vor allem Opfer von Gewalttaten benötigen Unterstützung: Allein in Kiel hat der Weiße Ring in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als 7000 Fälle bearbeitet.

Quelle: dpa

Kiel. Für Martin Lämmerhirt, den Leiter der Außenstelle in der Landeshauptstadt, ist die Hilfsorganisation unverzichtbar: „Wenn es den Weißen Ring nicht geben würde, müsste er erfunden werden“, sagt der 73-Jährige.

 Zwischen 150 und 180 Fälle sind es durchschnittlich pro Jahr, die von Lämmerhirt und seinen 15 Mitstreitern betreut werden. Hinter jedem dieser Fälle stecken individuelle Schicksale von Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind. Kein Fall ist gleich, keiner schlimmer als der andere. Hilft den einen bereits ein persönliches Gespräch und eine Vermittlung für eine trauma-therapeutische Beratung bei einem Spezialisten, benötigen andere auch rechtliche Unterstützung und Begleitung zu Vernehmungen bei der Polizei oder Verhandlungen vor Gericht. „Das alles geschieht ehrenamtlich, wir finanzieren uns allein durch Spendengelder, Mitgliedsbeiträge und Zuwendungen und sind seit der Gründung des Weißen Rings vollkommen unabhängig von staatlichen Finanzmitteln“, bekräftigt Lämmerhirt, der selbst auch ein Jubiläum feiern könnte. 30 der 40 Jahre mischt der Kieler selbst bei der Opferschutzorganisation mit, sieben davon als Leiter der Außenstelle. Neben der aktiven Opferhilfe zählt Prävention zu seinen Kernaufgaben, regelmäßig hält er Vorträge.

 Nur: Allzu großes Aufsehen um seine Person möchte der 73-Jährige nicht machen. „Sagen wir einmal so: Das Leben meinte es immer gut mit mir. Dafür bin ich von Herzen dankbar und deshalb entschloss ich mich, durch mein Engagement der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen“, sagt Lämmerhirt, der beruflich im Justizvollzug des Landes, unter anderem als Anstaltsleiter in Itzehoe und Flensburg tätig war. „Ich habe in meinem Leben hunderte von Urteilen gelesen, kenne Schicksale und Lebensgeschichten auf beiden Seiten – von Tätern und Opfern“, berichtet er. Von der Grundidee des Weißen Rings, Opfern eine Stimme zu geben, war er von Anfang an überzeugt. „Bis heute ist es so, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung zu häufig noch immer alles um den Täter dreht, das Opfer in seiner Not mit seinen Belangen und Bedürfnissen außen vor bleibt“, sagt der Familienvater. „Hier gegenzusteuern, das sehe ich als Kernaufgabe unserer Arbeit.“

 Rund 7000 Opfer von Kriminalität haben die Kieler Opferschützer in den vergangenen vier Jahrzehnten betreut. Grundsätzlich gelte es, die Schicksale der Menschen emotional nicht zu dicht an sich heranzulassen. Dies würden die Ehrenamtler auch in speziellen Kursen lernen. „Aber natürlich gibt es Fälle, an denen man zu knabbern hat“, sagt Lämmerhirt. Vor allem, wenn es um Sexualdelikte oder Fälle geht, in denen Kinder misshandelt wurden. „Das geht einem menschlich nah, daran erinnert man sich mitunter auch noch Jahre später“, ist der Pensionär ehrlich. Aber: „Unterm Strich ist es ein schönes Gefühl, wenn man es geschafft hat, Menschen wieder aufzurichten und auf die Beine zu stellen.“

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