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Immer mehr Menschen ohne Wohnung

Diakonie im Land Immer mehr Menschen ohne Wohnung

In Schleswig-Holstein leben immer mehr Menschen ohne eigene Wohnung. Die Diakonie beriet 2015 mit 6500 Betroffenen fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Und das nicht nur in den Großstädten: In Dithmarschen wurden 90 obdachlose Jugendliche unter 18 Jahren bekannt.

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In Schleswig-Holstein gibt es immer mehr Wohnungslose.

Quelle: Simela Pantzatzi / dpa

Rendsburg. Besonders angespannt ist die Lage in den vier kreisfreien Städten. In Lübeck haben mit 1526 Wohnungslosen landesweit die meisten Betroffenen die diakonischen Beratungsstellen und Notunterkünfte in Anspruch genommen, gefolgt von Kiel (1170), Flensburg (1149) und Neumünster (1009). Aber auch in Mittelzentren wie Heide, Pinneberg und Husum verzeichnete die Diakonie ein deutliches Plus bei den Rat- und Hilfesuchenden, und zwar bei Männern und Frauen.

„Wir schätzen, dass die Dunkelziffer noch sehr viel höher liegt“, sagt Landespastor Heiko Naß. Zudem hätten die Ordnungsämter weitere 741 Fälle registriert. „Diese Entwicklung ist ein weiterer Hinweis dafür, dass es trotz guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosenzahlen Personengruppen gibt, die weiter dauerhaft von Armut betroffen oder bedroht sind.“ 

Schufa-Eintrag oder psychische Probleme

Eine wesentliche Ursache für Wohnungslosigkeit sei neben den ganz persönlichen Notlagen der Betroffenen der anhaltend hohe Druck auf dem Markt für bezahlbare Wohnungen. Während immer mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wächst gleichzeitig die Zahl der Bedürftigen. Dabei haben neben Studenten, Hartz-IV-Empfängern und Flüchtlingen die Wohnungslosen meist die schlechtesten Chancen, bei der Vergabe von Wohnungen zum Zuge zu kommen. „Wer überschuldet ist, einen Schufa-Eintrag hat oder unter psychischen Problemen leidet, wie viele unserer Klienten und Klientinnen, dem bleibt der erneute Zugang zum Mietmarkt oft versperrt“, erläutert Heike Raddatz-Kossak von der Vorwerker Diakonie.

Landespastor Heiko Naß befürwortet deshalb den von Landesregierung und Wohnungswirtschaft geplanten Bau neuer Wohnungen in Schleswig-Holstein. „Die Förderrichtlinie zum Sonderprogramm ‚Erleichtertes Bauen‘ ist ein wichtiges Signal. Wir vermissen allerdings eine verbindliche Regelung für ein Kontingent an Wohnungen, die allein Wohnungslosen zur Verfügung stehen. Nur so kann verhindert werden, dass sie gegenüber anderen Bedürftigen benachteiligt werden.“  Die Vorwerker Diakonie und die Stiftung von Hempels e.V. in Kiel werden deshalb selbst als Wohnungsanbieter aktiv: Sie wollen Wohnungen anmieten oder kaufen, um dann dort Wohnungslosen wieder ein Zuhause zu geben. 

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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