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Die Einbrecher ziehen sich zurück

Kriminalität Die Einbrecher ziehen sich zurück

In Schleswig-Holstein sind Einbrecher auch ohne den umstrittenen Einsatz von Hilfspolizisten auf dem Rückzug. „Die von den Staatsanwaltschaften eingerichteten Sonderdezernate zeigen Wirkung“, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Ralph Döpper.

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„Keine Anhaltspunkte, dass der positive Trend im Juni abbricht“: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Polizei um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Quelle: Daniel Maurer/dpa

Kiel. Auf Antrag der Dezernate hätten Gerichte eine Vielzahl von Haftbefehlen erlassen, insbesondere gegen osteuropäische Tätergruppen. Zudem setze die Justiz auf beschleunigte Hauptverfahren. Im Idealfall kann so bereits wenige Tage oder Wochen nach einer Tat ein Urteil fallen.

 Die Landespolizei bestätigte den Rückgang bei Einbruchsdiebstählen. In den ersten fünf Monaten diesen Jahres registrierten die neu gebildeten Spezial-Ermittlungsgruppen 2868 versuchte oder vollendete Einbrüche. Im selben Vorjahreszeitraum waren es mit 3197 rund zehn Prozent mehr. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass der positive Trend im Juni abbricht“, sagte der Sprecher des Landespolizeiamts, Torge Stelck. Auch vor diesem Hintergrund lehnte Innenminister Stefan Studt (SPD) den Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ab, Hilfspolizisten zum Schutz vor Wohnungseinbrechern einzusetzen. „Wir brauchen keine in Crashkursen ausgebildeten Hilfssheriffs, die unter Mitführung von Waffen den öffentlichen Raum sichern.“

 Laut des Jahresberichts des Generalstaatsanwalts müssen sich die Nordlichter auch sonst nicht mehr oder weniger Sorgen machen als in den Vorjahren. „Ich glaube, dass Schleswig-Holstein weiterhin ein sehr sicheres Land ist“, sagte Döpper. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr wurden gut 278000 Ermittlungsverfahren eingeleitet, etwas weniger als 2014. Zugleich stieg die Zahl der Fälle, in denen ein Beschuldigter ausgemacht werden konnte, auf mehr als 156000. „Das ist ein Beleg für die erfolgreiche Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften“, sagte Döpper. Aus dieser Erfolgsbilanz fällt ausgerechnet die Einbruchskriminalität heraus. Bei den 2015 registrierten 7804 Einbruchsfällen gab es nur 809 Tatverdächtige.

 Der Kriminalitätsrückgang zieht sich durch fast alle Bereiche, von Tötungsdelikten über Wirtschafts- und Umweltverbrechen bis hin zur Gewaltkriminalität. So sank die Zahl der Gewaltverfahren (Körperverletzung, Nötigung, Raub) auf gut 21200 Fälle. Das sind gut 2000 weniger als im Vorjahr. Als erfreulich bezeichnete es Döpper, dass der Anteil der Jugendlichen bei den Gewaltdelikten seit 2008 immer weiter sinkt. Damals waren Jugendliche oder Heranwachsende (bis 21 Jahre) noch an mehr als jeder zweiten Gewalttat in Schleswig-Holstein beteiligt, heute nicht einmal an jeder vierten. Ebenso offen schilderte Döpper, dass die Fallzahlen in zwei Deliktgruppen seit Jahren steigen, nämlich im Drogenbereich (insbesondere Cannabis) und bei der Informations- und Kommunikationskriminalität (darunter Computerbetrug mit Straftaten etwa rund ums Online-Banking).

 Insgesamt hatten die 177 Staatsanwälte zumindest statistisch gesehen weniger zu tun. Die Zahl der Anklagen sank erstmals seit Jahren unter 26000, die der Einstellungen (etwa wegen Geringfügigkeit) stieg auf fast 56000. Folge: Die Staatsanwaltschaften konnten im vergangenen Jahr wieder 70 Prozent der Fälle innerhalb von drei Monaten erledigen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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